Juni 2010 • Band XIII, Ausgabe 2
Psalm 3 über die nicht allgemeine Gnade
Psalm 3 ist der erste Psalm, der einen
Titel hat: „Ein Psalm Davids, als er vor seinem Sohn Absalom floh".
Der Titel ordnet diesen Psalm eindeutig der Zeit von Absaloms
niederträchtiger Rebellion gegen David zu, seinem Vater und König von
Israel (2. Samuel 15f.).
In den ersten Versen des dritten Psalms
ruft David mit Verwunderung aus, dass „viele" (2,3) sich gegen
ihn gewandt haben und dass diese „zahlreich" (2) geworden sind.
Die Erzählung im zweiten Buch Samuel betont ebenfalls das große
Ausmaß an Rebellion gegen Israels rechtmäßigen König (2. Sam. 15,6,
10-13; 16,15; 17,11; 18, 6-7; 19,8-10). Davids eigenes Fleisch und Blut,
Absalom, führte den Putsch an und der Großteil der Nation ist zu ihm
übergelaufen. Ahitophel, Davids Freund und Hauptratgeber wurde
abtrünnig (15,12,31) und Simei, ein Verwandter Sauls, verfluchte David,
nannte ihn einen Mann der Blutschuld und einen Belialsmensch und bewarf
ihn und seine Männer mit Steinen (16,5-14). Das sind die „Vielen",
die „zahlreich" geworden sind, die seine „Feinde" sind und
sich „gegen" ihn „erheben" (Psalm 3,2). „ Viele [nicht
nur die ihn umgebenden heidnischen Völker, sondern auch Israeliten, die
sich als Gottes Volk bekennen, die einzig wahre Gemeinde!] sagen von
meiner Seele: »Sie hat keine Hilfe bei Gott.«" (3).
Beachte, was David nicht tut. Er gibt sich
nicht der Verzweiflung hin und beschuldigt Gott. David verstand durchaus,
dass Absaloms Rebellion die göttliche Züchtigung für seinen Ehebruch
mit Bathseba und dem Mord an Urija dem Hetiter war (2. Sam. 12,9-12).
Anstatt mit Unglauben und Zorn zu reagieren, wendet sich David Jehova zu,
dem Gott allen Trostes. Er ist das schützende „Schild" des
Psalmisten und der, „ der [sein] Haupt emporhebt", um ihn zu
ermutigen (Ps. 3,4). David nennt den Herrn „meine Herrlichkeit"
(4), denn der „liebliche Psalmdichter [...] Israel[s]" (2. Sam.
23,1) jubelt in Gott, selbst in diesen aufreibenden Umständen!
Nachdem er seine Liebe Jehova gegenüber
bekannt hat (Ps. 3,4), betet König David und ist sich einer Antwort
gewiss: „Ich rufe mit meiner Stimme zum Herrn, und er erhört mich von
seinem heiligen Berg" (5). David wurde gezwungen Jerusalem zu
verlassen und vor Absaloms herannahenden Streitkräften zu fliehen (2.
Sam. 15,13ff), doch durch Glauben hat er immer noch Zugang zum kommenden
Messias, zu Gottes „heiligem Berg" (Ps. 3,5) im Himmel, auf den
Israels erhabene, irdische Hauptstadt hinwies.
Mit dem reichen Zuspruch von Jehovas
Bundesfreundschaft (4) und der Zuversicht, dass seine Gebete beantwortet
würden (5), war David, trotz eines drohenden Mordanschlages oder
Angriffs, in der Lage drei (für gewöhnlich alltägliche) Dinge in
Frieden und Ruhe zu tun: sich niederlegen, schlafen und erwachen (6).
Wie war dies möglich, David? Israels König sagt uns: „ denn der Herr
hält mich" (6).
Nachdem er am nächsten Morgen, viele
Kilometer von seinem Palastbett entfernt, erwachte, ist David
körperlich und geistig gestärkt. Aus heiliger Ehrfurcht dem
allmächtigen Gott gegenüber, ist er in der Lage den rebellischen
Horden Absaloms gegenüber zu bekennen: „ Ich fürchte mich nicht vor
den Zehntausenden des Volkes, die sich ringsum gegen mich gelagert haben"
(7).
Als David sich aus dem Schlaf erhebt, fleht
er Gott gewissermaßen an dasselbe zu tun: „Steh auf, o Herr"
(8)! Zeig, dass du wach und vollkommen mit der Befreiung deines
geliebten Knechtes beschäftigt bist! „Denn du schlägst alle meine
Feinde auf den Kinnbacken, zerbrichst die Zähne der Gottlosen"
(8)!
