April 2010 • Band XII, Ausgabe 24
Die Psalmen vs. allgemeine Gnade (4)
Nachdem wir die von David verfassten
Psalmen 5 und 11, Psalm 73 von Asaph und Psalm 92, ein "Sabbat"
Lied, untersucht haben, wenden wir uns wieder einem davidischen Psalm zu:
Psalm 69 und hierbei insbesondere den Versen 21-29.
Allgemeine Übereinstimmung herrscht
darüber, dass Psalm 69 ein messianischer Psalm ist. Vers 10a („ Denn
der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt") wird in Joh. 2,17 mit
Bezug auf Jesu erste Tempelreinigung zitiert. Vers 10b („und die
Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen")
wird von Paulus in Römer 15,3 bezüglich Christi Leiden zitiert. Vers
26 („ihre Wohnstätte soll verwüstet werden, und in ihren Zelten
wohne niemand mehr!") wird von Petrus in Apg. 1,20 gegen Judas
zitiert, der unseren Herrn verriet. Vers 22 weist in allen vier
Evangeliums Berichten auf Christi Leiden am Kreuz hin (Mat. 27,48;
Markus 15,36; Lukas 23,36; Joh. 19,28-30).
Lies Christus erstaunliches Gebet an Gott
(Ps. 69,23-29). „Ihr Tisch vor ihnen soll zur Schlinge werden und zum
Fallstrick den Sorglosen!" (23). Hier ist kein Raum für allgemeine
Gnade! Die materiellen guten Dinge wie Essen und Trinken, die am „Tisch"
serviert werden, werden den verworfenen Gottlosen nicht aus Liebe
geschenkt; sie werden ihnen in Gottes Gericht als „Schlinge" und
„Fallstrick" gegeben (23). Jesus betet für die geistliche
Blindheit seiner verworfenen Feinde: „Ihre Augen sollen finster werden,
daß sie nicht mehr sehen, und ihre Lenden sollen allezeit wanken"
(24). Psalm 69, 23-24 wird auch in Römer 11,9-10 zitiert.
Psalm 69 stellt sich dem freien Angebot
entgegen, welches ein angebliches Verlangen Gottes beinhaltet, die
Verworfenen zu retten. In Vers 25 betet Christus, dass die Übeltäter
in der Hölle bestraft werden: „Gieße deinen Grimm über sie aus, und
die Glut deines Zorns erfasse sie." In Vers 28 betet Jesus, dass
sie nicht gerechtfertigt werden und ihnen nicht vergeben wird: „Füge
Schuld zu ihrer Schuld, und laß sie nicht zu deiner Gerechtigkeit
gelangen!" In Vers 29 betet unser Herr, dass sie nicht in der
himmlischen Schriftrolle stehen sollen: „Tilge sie aus dem Buch des
Lebens; sie sollen nicht eingeschrieben sein mit den Gerechten!"
Christus Gebete gelten nur den Erwählten: „Ich bitte für sie; nicht
für die Welt bitte ich, sondern für die, welche du mir gegeben hast,
weil sie dein sind" (Joh. 17,9). Christus Gebete richten sich
allein gegen die Verworfenen (Ps. 69,23-29).
Wie Psalm 22 ist auch Psalm 69 ein Lied des
Kreuzes. Christus Bitten an Gott (23-29) kommen gleich nach Versen, in
denen er von seinen Feinden verschmäht (20-21) wird, ohne Tröster
zurückbleibt (21) und ihm am Kreuz Essig zu trinken gegeben wird (22).
Diese Passage lehrt die biblische und reformierte Lehre von der
besonderen Sühne. Insbesondere, da Jesus für die Vernichtung der
Gottlosen (23-29), inklusive Judas (26; Apg. 1,20) betete, während er
am Kreuz hing; er ist nicht für jeden gestorben. Während er Gottes
Zorn über die Sünden seines Volkes trägt, lehnt Christus die
Vorstellung ab, dass Gott jeden retten möchte (Ps. 69, 24-25, 28-29).
Während er höllische Qualen im Namen seiner Gemeinde erleidet, nimmt
Christus sich sogar Zeit gegen die verworfenen Gottlosen zu beten und
den Irrtum der allgemeinen Gnade zu verwerfen (23). Daher lehrt Psalm 69
Christus besondere Sühne, besondere Fürbitte und besondere Gnade
allein für die Auserwählten. Dieser Psalm stellt Christus während der
Kreuzigung sogar gegen die allgemeine Gnade und das freie Angebot betend
dar (23-29).
