Alle bedeutet alle und das ist auch alles, was es
bedeutet!
Martyn McGeown
Wie oft haben wir diesen Satz schon gehört wenn wir
versuchten, den reformierten Glauben Arminianern zu erklären? Diesem
sehr geläufigen Einwand liegt ein schwerwiegendes Missverständnis der
Bibel zu Grunde. Es bedeutet auch ein Missverstehen von Sprache an sich.
Was bedeuten Wörter wie “alle,” “jeder,” “die
Welt,” “wer auch immer” in der Bibel? Der einfachste und
zuverlässigste Weg ist mit folgendem Axiom zu beginnen: die Schrift
wird mit der Schrift interpretiert. Damit erlauben wir der Bibel sich
selbst zu erklären. Viele Passagen dieses Artikels setzen sich aus
Stellen des Neuen Testaments zusammen, die von Kommentaren begleitet
sind, um die Bedeutung zu erläutern oder vielmehr, was sie nicht
bedeuten. Viele der Stellen sprechen für sich.
„Als das der König Herodes hörte, erschrak er,
und ganz Jerusalem mit ihm“ (Matt. 2,3). Ist es wahr, dass die gesamte
Bevölkerung Jerusalems von der Nachricht wusste, die die Weisen aus dem
Morgenland Herodes brachten, oder dass sie darüber „erschraken“?
Natürlich nicht! Diese Stelle bezieht sich auf die Führer Jerusalems
und kann sehr wohl dasselbe „Jerusalem“ sein, das in Matthäus 23,37
erwähnt wird, welches nicht wollte, dass Jesus ihre Kinder (d.h. das
als Kinder bezeichnete Volk der Führer Jerusalems, Anm. d. Übers.)
sammelt.
„Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und ganz
Judäa und alle Länder am Jordan und ließen sich taufen von ihm im
Jordan“ (Matt. 3,5-6). Müssen wir uns vorstellen, dass Jesus jeden
getauft hat? Gab es keine Ausnahmen? Wir können ganz sicher annehmen,
dass es unmöglich gewesen war, dass die gesamte Bevölkerung Judäas
getauft worden ist. Siehe auch Markus 1,5.
„Und ihr werdet von jedermann gehaßt sein um
meines Namens willen“ (Matt. 10,22). Wurden die Jünger von allen
Menschen gehasst, die in den Urwäldern Afrikas lebten, also von
Menschen, die nie etwas von den Jüngern gehört hatten? Offensichtlich
bedeutet hier „jedermann“ alle Arten von Völkern.
„Und es erstaunten die ganzen Volksmengen und
sagten: Dieser ist doch nicht etwa der Sohn Davids?“ (Matt. 12,23).
Ist dies universell gemeint? Selbst wenn man hierbei andere Nationen
außer Acht lässt, was ist mit den Schriftgelehrten und Pharisäern?
Waren sie erstaunt, erwogen sie auch nur für einen Moment die
Möglichkeit, dass Jesus der Sohn Davids sein konnte? Ganz und gar nicht!
„Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die
ganze Stadt und fragte: Wer ist der?“ (Matt. 21,10). Erregte Jesus
wirklich dieses allgemeine Aufsehen?
„Alle halten Johannes für einen Propheten“
(Matt. 21,26). Weder die Pharisäer noch die Römer oder Griechen
hielten Johannes für einen Propheten. Offensichtlich kann „alle“
hier also nicht in einem allumfassenden Sinn verstanden werden.
„Und das ganze Volk antwortete und sprach: Sein
Blut komme über uns und über unsere Kinder“ (Matt. 27,25). War die
gesamte Bevölkerung Jerusalems, geschweige denn das Römische Reich, in
einen Vorhof zusammen gedrängt und sprach jene schrecklichen Worte?
Nein! Jeder einer genau definierten Gruppe ist damit gemeint.
„Und die ganze Stadt war vor der Tür versammelt“
(Markus 1,33) Nicht jeder einzelne Stadtbewohner ist gemeint.
„Und als sie ihn fanden, sprachen sie zu ihm:
Jedermann sucht dich“ (Markus 1,37). Das kann nicht allgemein
verstanden werden, denn Menschen in China haben ihn nicht gesucht, auch
Menschen in abseits gelegenen Dörfern Galiläas haben nicht nach Jesus
Ausschau gehalten.
