April 2011 • Band XIII,
Ausgabe 12
Berg Zion (2)
Die Herrlichkeit und das Privileg des
neutestamentlichen Zeitalters und der Gemeinde beinhalten unser Kommen
zum Berg Zion und zu Jerusalem: „sondern ihr seid gekommen zu dem Berg
Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen
Jerusalem" (Heb. 12,22). Berg Zion wird hier mit Berg Sinai
kontrastiert (18). Sinai ist ein berührbarer, physischer und
materieller Berg, wohingegen Zion ein nicht physischer und nicht
materieller Berg ist. Er ist eine geistliche Realität. Denn die
kämpfende Gemeinde — wir hier auf Erden — kann sich Zion nur durch
Glauben nähern und ihn besteigen.
Berg Zion (auf dem sich der königliche
Palast befand) schließt auch den Berg Morija ein, den Tempelberg, wie
dies in der Bibel allgemein üblich ist. Berg Zion und der sich darauf
befindliche Palast repräsentieren Christus, den davidischen König, und
die verheißene Herrschaft über das Volk Gottes. Er kündigt das
Königreich Gottes an, die Regentschaft des dreieinigen Gottes, die
Gerechtigkeit, Frieden und Freude im Heiligen Geist bringt (Röm.
14,17). Der Tempel auf Zion (im weiten Sinn verstanden wie oben) ist
Gottes Wohnstätte, die von unserer Gemeinschaft im Bund mit ihm durch
Christus spricht. Der Herr Jesus ist unser Priester, unser Opfer und der
Altar dieses Tempels, der uns Erlösung und die Vergebung von Sünden
bringt. Aus diesem Grund wird Zion besonders in den Psalmen und den
Propheten als ein Ort der Liebe, Gnade und Freude beschrieben, ein Ort
der Erlösung und jeden Segens.
Damit haben wir all die herrlichen
Verheißungen und Prophezeiungen bezüglich Zions in der Schrift.
Betrachte Psalm 2. Trotz des höllischen Widerstands von Herodes,
Pontius Pilatus und den ungläubigen Juden und Heiden (1-3; Apg.
4,25-28), etabliert Gott seinen Sohn als „König (...) auf Zion,
meinem heiligen Berg" (Ps. 2,6). Die gläubigen Heiden sind in
seinem „Erbe und Besitz" (8) eingeschlossen, doch die verworfenen
Gottlosen wird er mit „eisernem Zepter" (9) zerschmettern. Berg
Zion ist der Ort, an dem wir wiedergeboren werden (87,4-6) und Berg Zion
ist unbezwinglich (46; 48; 125).
Hierhin bist du, Kind Gottes, gekommen: die
glorreiche Realität typisiert und angedeutet durch Berg Zion im Alten
Testament. Die Prophezeiungen, die bezüglich Zions gemacht wurden,
sagen die eine heilige, universelle Gemeinde Christi voraus. Alle
Verheißungen bezüglich des Berges Zion — seine Schönheit, Freude
und Sicherheit — sind dein, Gläubiger! Lass sie dir von niemandem
dadurch nehmen, dass sie den Juden in einem zukünftigen irdischen
Millennium zugeschrieben werden.
Aus all dem werden zwei wesentliche
hermeneutische Prinzipien oder zwei essentielle Grundsätze der
Bibelinterpretation ersichtlich. Zunächst einmal wird die Schrift mit
der Schrift interpretiert. Zum Zweiten interpretiert das Neue Testament
das Alte Testament (und nicht umgekehrt). Einige bezeichnen dies als „Vergeistlichung",
die sie verachten und belächeln. Doch ich muss daran erinnern, dass
Berg Zion im Unterschied zu Berg Sinai kein Berg ist, den man berühren
kann (Heb. 12,18-22). Berg Zion kann sich nur im Glauben genähert
werden, das ist der Grundgedanke von „gekommen" in Vers 22 (vgl.
z.B. Mt. 11,28; John 6,35; 14,6).
Wenden wir uns nun Jesaja 2,1-4 zu. Vers 2
sagt voraus, dass Zion zum höchsten Berg der Welt erhoben werden wird.
