Die 1.000 Jahre in Offenbarung 20
von
Pfr. Angus Stewart
Offenbarung 20 ist in zweierlei Hinsicht Schauplatz
von Auseinandersetzungen: Zum einen wird dort die größte und
wichtigste Schlacht in der Geschichte der Welt ausgetragen. Man könnte
sie die Schlacht aller Schlachten nennen, oder auch den Krieg, der alle
Kriege beendet. Denn wenn dies vorüber ist, wird die Welt mit all ihren
Kämpfen zu einem Ende kommen. Zum anderen ist Offenbarung 20 Schauplatz
hitziger Diskussionen zwischen den Anhängern der verschiedenen
Endzeitmodelle. Jedes Lager hat hier seine eigene Auslegung von
Offenbarung 20. Die vier Hauptrichtungen beziehen sogar ihre jeweilige
Bezeichnung von Offenbarung 20: Amillenialismus, Prämillenialismus,
Postmillenialismus und prämillenialistischer Dispensationalismus. Denn
Offenbarung 20 ist die einzige Passage der Bibel, in der von den
„1.000 Jahren“ die Rede ist. Das Wort „Millenium“ als zentraler
Bestandteil der verschiedenen Bezeichnungen wird vom lateinischen Wort für
Tausend (mille) abgeleitet.
Es würde zu weit führen, an dieser Stelle die vier
genannten Endzeitmodelle vorzustellen. Aus dem gleichen Grund werde ich
die einzelnen Endzeitmodelle auch nicht bewerten. Stattdessen werde ich
hier die meiner Meinung nach einzig richtige Sichtweise darstellen, die
auch schon immer die Sicht des historischen, reformierten Glaubens war:
Der Amillenialismus. Dazu werde ich einfach den Inhalt von Offenbarung
20 Schritt für Schritt erklären und an geeigneter Stelle auf die
Schwachpunkte der anderen Endzeitmodelle eingehen.
Was ist nun der Inhalt von Offenbarung 20? In den
ersten drei Versen sehen wir uns die Bindung Satans an. In den Versen
4-6 betrachten wir die Herrschaft der Heiligen. Die Verse 7-10
beschreiben Satans kurze Zeit der Freiheit, Gog und Magog, sowie den
letzten Kampf. Zuletzt findet in den Versen 11-15 das Gericht vor dem
großen weißen Thron statt. Dieser letzte Teil kann jedoch im Rahmen
dieses Artikels nicht behandelt werden.
I. Die Bindung Satans (Verse 1-3)
Die allerersten Worte von Offenbarung 20 sind
entscheidend für das richtige Verständnis des gesamten Kapitels. Es
beginnt nicht mit den Worten „Und dann...“, als ob es hier um eine
zeitliche Abfolge ginge. Es beginnt auch nicht mit „Danach...“oder
mit „Es wird geschehen, dass...“ Stattdessen fängt es mit den
Worten an: „Und ich sah...“. Das macht deutlich, dass es hier um
eine Vision geht. Eine Vision ist nichts, was in der Vergangenheit liegt,
auch keine Prophezeiung im eigentlichen Sinne. Vielmehr ist eine Vision
eine spezielle Form der Prophezeiung.
Visionen werden durch Sinnbilder charakterisiert.
Damit meine ich symbolische Zahlen, symbolische Farben, symbolische
Namen, symbolische Metalle, symbolischer Schmuck etc. Betrachten wir nun
einige Visionen und Träume. Visionen und Träume haben in der Bibel große
Ähnlichkeit. Beide enthalten das, was der Sehende „sah“. In Daniel
2 ist die Rede von einer riesigen Statue aus Gold, Silber, Bronze und
Eisen/Ton. Diese vier Materialien symbolisieren die vier großen
Weltreiche. Daniel 7 stellt die gleichen vier Weltreiche durch vier
Tiere dar. Daniel sieht einen Löwen, einen Bären, einen Leoparden und
ein viertes, furchterregendes und schreckliches Tier. Diese Kreaturen
stehen für Babylon, das medo-persische Reich, Griechenland und Rom.