Der einzige Weg, Gottes Liebe und Segen zu
erfahren geschieht durch den Glauben an Jesus Christus. Wegen des
Sündenfalls, befindet sich die Menschheit unter dem Fluch Gottes. Durch
seinen wirksamen, rettenden Tod am Kreuz, trug der Herr Jesus Gottes
Fluch für sein Volk, so dass Gottes Segen denen zuteil wird, die sich
in Jesus Christus befinden. Jede Lehre von einer Liebe oder einem Segen
Gottes für die Verworfenen, leugnet nicht nur Gottes vollkommene
Gerechtigkeit — denn wie kann Gott total verdorbene, verworfene
Sünder lieben und gut von ihnen sprechen? — sondern schätzt auch die
Herrlichkeit Jesus Christus, des fleischgewordenen Sohnes Gottes, gering.
Christus allein vermittelt den Gläubigen Gottes Liebe und Segen! Daher
greift die Philosophie, dass Gott Menschen außerhalb von Jesus Christus
liebt und segnet, das Evangelium an. Wenn Gott sie wirklich liebt —
und seine Liebe ist göttlich, das heißt ewig, unveränderlich und
mächtig — wird er sicherlich nicht zulassen, dass sie in der Hölle
umkommen. Daher lehren die Vertreter der allgemeinen Gnade zunehmend,
insbesondere wenn sie dieser Argumentation weiter folgen, dass Jesus in
einer gewissen Hinsicht für jeden gestorben ist oder sogar, dass
Christus tatsächlich für jeden einzelnen Menschen gestorben ist. An
eine Liebe Gottes für alle und an ein Kreuz für alle glaubend, wird
mehr und mehr angedeutet und sogar beteuert, dass diejenigen, die in
anderen Religionen verharren oder an nichts glauben letztlich doch
gerettet werden.
Der kirchenrechtliche Stellenwert der
Psalmen liegt darin, dass sie das Gesangbuch der Gemeinde ausmachen, ein
Buch des Preises, der Andacht, des Lobes und der Anbetung wenn wir
unsere Herzen und Stimmen im Gesang zu Gott erheben. Die Psalmen 5 und
11 lehren Gottes Hass einigen gegenüber und lehnen eine Liebe Gottes
aller ab. Wer würde das singen? Die Psalmen 73 und 92 richten sich
gegen die Annahme, dass Gott den Verworfenen die guten Dinge, die sie
erhalten, aus einer göttlichen Liebe heraus gibt. Viele würden den
Allmächtigen nicht mit diesen inspirierten Worten preisen wollen. Psalm
69 beinhaltet die Gebete Christi am Kreuz gegen die allgemeine Gnade und
das freie Angebot. Traurigerweise beleidigt dieses Wort Gottes aus dem
inspirierten Gesangbuch der Gemeinde viele bekennende Christen.
Preist du Gott mit dem Singen dieser
Psalmen? David tat es. Asaph tat es. Die Gemeinde im Alten und Neuen
Testament tat es auch. Viele fromme Gemeinden tun es heute. Wie auch
immer, viele schätzen die Psalmen nicht und besonders die Psalmen, die
wir näher untersucht haben. Diese Psalmen würden dem vermeintlichen
Lobpreis vieler bekennender christlicher Kirchen den Gar aus machen. Die
Nummer 1 Irrlehre im modernen, evangelikalen, uninspirierten
Hymnengesang ist die universelle Liebe Gottes. Die meisten Gesangbücher
sind voll davon. John und Charles Wesley schrieben ihre Hymnen um die
arminianische, universelle Liebe Gottes zu verbreiten und die
Prädestinationslehre anzugreifen. Das Gesangbuch der Freien
Presbyterianischen Gemeinde Ulster ist von arminianischem Gedankengut
durchsiebt ( www.cprf.co.uk/articles/freepresbyterianhymnal.htm)und
die meisten anderen Gesangbücher sind schlimmer. Wenn eine Gemeinde
abfällt, werden die Psalmen zu erst gering geachtet und dann
größtenteils ignoriert; Eingang finden dafür arminianische Hymnen,
geschrieben, um einen netteren, bequemeren Gott zu präsentieren, damit
die Menschen sich gut fühlen. Lasst uns zu den Psalmen und ihrer uns
demütig machenden Darstellung der Herrlichkeit Gottes und seiner
souveränen, besonderen Gnade in Jesus Christus zurückkehren, entgegen
der allgemeinen Gnade und dem freien Angebot. Rev. Stewart

Hiob:
Wahre Begebenheit oder Gleichnis (2)
Einer unserer Leser fragte: „Ist das Buch
Hiob eine wahre Begebenheit oder ein Gleichnis?" In der letzten
Ausgabe der Newsverteidigte ich die Geschichtlichkeit des Buches
Hiob und verwies auf den wichtigen Kommentar in Jakobus 5,11 und seiner
äußerst praktischen Anwendung für uns in der neuen Dispensation. Wir
müssen jedoch auch einen Überblick über das Buch haben, wenn wir
dieses Gotteswort wertschätzen wollen.