Einige meinen, dass sich dies auf eine Gebirgsbildung in einem
sprichwörtlichen jüdischen Millennium bezieht, dass sich Berg Zion
über den Mount Everest erheben wird. Doch Hebräer 12 lehrt, dass Zion
ein Berg ist, der nicht berührt werden kann (18, 22). Außerdem greift
dieses Verständnis vom Berg Zion viel zu kurz, denn Hebräer 12,22
spricht vom „himmlischen Jerusalem" und daher von einem
himmlischen Zion in Jerusalem. Galater 4,26 bezieht sich auf das „obere
Jerusalem", das „frei" und „die Mutter von uns allen"
ist. Zum Berg Zion in Jerusalem hinaufzuziehen (Jes. 2,3) bedeutet nicht,
im jüdischen Millennium in den Mittleren Osten zu reisen, sondern, sich
dem Gott und Vater der Gemeinde Christi zu nähern, denn durch Glauben
sind wir „gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen
Gottes, dem himmlischen Jerusalem" (Heb. 12,22).
Jesaja 4,5 sagt nicht wörtlich
Feuersäulen und Rauch auf den Wohnungen in einem jüdischen Königreich
voraus. Diese Stelle sagt Gottes gnadenreiche Präsenz im Bund in den
Häusern und Gottesdiensten seines neutestamentlichen Volkes voraus, das
er bewacht und beschützt. „Denn so viele Verheißungen Gottes es gibt
— in ihm [Christus] ist das Ja, und in ihm auch das Amen, Gott zum Lob
durch uns! " (2.Kor. 1,20).
Hebräer 12,22 besagt, dass wir „zu der Stadt des
lebendigen Gottes" gekommen sind. Eine Stadt mit Häusern, Straßen
und Mauern ist ein Ort der Ordnung, Schönheit und des Schutzes im
Gegensatz zu Sinai, einem Berg in der Wildnis. Der lebendige Gott Jehova
wohnt in seiner Stadt für immer mit seinem Volk zusammen; dies ist
nicht nur eine kurze, furchteinflößende Erscheinung wie am Berg Sinai.
Die Ströme des Heiligen Geistes machen diese Stadt des lebendigen
Gottes froh (Ps.46,5; Apg. 2) — diese neutestamentliche Gemeinde und
ihre geistliche Anbetung im neutestamentlichen Zeitalter.
Hebräer 12,22 nimmt als nächstes auf „das himmlische
Jerusalem" Bezug. „Zion", „Stadt" und „Jerusalem"
bezeichnen ein und dasselbe. Jerusalem ist die Stadt des lebendigen
Gottes und Zion ist der Ort des Tempels und Palastes in der Stadt
Jerusalem. Daher bedeutet „himmlisches Jerusalem" eine himmlische
Stadt und ein himmlisches Zion. Dies ist ein Punkt der den jüdischen
Christen in den letzten drei Kapiteln des Hebräerbriefes wiederholt
verdeutlicht wird. Sie befanden sich in Gefahr der Judaisierung und der
Suche nach wörtlichen, physischen, alttestamentlichen Schatten im
Gegensatz zu ihrer Realität in Christus. Vater Abraham hielt nicht
Ausschau nach einer wörtlichen, physischen Stadt, „denn er wartete
auf die Stadt, welche die Grundfesten hat, deren Baumeister und
Schöpfer Gott ist" (11,10). Die Patriarchen des Alten Testaments
(Abraham, Isaak und Jakob) und Sarah (8-15) hofften in erster Linie
nicht auf ein wörtliches, irdisches Kanaan: „nun aber trachten sie
nach einem besseren, nämlich einem himmlischen. Darum schämt sich Gott
ihrer nicht, ihr Gott genannt zu werden; denn er hat ihnen eine Stadt
bereitet." (16). Doch Gott schämt sich derer, die sich bloß nach
einer irdischen Stadt sehnen. Daher bekennt die christliche Gemeinde:
„Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige
suchen wir" (13,14). Wir sind, wie der Text es beschreibt, „gekommen
zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen
Jerusalem" (12,22). Dies ist weitaus besser! Rev.
Stewart

Unverheiratete
Amtsträger und weibliche Schriftleser
Frage 1: „Ist es biblisch, dass
alleinstehende Männer das Amt eines Ältesten in der Gemeinde ausüben?"