Offenbarung 13 beginnt mit den Worten „Und ich sah...“. Sodann wird
ein Tier beschrieben, das sieben Köpfe und zehn Hörner hat und auf
seinen Hörnern zehn Kronen trägt. Es ist teils Löwe, teils Bär und
teils Leopard. Dieses „Und ich sah...“ macht deutlich, dass es sich
hier um eine Vision handelt. Das Buch der Offenbarung besteht im
wesentlichen aus einer Abfolge von Visionen.
Die Hauptperson in Offenbarung 20,1-3 ist Satan. Er
wird hier mit vier verschiedenen Namen bezeichnet. Zwei der Namen
stammen von Tieren und zwei sind Eigennamen. Zuerst wird er „Drache“
genannt (20,2), zuvor war er schon als „großer, feuerroter Drache“
bezeichnet worden (12,3). In Offenbarung 12 hat er einen mächtigen
Schwanz, sieben Köpfe, zehn Hörner und sieben Kronen. Soll das nun heißen,
dass der Teufel tatsächlich sieben Köpfe und zehn Hörner hat? Natürlich
nicht, es handelt sich hier um eine Vision. Was damit ausgedrückt
werden soll ist, dass der Teufel ein mächtiges, grausames und Furcht
erregendes Wesen ist. Nicht nur wird er „Drache“ genannt, sondern
auch „die alte Schlange“ (20,2). Das „alt“ bezieht sich auf die
Tatsache, dass die Schlange bereits am Anfang der Welt in 1. Mose 3 Eva
verführte. Satan ist daher seit Anbeginn der Zeit der Feind Gottes und
Seines Volkes. Er ist mächtig wie ein Drache und gerissen wie eine
Schlange. Als drittes wird er „der Teufel“ genannt (20,2). Also
solcher verleumdet er und bringt falsche Anschuldigungen hervor. Die
vierte Bezeichnung ist „Satan“ (20,2), also der Widersacher Gottes
und Seines Königreichs. Wenn man die vier Namen zusammennimmt, ergibt
sich das Bild eines mächtigen, gerissenen, verleumderischen
Widersachers. Als gefallener Engel verkörpert er all dies, er ist ein böser
Geist, der all seine Macht und all sein Geschick gegen Christus und
Seine Gemeinde einsetzt. Die Gläubigen hören Gottes Darstellung und
Beurteilung Satans und glauben Ihm. Wir müssen vor Satans Angriffen auf
der Hut sein und beim Herrn Schutz suchen, der Himmel und Erde
geschaffen hat (Psalm 121).
Offenbarung 20 verkündet auch, dass Satan gebunden
ist:
„Und ich sah einen Engel aus dem Himmel
herabsteigen, der hatte den Schlüssel des Abgrundes und eine große
Kette in seiner Hand. Und er ergriff den Drachen, die alte Schlange,
die der Teufel und der Satan
ist, und band ihn für 1000 Jahre und warf ihn in den Abgrund und
schloss ihn ein und versiegelte über ihm, damit er die Völker
nicht mehr verführen kann, bis die 1000 Jahre vollendet sind. Und
nach diesen muss er für kurze Zeit losgelassen werden.“
Ist diese Bindung Satans absolut und allumfassend
oder ist sie relativ und nur teilweise? Etwas anders ausgedrückt: Kann
der Teufel im gebundenen Zustand absolut nichts mehr tun oder bezieht
sich seine Gebundenheit nur auf einen ganz bestimmten Aspekt? Ist Satans
Bindung also so umfassend, dass er absolut gar nichts mehr tun kann,
oder ist sie nur teilweise, so dass er etwas ganz bestimmtes nicht mehr
tun kann, was durch das Wort Gottes näher beschrieben wird?