„Und alle wunderten sich“ (Markus 5,20). Die
Griechen, die Äthiopier und die Menschen in Amerika haben sich zu der
Zeit nicht gewundert.
„Und als er die Volksmenge wieder herbeigerufen
hatte, sprach er zu ihnen: Hört mich alle und versteht!“ (Markus
7,14). Es ist nicht jeder damit gemeint.
„Und [ sich]
alle in ihren Herzen wegen Johannes fragten, ob er vielleicht der
Christus sei“ (Lukas 3,15). Mit “alle” ist natürlich nicht die
gesamte Menschheit gemeint. Die Chinesen haben sich diese Frage nicht
gestellt.
„So wird das ganze Volk uns steinigen, denn es ist
überzeugt, dass Johannes ein Prophet ist“ (Lukas 20,6). Die
Pharisäer waren über einen Aufruhr in der Bevölkerung besorgt. Und
nicht etwa darüber, dass womöglich jeder Mann, jede Frau und jedes
Kind der Nation beteiligt sein würde. Sie befürchteten auch nicht,
dass sich der Aufruhr über die ganze Welt verbreiten könnte.
„Siehe, der tauft, und alle kommen zu ihm“ (Joh.
3,26). Wenn wirklich alle zu ihm gekommen wären, hätte es eine
umfassende Erlösung für alle gegeben. Wir wissen natürlich, dass
relativ wenige zu Christus gekommen sind, ganz bestimmt nicht jeder
einzelne Mensch. Aber es waren genug, um die Pharisäer zu beunruhigen.
„Und alles Volk kam zu ihm; und er setzte sich und
lehrte sie“ (Joh. 8,2). Es ist nicht jeder einzelne des Volkes gemeint.
„Wenn wir ihn so lassen, werden alle an ihn glauben,
und die Römer werden kommen und unsere Stadt wie auch unsere Nation
wegnehmen“ (Joh. 11,48). Wenn alle an Christus glauben würden,
schlösse das die Römer und selbst die Pharisäer mit ein. Viel mehr
bedeutet „alle“ eine signifikante Anzahl an Bekehrten, die
ausreichen würde, um die Aufmerksamkeit der Römer auf sich zu ziehen.
Dies fürchteten die Pharisäer.
„Lobten Gott und hatten Gunst beim ganzen Volk“ (Apg.
2,47). Die frühen Gemeinden wurden von vielen gehasst und hatten
keineswegs die Gunst des ganzen Volkes.
„Viele aber von denen, die Zauberkünste getrieben
hatten, trugen die Bücher zusammen und verbrannten sie vor allen“ (Apg.
19,19). „Vor allen“ meint öffentlich, es war ein öffentliches
Bekennen von Buße und kein Zusammenkommen der Bevölkerung der ganzen
Welt, um einer Bücherverbrennung beizuwohnen.
Die „Göttin Diana [ ...]
, die doch ganz Asia und der Erdkreis verehrt“ (Apg.19,27). Es ist
offensichtlich, dass nicht jeder auf dem Planeten Erde Diana verehrte.
„Das ist der Mensch, der überall jedermann lehrt
gegen das Volk und das Gesetz und diese Stätte“ (Apg. 21,28). Paulus
hatte bis dahin nicht „jedermann“ erreicht. Gemeint ist, dass Paulus
überall dort, wohin er gereist war, Menschen das Evangelium lehrte.
„Denn du sollst bei allen Menschen ein Zeuge für
ihn sein von dem, was du gesehen und gehört hast“ (Apg. 22,15). Die
Zeit, in der jede einzelne Person vom Evangelium gehört haben wird,
wird niemals kommen. Alle Völker werden davon hören, aber nicht jeder
einzelne Mensch all dieser Völker.
„Denn euer Gehorsam ist überall bekannt geworden“
(Röm. 16,19). Wussten die Menschen in Tibet vom Gehorsam der Römer?
Natürlich nicht!