Hiob litt wie nur wenige Heilige berufen
sind zu leiden. Er verlor alles was er besaß, inklusive seiner zehn
Kinder und in einem gewissen Sinn auch seine Frau, denn sie sprach ihm
kein einziges Mal ein Trostwort zu, sondern tat das Ihre zu seinen
Qualen hinzu. Er war so mit Furunkeln geplagt, dass sein entsetzlicher
Schmerz sogar seine Freunde eine Woche lang in Sprachlosigkeit versetzte.
All dies wird im Buch Hiob als von Gott kommend dargestellt. Es ist wahr,
Satan fügte dies Hiob in seiner hasserfüllten Boshaftigkeit Gott und
Hiob gegenüber zu, aber der Teufel konnte nichts außer dem tun, wozu
ihn der Allerhöchste in die Lage versetzte. Hiob selbst erkannte an,
dass alles von Gott kam.
Hiobs drei Freunde verfolgten ihn mit ihren
langen, manchmal sarkastischen und immer grausamen Reden, denn sie
beschuldigten Hiob fälschlicherweise, dass er so schrecklich leiden
muss, weil er schwer gesündigt hatte — etwas, dass das Buch selbst
ganz klar als falsch bezeichnet (Hiob 1,1-8). Ihre Sünde war so groß,
dass Hiob besondere Opfer für sie darbringen musste, andernfalls wären
sie für ihre Worte in die Hölle gekommen (42,7-9).
Die in den Qualen seines Leidens gegebenen
Antworten Hiobs, sagten nicht immer aus was richtig war. Manchmal
sündigte er, wie zum Beispiel als er den Tag seiner Geburt verdammte
(3,1-26). Doch eine Sache machte Hiob kontinuierlich durch all seine
Leiden hindurch klar: Er wusste nicht, warum der Herr ihm solch große
Bedrängnis sandte, doch er wusste, dass sie von Gott kamen. Wie Luther
klar herausstellt, mussten Opfer für Hiobs drei Freunde gegeben werden,
aber keine Opfer für Hiobs falsche Worte, weil Hiob absolut an die
Souveränität Gottes glaubte.
Eine weitere Sünde Hiobs war, dass er von
Gott den Grund seines Leidens erfahren wollte. Er flehte Gott an, ihn
diesen Grund wissen zu lassen. Genau genommen bestand er darauf, dass,
wenn er nur den Grund wüsste, er alles ertragen konnte. Er wollte Gott
sozusagen auf die Anklagebank bringen und von ihm Rechenschaft über die
Gründe für sein Leiden einfordern (23,1-9). Doch er sagt uns, dass er
Gott nicht finden konnte, wo auch immer er suchte.
Wie uns Jakobus 5,11 ins Gedächtnis ruft,
war Hiob in seiner Geduld dennoch herausragend. Es muss einem bewusst
sein, dass Geduld die geistliche Fähigkeit ist „unter [der]
gewaltige[n] Hand Gottes" (1. Petrus 5,6) auszuharren. Und dies
ohne Kritik, Klagen oder Rebellion.
In seiner Geduld legte Hiob einige
bemerkenswerte Bekenntnisse ab. Ganz zu Beginn seiner Erprobung „stand
Hiob auf und zerriß sein Gewand und schor sein Haupt; und er warf sich
auf die Erde nieder und betete an. Und er sprach: Nackt bin ich aus dem
Leib meiner Mutter gekommen; nackt werde ich wieder dahingehen. Der Herr
hat gegeben, der Herr hat genommen; der Name des Herrn sei gelobt! Bei
alledem sündigte Hiob nicht und verhielt sich nicht ungebührlich gegen
Gott" (Hiob 1,20-22).
Sogar als er Gott in den Zeugenstand
zitieren wollte, fügte er hinzu: „ Ja, er kennt meinen Weg; wenn er
mich prüft, so werde ich wie Gold hervorgehen" (23,10). Als er
diese Qualen erduldete, schien seine Geduld in einer bereitwilligen
Unterordnung Gottes Wegen gegenüber durch: „Siehe, er soll mich
töten — ich will auf ihn warten" (13,15).
Schließlich ist da noch Hiobs ergreifendes
und zutiefst bewegendes Bekenntnis der Hoffnung in seinen Erlöser.