Was sagt Offenbarung 20 dazu? Hier steht, dass Satan
gebunden wird, „damit er die Völker nicht mehr verführen kann“
(20,3). Vers 8 führt hierzu näher aus. Wenn der Teufel erst
losgelassen wird, was offensichtlich das Gegenteil von Binden ist, wird
er „ausgehen, um die Heidenvölker zu verführen, die an den vier
Enden der Erde leben, den Gog und den Magog, um sie zum Kampf zu
versammeln“. Sie kämpfen gegen Christi Gemeinde, wie wir später noch
deutlicher sehen werden. Die Bindung Satans ist also Gottes Mittel ihn
davon abzuhalten, alle Heidenvölker zu versammeln um dann die Gemeinde
Jesu zu vernichten. Genau das wird hier ausgesagt. Die Bindung Satans,
wie sie in Offenbarung 20 beschrieben wird, ist also nicht absolut und
allumfassend, sondern relativ und teilweise. Die Verse 3 und 8 begrenzen
die Bindung also auf eine ganz bestimmte Sache: Im gebundenen Zustand
ist es Satan nicht möglich, die ganze Welt gegen die Gemeinde Jesu
aufzuhetzen. Wenn er aber nach der Zeit der Bindung losgelassen wird,
wird er „ausgehen, um die Heidenvölker zu verführen, die an den vier
Enden der Erde leben, den Gog und den Magog, um sie zum Kampf zu
versammeln“ (20,8). Das ist also die eine Sache, die er nicht tun kann,
wenn er gebunden ist. Sobald er aber losgelassen wird, wird er die
Heidenvölker gegen Gottes Volk vereinen.
Die Frage ist nun: Wann findet diese Bindung Satans
statt? Hier müssen wir nun etwas über die Zeit des Alten Testamentes
verstehen. In Psalm 147, 19-20 steht:
„Er verkündet Jakob sein Wort, Israel seine
Satzungen und Rechtsbestimmungen.
So hat er an keinem Heidenvolk gehandelt, und die Rechtsbestimmungen
kennen sie nicht.“
Apostelgeschichte 14,16 sagt das gleiche: „Er ließ
in den vergangenen Generationen alle Heiden ihre eigenen Wege gehen“.
Mit anderen Worten: In den Tagen des Alten Testaments befanden sich die
Heidenvölker vollständig in der Finsternis des Heidentums und der Götzenverehrung
(vgl. Epheser 2,12). Das Licht der Errettung brach nur in dem kleinen
Land Palästina durch die Finsternis. So war es in den Tagen des Alten
Testaments.
Dann kam Gott in Jesus Christus im Fleisch auf die
Erde. Dort starb er den Sühnetod für die Sünden der Erwählten in
Israel und auch im Rest der Welt. Die Gemeinde war nun nicht mehr örtlich
auf Palästina beschränkt, sondern existierte nun auf der gesamten Erde.
Bis dahin gab es sie nur in Palästina, wenn man einmal von Ausnahmen (wie
Naaman) absieht, die in benachbarten Reichen zum Glauben kamen. Das
Evangelium verbreitete sich im Mittleren Osten, Europa und Nordafrika
und wird heute in der ganzen Welt verkündet. Natürlich versuchte
Satan, die neutestamentliche Gemeinde zu vernichten. Und wie würde er
das angehen? Indem er alle Nationen der Erde dazu bringt, sich gegen die
Braut Christi, die Gemeinde, zu verbünden, um sie auszulöschen. An
dieser Stelle kommt nun die Bindung Satans ins Spiel. Jesus Christus
band Satan durch das Kreuz, die Auferstehung und die Ausgießung des
Heiligen Geistes (als Folge und Anwendung des Kreuzes). In diesem
Zusammenhang möchte ich den stellvertretenden Tod, die Grablegung, die
Auferstehung und die Ausgießung des Heiligen Geistes einmal als ein
einziges komplexes Gebilde betrachten.
Nun müssen wir einige Schriftstellen betrachten.