Doch was hat dies alles mit Jehovas
allmächtiger, nicht allgemeiner Gnade zu tun? Dem wenden wir uns jetzt
zu. Beachte die abschließende Zusammenfassung des Psalmisten: „ Bei
dem Herrn ist die Rettung. Dein Segen sei über deinem Volk" (9).
Gottes Segen ist über seinem Volk, nicht über den heidnischen Heiden
und auch nicht über den Ungläubigen in Israel!
Beachte Davids Gedankengang. Errettung ist
Gottes souveränes Vorrecht (9a) und Gottes Errettung Davids beinhaltet
die Vernichtung Davids „gottloser" „Feinde" in Israel, die
gegen ihn rebellierten (8). Deshalb fügt David hinzu „dein Segen sei
über deinem Volk" (9b).
Absalom gehörte nicht zu Gottes Volk.
Abgesehen von seinem kaltblütigen Mord an seinem Halbbruder Amnon (2.
Sam. 13,19-29), hat er gegen seinen Vater, den König, rebelliert und
sich seines Throns bemächtigt. Das war nicht nur ein entsetzliches
Brechen des fünften Gebotes, es war auch ein frontaler Angriff auf den
Mann nach Gottes Herzen (1. Sam. 13,14), der über die alttestamentliche
Form von Gottes Reich herrschte und den kommenden Messias, Davids Sohn
und Herrn, versinnbildlichte. Was das anging, griff Absalom damit den
zukünftigen Christus und sein Reich an.
Ahitophel gehörte auch nicht wirklich zu
Gottes Volk. Sein gemeiner Verrat an seinem Freund David ist bekannt (s.
Ps. 41,9; 55, 12-14), so wie sein frevelhafter Selbstmord als dieser
stolze Mann sich erhängte, weil er es nicht ertragen konnte, dass „
sein Rat [ausnahmsweise einmal] nicht ausgeführt wurde" (2. Sam.
17,23). Ahitophel ist das Äquivalent zu Judas, „dem Sohn des
Verderbens" (Joh. 17,12), der Christus verriet (seinen erklärten
Freund), sich erhängte und „an seinen eigenen Ort", die Hölle,
ging (Apg. 1,25).
Wie der Apostel erklärt: „ Denn nicht
alle, die von Israel abstammen, sind Israel" (Röm. 9,6). Einige
ethnische Israeliten waren fleischliche Nachkommen oder „Kinder des
Fleisches"; während andere geistliche Nachkommen oder „Kinder
der Verheißung" waren (8).
In seiner Liebe und Gnade lässt Gott seine
„Erlösung" und seinen „Segen" seinem wahren, geistlichen
Volk souverän zuteil werden (Ps. 3,9), wohingegen die „Gottlosen"
in Israel vernichtet werden (8). Obwohl Absalom und seine Rebellen den (gegenständlichen)
Thron Davids, die (irdische) Stadt Jerusalem und die Bundeslade in ihrem
Zelt besaßen und obwohl sie (äußerlich) Mitglieder der sichtbaren
Gemeinde (Israel) waren, die als solche beschnitten und in Gottes Gesetz
unterwiesen worden waren, bedeuteten keine dieser guten Dinge Segnungen
für sie. Gottes „ Segen sei über [seinem] Volk" (9), seinem
wahren geistlichen Volk, die „wahrhaftig [...] Israelit[en]" (Joh.
1,47) und „reinen Herzens sind" (Ps. 73,1). Das ist Gottes
souveräne, allmächtige, rettende, nicht allgemeine Gnade in Jesus
Christus, welche die Erwählten abschirmt und deren Häupter emporhebt
(Ps. 3,4) und den Kinnbacken und die Zähne der verworfenen „Gottlosen"
zerschlägt (8).
Der Evangelist Philippus fragte den
äthiopischen Eunuch einmal: „ Verstehst du auch, was du liest?"
(Apg. 8,30). Ebenso sollten auch wir die Bedeutung der inspirierten
Psalmen kennen, die uns ermahnen: „lobsingt mit Einsicht" (Ps.