Nachdem er voller Trauer alle Leiden vortrug, die er berufen war zu
Händen derjenigen zu ertragen, die behaupteten sein Familie und Freunde
zu sein (19,1-20) und nachdem er mit beinahe unerträglicher
Schmerzlichkeit um ein Zeichen des Erbarmens flehte (19,21-22), bekannte
er seine große Hoffnung mit solch einer Gewissheit, dass er seine Worte
für immer in Stein erhalten wollte (und in der Tat wurden sie in einer
noch beständigeren Form erhalten als Gott dieses Buch unfehlbar
inspirierte): „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und zuletzt wird er
sich über den Staub erheben. Und nachdem diese meine Hülle zerbrochen
ist, dann werde ich, von meinem Fleisch los, schauen; ja, ich selbst
werde ihn schauen, und meine Augen werden ihn sehen, ohne [ihm] fremd zu
sein. Danach sehnt sich mein Herz in mir!" (19,25-27).
In folgender Geschichte geht es um eine
Theaterprobe für eine Wiedergabe von Händels „Der Messias" in
England. Die Sopranistin sang gerade die bewegende Arie „Ich weiß,
dass mein Erlöser lebt", als der Dirigent sie plötzlich stoppte.
Mit einem verdutzten Gesichtsausdruck fragte er sie: „Glaubst du, was
du da singst?" Sie antwortete „Ja, ich glaube es." Darauf
erwiderte der Dirigent: „Dann sing es genau so." Es heißt, dass
es im ganzen Orchester kein trockenes Auge gegeben habe. Hiobs
wunderbares Bekenntnis hat nicht nachgelassen die Seelen von Gottes Volk
mitzureißen und ihnen Trost zu spenden wann immer sie am Rand des
Abgrunds standen.
Gottes Antwort an Hiob ist erstaunlich und
mächtig — und braucht lange, um zu erklären was Geduld im Leben
eines Gläubigen wirklich ist. Das Wesentliche in Gottes Worten an Hiob
ist, wenn ich es geradeheraus sagen darf, folgendes: Hiob, was denkst du
wer du bist? Glaubst du wirklich, dass du den souveränen Schöpfer und
Erhalter des Himmels und der Erde in den Zeugenstand berufen kannst, den
du errichtet hast? Ich stehe unter keinerlei Verpflichtung, dir zu
erklären was ich tue. Du bist weniger als ein Staubkorn und ich bin der
unendliche Gott. Ich muss dir keine Rechenschaft über meine Taten
ablegen. Es ist falsch, schrecklich falsch von dir, dies von mir zu
fordern."
Was war Hiobs Antwort? „Ich habe erkannt,
dass du alles vermagst und kein Plan für dich unausführbar ist. "Wer
ist es, der den Ratschluss verhüllt ohne Erkenntnis?" So habe ich
denn meine Meinung mitgeteilt und verstand doch nichts, Dinge, die zu
wunderbar für mich sind und die ich nicht kannte. Höre doch, und ich
will reden! Ich will dich fragen, und du sollst es mich wissen lassen!
Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, jetzt aber hat mein Auge dich
gesehen. Darum verwerfe ich mein Geschwätz und bereue in Staub und
Asche." (42,2-6).
Die große Wahrheit des Buches Hiob ist,
dass Gott im Leben seiner Leute tut was er will und er ihnen sogar
großes Leid bereitet. Doch in unseren Qualen hat er Mitleid mit uns und
führt dieses Leid herbei, weil dies der einzige Weg ist, auf dem wir
erlöst werden. Wir lernen von Hiob, dass „das Ende [...], das der
Herr [für ihn] bereitet hat" darin liegt uns seine große Gnade zu
zeigen, die uns von unserem Elend befreit (Jakobus 5,11), besonders dem
Elend unserer Sünde. Und es bringt uns in eine ewig währende
Bundesgemeinschaft mit Gott selbst, durch Christus, der unseren Fall vor
all den Gottlosen bei der allgemeinen Auferstehung verteidigen wird.
Alles ist wahr, was ich über dieses wunderbare Buch Hiob geschrieben
habe, weil die Geschichte von Hiob eine wahre Begebenheit ist. Prof.
Hanko

Wenn Sie die Covenant Reformed News
kostenfrei jeden Monat per e-Mail erhalten möchten, kontaktieren Sie Anganeta
Dyck. Wir würden uns freuen, Ihnen die Covenant Reformed News
zusenden zu dürfen.
Um
weitere Artikel auf Deutsch zu lesen, bitte hier anklicken. |