Der Hintergrund dieser Frage bezieht sich auf die Qualifikationen für
Älteste aus 1.Timotheus 3: ein Ältester muss „Mann einer Frau"
(2) sein und „einer, der seinem eigenen Haus gut vorsteht und die
Kinder in Unterordnung hält mit aller Ehrbarkeit — wenn aber jemand
seinem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie wird er für die
Gemeinde Gottes sorgen?" (4-5).
Das Argument lautet, dass wenn die Schrift
von einem Ältesten fordert, Mann einer Frau zu sein (2), dann darf ein
alleinstehender Mann keine Ämter in einer Gemeinde innehaben. Und da
ein Mann seinem Haus vorstehen und die Kinder in Unterordnung halten
muss (4-5), ist auch ein kinderloser Mann nicht qualifiziert. Dieser
Argumentationsgang ist jedoch trügerisch. Wenn der Apostel Paulus sagt,
dass ein für den Ältestendienst qualifizierter Mann, der Ehemann einer
Frau sein muss, dann bedeutet dies im Umkehrschluss: ein Ältester darf
nicht mehr als eine Frau haben. Der Apostel sagt nichts über
unverheiratete Männer.
Beachte auch, dass dieselbe Qualifikation
von Diakonen erwartet wird: „Die Diakone sollen jeder Mann einer Frau
sein, ihren Kindern und ihrem Haus gut vorstehen" (3,12). Wenn
dieser Argumentationsgang wahr wäre, würden nicht nur alleinstehende
oder kinderlose Männer vom Ältestendienst ausgeschlossen sein (inklusive
Älteste, die lehren oder Pastoren), sie würden auch von der Position
eines Diakons ausgeschlossen werden (3,12)!
Der Herr Jesus war während seines
irdischen Lebens alleinstehend sowie der Apostel Paulus. Das
apostolische Amt ist jedoch höher als das eines Pastors (Eph. 4,11).
Waren Elia oder Timotheus auch unverheiratet? Viele gottesfürchtige
Amtsträger in der Zeit nach den Aposteln haben nie geheiratet, wie z.B.
Augustinus. Martin Luther hatte die Kirche bereits mehrere Jahre
reformiert bevor er 1525 heiratete. Was wenn ein Amtsträger (Pastor,
Ältester oder Diakon) verheiratet ist, seine Frau jedoch verliert oder
er und seine Frau keine Kinder bekommen können oder all ihre Kinder
sterben (wie es bei Johannes Calvin der Fall gewesen ist)?
Gleichwohl mag ein verheirateter Ältester (oder Pastor
oder Diakon) von einem praktischen Gesichtspunkt aus betrachtet besser
geeignet sein, als ein unverheirateter Mann. Wenn ein Ältester einer
Familie bei geistlichen Problemen helfen muss, mag er ein besseres
Verständnis von diesen Problemen haben, wenn er eine eigene Familie
hat. Doch dieser Argumentationsgang ist eine praktische Überlegung und
nicht eine explizite Lehre der Schrift.
Doch auch dies kann nicht verallgemeinert werden. Denn Gott
gab Apostel Paulus, einem Alleinstehenden, sowohl die längste (1.Cor.
7) und tiefste (Eph. 5,22-33) Lehre in Bezug auf die Ehe im Neuen
Testament als auch Anweisungen wie Kinder aufzuziehen sind (vgl. Eph.
6,1-4; Kol. 3,20-21).
Die zweite Frage desselben Lesers lautet: „Dürfen
Frauen, die dazu aufgerufen werden die Schrift im Morgen- oder
Abendgottesdienst lesen, über die Köpfe von Ältesten und Diakonen
hinweg?"
Anscheinend ist dies ein Problem in der Gemeinde des Lesers.
Frauen, auch wenn sie eigentlich nicht predigen, wird im heiligen
Gottesdienst erlaubt die Schrift zu lesen, wenn sie von den Ältesten
dazu aufgefordert werden. Ich nehme an, dass diejenigen, die dies
praktizieren argumentieren würden, dass diese Praxis erlaubt ist, weil
diese Frauen im Prinzip nicht predigen. Das erinnert mich an einen
Abendgottesdienst im Westminster Abbey wo das genaue Gegenteil
praktiziert wurde: Ein Mann las die Schrift, aber eine Frau predigte!