47,8). Die aktuelle News über Psalm 3 und die News des
letzten Monats über die Psalmen 1 und 2 ermöglichen uns genau das zu
tun, wenn wir unseren Bundesgott für seine einzigartige und
wirkmächtige nicht allgemeine Gnade durch den gekreuzigten und
auferstandenen Christus rühmen. Rev. Stewart

Das Weinen Christi
über Jerusalem (1)
„Und als er näher kam und die Stadt sah,
weinte er über sie und sprach: Wenn doch auch du erkannt hättest,
wenigstens noch an diesem deinem Tag, was zu deinem Frieden dient! Nun
aber ist es vor deinen Augen verborgen. Denn es werden Tage über dich
kommen, da deine Feinde einen Wall um dich aufschütten, dich ringsum
einschließen und von allen Seiten bedrängen werden; und sie werden
dich dem Erdboden gleichmachen, auch deine Kinder in dir, und in dir
keinen Stein auf dem anderen lassen, weil du die Zeit deiner Heimsuchung
erkannt hast" (Lukas 19,41-44).
Ein Leser fragt: „Wie verwenden einige
Leute diesen Text, um zu sagen, dass Gott über die Vernichtung der
Verworfenen weint?"
Eine ähnliche Bibelstelle finden wir in
Matthäus 23,37: „ Jerusalem, Jerusalem, die du die Propheten tötest
und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder
sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter die Flügel sammelt,
aber ihr habt nicht gewollt!" Der biblische Schlüssel zur
richtigen Interpretation dieser Stelle ist die Unterscheidung zwischen
„Jerusalem" (deren religiöse Führer die ungläubigen Pharisäer
waren) und Jerusalems „Kindern" (den wahren, geistlichen,
erwählten Juden) zu beachten — wie Augustinus es tat. Letztere wollte
Jesus retten und er tat es auch. Für nähere Informationen zu diesem
Thema, siehe auch „Christ’s Will to Gather Jerusalem’s
Children" (CR News X:3-5; www.cprf.co.uk/crnews.htm).
Beide Textstellen werden fälschlicherweise
als Beweis für die Ansicht zitiert, dass das Evangelium ein gnädiger
Ausdruck von Gottes Liebe für alle Menschen ist und sein Verlangen
ausdrückt, alle Menschen inklusive der Verworfenen zu retten. Diese
Ansicht wird von ihren Befürworten so hartnäckig beworben, dass jeder,
der dem widerspricht, das Objekt böser Beschimpfungen wie „Hyper-Calvinist!
Zum Evangelisieren ungeeignet!" ist.
Das Argument, das ein gnädiges und
wohlmeinendes Evangeliumsangebot in diesen Texten findet, lautet: Wenn
Jesus wegen des herannahenden Urteils über Jerusalem — das Jerusalem
in einen Schutthaufen verwandeln würde — voll Kummer gewesen war,
muss sein Kummer aus dem Verlangen gewachsen sein, die Einwohner retten
zu wollen und seinem Versagen dies zu vollbringen. Sein Verlangen wurde
matt gesetzt und er versagte darin sein Ziel, trotz bester Bemühungen,
zu erreichen. Deshalb greifen einige, die behaupten Calvinisten zu sein
und darum sagen, dass Gott immer seine Absichten realisiert, auf nichts
Besseres zurück als daraus zu schließen, dass ein souveräner Gott es
nicht fertig brachte die zu retten, die er liebt und die er retten
möchte. Keine Berufung auf „scheinbare Widersprüche" oder eine
„höhere Logik in Gott als in uns" kann der Schlussfolgerung
entfliehen, dass unser Herr bitterlich darüber enttäuscht gewesen war,
dass seine besten Bemühungen Jerusalem zu retten von Jerusalems
Unglauben matt gesetzt worden waren.
Es wurde auch argumentiert, dass Christus
sich gemäß seiner göttlichen Natur nur die Erlösung der Erwählten
gewünscht und dies gewollt hat, aber, dass er sich gemäß seiner
menschlichen Natur die Erlösung aller Menschen gewünscht hat. Diese
Interpretation wurde in einem recht bekannten Fall in einer
australischen Gemeinde angeboten. Doch derjenige, der diese Sichtweise
lehrte wurde zu Recht des Nestorianismus beschuldigt. Nestorianismus ist
der Irrtum, der schon vom Konzil von Ephesos im Jahr 431 verurteilt
wurde und der besagt, dass unser Herr zwei Personen hatte. Wenn diese
Irrlehre des Nestorianismus auf das gnädige und wohlmeinende Angebot
des Evangeliums angewandt wird, ist Verwirrung die Folge. Unser Herr
Jesus Christus, der höchstpersönlich die zweite Person der Trinität
ist und der (um die Worte aus dem Bekenntnis von Nicäa zu gebrauchen)
„wahrhaftiger Gott aus
wahrhaftigem Gott" ist, war vollkommen souverän in allem was er
tat, besonders in seiner Erlösung der Erwählten, für die er gestorben
ist. Doch derselbe Herr Jesus Christus war auch eine menschliche Person,
die sich ernsthaft die Erlösung aller Menschen ersehnte und mit einer
Liebe und Gnade für alle, die Erlösung aller suchte. Unser Herr Jesus
Christus lebte in einem Zustand konstanten Widerspruchs! Wie kann das
sein?