In dem wir der Schrift erlauben für sich selbst zu
sprechen, können wir erkennen, dass der Ausdruck „alle Menschen“
nicht „jedes Individuum auf dem Planeten Erde von Adam bis zum Ende
aller Zeiten“ bedeutet. Vielmehr bedeutet er alle einer bestimmten
Gruppe oder die Mehrheit eines spezifischen Ortes oder alle Völker ohne
Unterscheidung. Einige Beispiele aus dem täglichen Leben
veranschaulichen dies: Wenn eine Familie sich darauf vorbereitet zum
Strand zu fahren und der Vater (im Garten, in Hörweite der Nachbarn
stehend) ruft „So, alle ins Auto!“, denken dann alle Kinder der
Nachbarschaft, dass sie gemeint sind und steigen ins Auto? Nein, jeder
weiß, dass der Vater nur seine Familie meint. Angenommen eine Lehrerin
macht mit ihren Schülern einen Ausflug zum Museum und sagt ihnen „Ok,
der Bus fährt um 17 Uhr wieder zurück. Ich möchte, dass jeder um
genau 17 Uhr im Bus sitzt. Wir möchten doch nicht, dass jemand
zurückbleibt.“ Niemand würde interpretieren, dass die Lehrerin meint
„Ich möchte die ganze Menschheit im Bus sitzen haben und ich möchte
nicht, dass auch nur einer der gesamten Menschheit zurückbleibt.“ Das
wäre absurd! Doch Arminianer verdrehen auf genau diese Weise die
Schrift, wenn sie darauf beharren, dass „alle“ die gesamte
Menschheit bedeutet.
„Welt“ ist das andere Wort, welches von
Arminianern falsch gebraucht und verstanden wird. Auch hier wird
angenommen der Begriff (wenn dieser sich auf die Reichweite von Gottes
Liebe oder Jesu Erlösungswerk bezieht) bezöge die gesamte Menschheit
ohne jegliche Ausnahmen ein. Aber ist das wirklich was die Bibel damit
aussagt?
„Es begab sich aber in jenen Tagen, daß ein Befehl
ausging von dem Kaiser Augustus, daß der ganze Erdkreis sich erfassen
lassen sollte“ (Lukas 2,1). Kaiser Augustus war nicht darauf aus, den
ganzen Planeten Erde zu erfassen.
„Wenn du diese Dinge tust, so offenbare dich der
Welt“ (Joh. 7,4). Die Brüder Jesu forderten ihn nicht auf sich den
Kelten oder Afrikanern zu offenbaren, sondern der Bevölkerung
Jerusalems.
„Da sprachen die Pharisäer zueinander: Ihr seht,
daß ihr nichts ausrichtet. Siehe, alle Welt läuft ihm nach“ (Joh.
12,19). Die Pharisäer ihrerseits liefen Jesus nicht hinterher. Die
Russen, die Australier und andere Menschen an vielen verschiedenen Orten
ganz bestimmt auch nicht.
„Diese Leute, die die ganze Welt in Aufruhr
versetzen, sind jetzt auch hier“ (Apg. 17,6). Die Arbeit der Apostel
hat in Peru nicht den leisesten Aufruhr erzeugt! Sie haben Aufsehen
unter Juden und Heiden erregt, eben dort, wo sie hingingen, aber nicht
in einem absoluten Sinn in der ganzen „Welt.“
„Damit wir nicht samt der Welt verurteilt werden“
(1. Kor. 11,32). Die „Welt“ kann nicht „das ganze
Menschengeschlecht“ bedeuten, da Gläubige offensichtlich nicht
inbegriffen sind.
„Und die ganze Erde sah verwundert dem Tier nach.
Und sie beteten den Drachen an“ (Off. 13,3-4). Nicht jeder einzelne
Mensch wird dies einmal tun.
Wenn die Bezeichnung „Welt“ nicht „jede
einzelne Person in der Welt“ bedeutet, was bedeutet dieser Ausdruck
dann und warum verwendet der Heilige Geist ihn?
Das neue Testament wurde an Menschen geschrieben, die
glaubten, dass Gott ein Gott der Juden sei und die Heiden verflucht.
Johannes 3,16 war an einen Pharisäer gerichtet, der diese Ansicht
vertrat. Um diesen Irrtum richtig zu stellen, gebrauchten die Apostel
und Jesus Wörter wie „die Welt“ und „alle Menschen.“ In einigen
Texten bedeuten diese Bezeichnungen offensichtlich „alle von uns“
oder „alle Gläubigen“ oder „alle Erwählten.“ Das gilt
besonders für 2. Petrus 3,9, wo die einschränkende Formulierung „langmütig
gegen uns“ bewusst hervorgehoben wird.