Das Verbot der Apostel, Frauen sprechen zu
lassen bezieht sich auf die offizielle Arbeit der Kirche: das Predigen,
die Durchführung der Sakramente und Gemeindezucht. Die hierfür
besonders wichtigen Texte sind: „Ich erlaube aber einer Frau nicht, zu
lehren, auch nicht, daß sie über den Mann herrscht, sondern sie soll
sich still verhalten" (1. Tim. 2,12) und „Eure Frauen sollen in
den Gemeinden schweigen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden,
sondern sie sollen sich unterordnen, wie es auch das Gesetz sagt"
(1. Kor. 14,34).
Die Arbeit der Gemeinde ist das Werk
Christi, der sein Ziel die Gemeinde zu sammeln durch die
institutionalisierte Kirche vollendet. Die Amtsträger stehen an Christi
statt. Christus spricht durch sie. Christus ist in und mit der Gemeinde
anwesend, nicht in einem mystischen Sinn, sondern durch die Arbeit der
Amtsträger.
Dieses Prinzip gilt für alle drei Ämter
und diejenigen, die Frauen erlauben Diakone und Älteste zu sein, irren
sich. Pastoren bringen das Wort Christi im Predigen und in der
Durchführung der Sakramente. Älteste bringen das Wort, indem sie der
Gemeinde vorstehen. Diakone bringen das Wort Christi in ihrer Fürsorge
für die Armen, denn auch sie müssen gemäß der Form für die
Einsetzung von Ältesten und Diakonen „tröstende Worte der Schrift"
bringen.
Die Schrift verbietet Frauen diese Dinge
durchzuführen und die Schrift ist in dieser Frage eindeutig. Sie
müssen sich in der Gemeinde still verhalten. Die Betonung fällt hier
auf „in der Gemeinde". Frauen können die Schrift für sich
selbst lesen. Sie dürfen (und müssen) die Schrift ihren Kindern
vorlesen. Sie dürfen die Schrift bei Familienandachten lesen. Sie
dürfen die Schrift in Bibelstunden lesen. Und bei all diesen
Aktivitäten dürfen sie auch sprechen. Ihnen in diesen Bereichen des
Lebens Schweigen aufzuerlegen ist ein schwerwiegender Fehler, ja sogar
eine Sünde, denn dies verleugnet, dass Frauen unter ihren Ehemännern
Prophetinnen, Priesterinnen und Königinnen sind. Die Gottesdienste
jedoch sind anders, denn sie sind das Prinzip, durch das Christus in
seiner Gemeinde, durch sein Wort und seinen Geist, anwesend ist. Wie der
Große Westminster Katechismus in Antwort 156 darlegt: „Obwohl es
nicht allen erlaubt ist, das Wort öffentlich der Gemeinde vorzulesen,
so sind doch alle Leute jeglichen Standes verbunden, es abgesehen davon
für sich allein und mit ihren Familien zu lesen."
Während der Gottesdienste gehört das
Lesen der Schrift zu den besonderen Ämtern, insbesondere zu dem des
Pastors. Der Große Westminster Katechismus, Frage und Antwort 156
zitiert diesbezüglich 5.Mose 31,9-13 und Nehemia 8,2-3 und 9,3-5. Dies
ist ein wichtiger und wesentlicher Bestandteil der Aufgaben eines
Pastors als Repräsentant Christi. Ich glaube, dass in einigen Fällen
das Lesen der Schrift seinem Volk das Wort Gottes deutlicher und
effektiver näher bringt, als eine Predigt, denn einige Predigten sind
nicht besonders gut. Sogar beim Vorlesen der Bibel spricht Christus zu
seinem Volk. Und er spricht durch das Mittel des geschriebenen Wortes,
das unfehlbar von seinem Geist inspiriert worden ist, demselben Geist,
den er seiner Gemeinde sendet. Der Geist wirkt in den Herzen und im
Leben von Gottes Volk, doch immer und nur durch das Wort. Er bindet sich
selbst an das Wort, ob in geschriebener oder in mündlicher Form, und
wird auch in seinem Wirken davon nicht gelöst.
Die meisten Gemeinden haben sich von diesen Prinzipien
entfernt. Dieser Abfall liegt am Scheitern der Gemeinde dem Wort treu zu
sein. Lass die Gemeinde Christi Christus und seinem Wort in der Schrift
treu sein und sie wird gedeihen! Prof. Hanko

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