Erstens: Jesus sagt in Matthäus 12,28.29:
„Wenn ich aber die Dämonen durch den Geist
Gottes austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen! Oder
wie kann jemand in das Haus des Starken hineingehen und seinen
Hausrat rauben, wenn er nicht zuerst den Starken bindet? Erst dann
kann er sein Haus berauben.“
Dieser Passage können wir (1.) entnehmen, dass Satan
durch Christus „ausgetrieben“ wird. Das gleiche griechische Wort
wird in Offenbarung 20,3 verwendet, wo Satan in den Abgrund geworfen
wird. Und (2.) können wir dieser Passage entnehmen, dass das Reich
Gottes in Christus gekommen ist, was durch die Dämonen-Austreibungen
Jesu bestätigt wird.
Zweitens: In Johannes 12,31 erklärt Christus: „Jetzt
ergeht ein Gericht über diese Welt. Nun wird der Fürst dieser Welt
hinausgeworfen werden“ Hier ist (1.) zu beachten: Der Ausdruck „hinausgeworfen“
ist fast der gleiche Ausdruck wie „in den Abgrund geworfen“ in
Offenbarung 20,3. Zum anderen ist (2.) zu beachten, dass Satan
hinausgeworfen „wird“. Der nächste Vers
spricht davon, dass Christus von der Erde erhöht wird und in den Himmel
aufsteigt. Das ist der Moment, an dem Satan hinausgeworfen wird.
Drittens: Kolosser 2,15 sagt, dass Jesus Christus
„die Herrschaften und Gewalten (zu denen ja vor allem auch Satan gehört)“
am Kreuz „entwaffnet hatte“.
Viertens: Hebräer 2,14 lehrt, dass Jesus in Fleisch
und Blut kam um am Kreuz zu sterben, damit Er „durch den Tod den außer
Wirksamkeit setzte, der die Macht des Todes hatte, nämlich den Teufel“.
Fünftens: 1. Johannes 3,8 verkündet die gute
Nachricht, dass der Sohn Gottes erschienen ist, „dass er die Werke des
Teufels zerstöre.“
Diese fünf Stellen aus dem Neuen Testament berichten
alle davon, dass Satan hinausgeworfen und entwaffnet wurde. Dies geschah
durch Christus bei Seinem ersten Kommen, durch Sein Tod, Grablegung und
Auferstehung. Wie könnte es auch anders sein? Wenn Tod, Grablegung und
Auferstehung Christi - der „Kraft Gottes“ (1. Korinther 1,24) -
Satan nicht binden bzw. hinauswerfen kann, was denn dann?
Nun mag jemand sagen: „Das würde ja bedeuten, dass
die Bindung Satans in der Vergangenheit liegt.“ Denn das Kreuz und die
anderen genannten Geschehnisse liegen ja in der Vergangenheit. Die
Antwort hierauf ist: „Genau so ist es: Die Bindung Satans liegt in der
Vergangenheit.“ Aber was hat dies dann in der Offenbarung verloren?
Spricht Offenbarung 20 nicht von zukünftigen Dingen? Zweifellos spricht
Offenbarung 20 auch von zukünftigen Dingen, aber manches liegt eben
auch in der Vergangenheit.
Das ist nichts Ungewöhnliches in der Offenbarung des
Johannes. Offenbarung 5 spricht z.B. von Christi Erhöhung und
Herrschaft. Das ist das Kapitel, in dem das Lamm das Buch nimmt. Die
Vision beginnt mit den Worten: „Und ich sah in der Rechten dessen,...“
(5,1) Was dann folgt (Christus nimmt das Buch und beginnt Seine
Herrschaft über die Erde) geschah bereits in der Vergangenheit –
sowohl aus unserer Sicht als auch aus der Sicht Johannes als Verfasser
der Offenbarung. Denn Johannes verfasste die Offenbarung nach
herrschender Meinung in den 90er Jahren des ersten Jahrhunderts.
Christus nahm das Buch und errichtete die Herrschaft Gottes über das
gesamte Universum in den 30er Jahren des ersten Jahrhunderts, nachdem er
in den Himmel aufgefahren war.