Doch die Schrift lehrt solche „Paradoxien"
und „scheinbaren Widersprüche" nicht und diejenigen, die
behaupten, dass sie das tut, sagen dies nur, weil sie eigennützige
Ziele verfolgen: sie wollen die Ansicht verbreiten, dass Gott alle
Menschen liebt und sie alle retten würde, wenn er könnte.
Der Grund für den Kummer unseres Herrn ist
relativ einfach zu erklären. Jerusalem war die Hauptstadt Israels.
Israel war das Volk, das Gott sich zu seinem Besitz erwählte und dem er
besondere Gaben verliehen hat (s. Röm. 9,4-5). Darüber hinaus war
Jerusalem mit Bildern von Christus selbst gefüllt: der Thron Davids und
Salomos, der Tempel, die vielen Opfer, die jeden Tag im Tempel
ausgeführt wurden, die in der heiligen Stadt gefeierten Feste und der
Berg Zion selbst, „schön erhebt sich, die Freude der ganzen Erde, der
Berg Zion" (Ps. 48,3). All diese Bilder haben durch die
alttestamentliche Zeit hindurch einem sehr guten Zweck gedient.
Dass diese schönen Bilder Christi von den
gottlosen Schriftgelehrten und Pharisäern so schwer verunstaltet und
ruiniert wurden, war der Grund für Christi Leid. Ist dies nicht
verständlich? Wärst du nicht betrübt, wenn eine boshafte Person dein
bestes Foto nehmen und es so schlimm verunstalten würde, dass du wie
ein Monster aussehen würdest? Wärst du nicht unglücklich, wenn jemand
einen Bart auf das Bild deiner Mutter malen würde?
Christus war in allem wie wir, Sünde
ausgenommen. Er war auch ein Mann des Kummers und mit Leid vertraut, der
über den Tod seines geliebten Lazarus weinen konnte — obwohl er
wusste, dass er ihn aus dem Grab auferstehen lassen würde.
Die Bilder waren hoffnungslos zerstört,
ohne Chance auf eine angemessene Wiederherstellung. Unser Herr konnte
Jerusalem in all ihrer Pracht sehen, weil sie auf ihn selbst deutete. Er
war durch das betrübt, was mit ihr geschehen sollte.
Doch er war auch zornig. Als er den Tempel,
ein Bild seines eigenen gesegneten Leibes, in eine Räuberhöhle
verwandelt sah, war er wütend. In seinem Zorn trieb er die Käufer und
Verkäufer und die Tiere, die im Vorhof verkauft werden sollten, hinaus
(Joh. 2,13-22).
Es ist sicherlich nicht verwunderlich, dass
Christus, wahrhaftiger Gott aus wahrhaftigem Gott, von der Sünde, die
Jerusalem zum hässlichen Anblick werden lies, bekümmert war. Gott war
sicherlich von Israel bekümmert als sie kontinuierlich in der Wüste
gegen ihn rebellierten (Heb. 3,10,17; Ps. 95,10). Sicherlich gibt es
niemanden, der wagen würde zu behaupten, dass Gott sich an der Sünde
von Menschen erfreut, ganz zu Schweigen an denen seines eigenen Volkes.
Sicherlich würde niemand die Position vertreten, dass Gott mit Freude
erfüllt ist, wenn die Gemeinde seine Wahrheit verdreht und eine
Karikatur aus seiner Souveränität macht. Die bloße Vorstellung ist
gotteslästerlich.
Doch von Gottes Zorn Sündern und seiner
Abscheu Sünden gegenüber zu schließen, dass er sich wünscht alle
Menschen zu retten, ist eine monströse Verfälschung einfacher Logik.
Die Wahrheit der Schrift ist, dass Gott seine Erwählten mit einer im
Kreuz Christi offenbarten Liebe liebt und, dass Gott den Sünder so sehr
verabscheut, dass er den Sünder mit einer Ewigkeit in der Hölle
bestraft. Prof. Hanko

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