Das Neue Testament ist eine Sammlung von Briefen, die
an Gläubige geschrieben wurden. Die Bibel richtet sich nicht an
Ungläubige. Wenn wir Wörter wie „uns,“ „wir,“ „Geliebte“
sehen, sollten wir bedenken, dass Gläubige angesprochen werden, nicht
die Welt in ihrer Gesamtheit.
„Denn ich sage kraft der Gnade, die mir gegeben ist,
JEDEM UNTER EUCH, daß er nicht höher von sich denke, als sich zu
denken gebührt, sondern daß er auf Bescheidenheit bedacht sei, wie
Gott jedem einzelnen das Maß des Glaubens zugeteilt hat“ (Röm.
12,3).
Arminianer behaupten, dass alle Menschen in der Welt
Glauben haben und dass es an jedem Individuum liegt seinen „Anteil“
daran richtig zu gebrauchen. Es sollte nicht notwendig sein Arminianern
zu zeigen, dass Paulus dies nicht damit meinte. Er spricht hier von der
Gemeinde.
Noch einmal, „Ihn [Jesus] verkündigen wir, indem
wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit,
um jeden Menschen vollkommen in Christus Jesus darzustellen“ (Kol.
1,28). Die Wortverbindung „jeder Mensch“ ist hier ebenfalls nicht
allgemeingültig. Dies zu sagen wäre absurd! Paulus begegnete ganz
sicher nicht „jedem Menschen“ in der ganzen Welt und konnte daher
nicht jeden Menschen ermahnt und gelehrt haben.
Arminianer kritisieren Calvinisten dafür, dass sie
Begriffe wie „Welt“ und „alle Menschen“ für ihre eigenen Zwecke
„interpretieren.“ Aber was bedeuten denn Ausdrücke wie „Sündopfer“
(1. Joh. 2,2), „Sünden hinwegnehmen“ (Joh. 1,29), „den Tod
schmecken“ (Heb. 2,9) und „Retter“ (Joh. 4,42)?
Sündopfer bedeutet den Zorn Gottes mittels eines
Opfers abzuwenden. Jesus besänftigte den Zorn Gottes durch seinen
Opfertod und niemand, für den Jesus das Sündopfer gewesen ist, wird
den Zorn Gottes erfahren. Indem sich Arminianer an der Bezeichnung die
„ganze Welt“ aus 1. Joh. 2,2 festklammern, versagen sie darin die
Bedeutung des Sündopfers zu verstehen. Der Arminianer glaubt, dass
Christus das Sündopfer für einen Sünder sein kann und dass Gott
seinen Zorn dennoch beibehält und die Objekte dieses versöhnlichen
Opfers zur Hölle schicken kann.
Ein Retter ist jemand, der wirklich errettet. Und
nicht jemand, der versucht zu retten, retten möchte oder Menschen die
Errettung möglich macht, wenn diese sie akzeptieren. Er rettet
tatsächlich. Die Arminianer glauben, dass Jesus der „Retter der Welt“
ist (Joh. 4,42), trotzdem ist die ganze Welt aber nicht gerettet.
Hebräer 2,9 sagt, dass Christus den Tod für alle
schmeckte. Dennoch glauben die Arminianer, dass einige Sünder, für die
Christus den Tod schmeckte, Gottes Zorn bis zur Neige in alle Ewigkeiten
trinken müssen. Das ist der Teil des Bechers für die Gottlosen (Psalm
11), nicht für die Erwählten!
Arminianer verkündigen, dass Christus „das Lamm
Gottes [ ist] ,
das die Sünde der Welt hinwegnimmt“ (Joh. 1,29), dennoch, so sagt der
Arminianer, enden viele dieser Sünder in der Hölle. Offensichtlich hat
Christus dann ihre Sünden nicht hinweggenommen, auch kann nicht gesagt
werden, dass „Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst
versöhnte, indem er ihnen ihre Sünden nicht anrechnete“ (2. Kor.
5,19), wenn jeder einzelne Mensch (das Verständnis der Arminianer für
„Welt“) gemeint ist. Vielen in der Welt werden die Sünden zur Last
gelegt werden und sie werden in der Hölle ihr Ende finden.
Wörter in der Schrift haben bestimmte Bedeutungen
und es ist offenkundig, dass die Arminianer die Schrift in einem
vergeblichen Versuch verdrehen, um die Erlösung für alle zugänglich
zu machen. Lasst uns um die Wahrheit der souveränen, bestimmten und
wirksamen Gnade ringen!
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