Ähnlich ist es in Offenbarung 12. Dort wird
geschildert, was Johannes sah: „Und ein großes Zeichen erschien im
Himmel...“ (12,1) Eine Frau, ein Drache und vieles andere wird hier
genannt. Auch Jesu Geburt, Himmelfahrt und Herrschaft kommen in diesem
Kapitel vor (12, 2 und 12,4-5). All dies geschah sowohl aus unserer
heutigen Perspektive als auch aus Johannes' Perspektive (zur Zeit der
Abfassung der Offenbarung) in der Vergangenheit.
Hieraus ergibt sich jedoch die nahe liegende
Frage,wie Satan denn gebunden sein kann, wenn es doch so viel Böses in
der Welt gibt. Was ist mit all der Ungerechtigkeit um uns? Satan
versucht uns, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er
verschlingen kann (1. Petrus 5,8) und verblendet die Sinne der Ungläubigen
(2. Korinther 4,4). Er verkleidet sich als ein Engel des Lichts (2.
Korinther 11,14), der falsche Lehrer und falsche Lehre dazu benutzt, um
die Gemeinde zum Abfall zu führen. Er wird „der Gott dieser Welt“
(2. Korinther 4,4) genannt und stachelt gottlose Herrscher dazu an, die
Gemeinde zu verfolgen. Das wird auch in der Apostelgeschichte
beschrieben. Wie kann man also zu der Aussage kommen, dass Satan
gebunden ist?
Hier möchte ich daran erinnern, was ich am Anfang
dieses Artikels über die Bindung Satans gesagt habe: Die Bindung Satans
bedeutet, dass er die Nationen nicht vereinen kann, um die Gemeinde zu
verfolgen und zu vernichten bis die 1.000 Jahre vorüber sind (Offenbarung
20, 3.8). Die Bindung Satans bedeutet nicht, dass er die Verfolgung der
Gemeinde nicht hervorrufen oder anfachen kann. Vielmehr bedeutet die
Bindung Satans, dass er nicht die Nationen, die an den vier Ecken der
Erde sind, vereinen kann, um in einer gezielten, gemeinsamen Anstrengung
die Gemeinde zu vernichten. Ein solch umfassender Angriff auf das Volk
Gottes hat bisher noch nicht stattgefunden. Warum nicht? Weil Satan
gebunden ist, Christus band ihn zum Zeitpunkt Seines Todes und
Auferstehung.
Offenbarung 20 wurde auch geschrieben, damit niemand
befürchten muss, dass die Nationen gemeinsam die Gemeinde vernichten,
bevor der Antichrist kommt.
In der Vision heißt es, dass Satan gebunden ist.
Gebunden mit einer großen Kette.
Gebunden mit einer großen Kette, mit der ihn ein
Engel aus dem Himmel band und ihn dann in den Abgrund warf. Welch eine
wunderbare Tatsache!
Es ist offensichtlich, dass all diese Dinge
symbolisch gemeint sind. Man kann Satan nicht mit einer Kette binden, er
ist ein Geist. Auch ist von einem Abgrund die Rede, der verschlossen und
mit einem Schlüssel abgeschlossen wird. Der Punkt ist einfach, dass
Satan diesen Ort der Gefangenschaft nicht verlassen kann, er kann die
Nationen nicht vereinen um die Gemeinde zu vernichten. Das kann erst
geschehen wenn Gott ihn in den Tagen des Antichristen loslässt.
Das lehrt uns etwas sehr wichtiges über das
Millenium, also die 1.000 Jahre von Offenbarung 20. Es wird nämlich die
Frage beantwortet, wann die 1000 Jahre beginnen: Sie beginnen beim Tod,
der Grablegung, der Auferstehung und der Himmelfahrt Jesu Christi, was
zu der Ausgießung des Heiligen Geistes führt.
Das ist die Macht, die Satan bindet. Demnach findet
die Bindung Satans zu Beginn des Milleniums (der 1.000 Jahre) statt, von
dem in Offenbarung 20 so häufig die Rede ist. Somit also zu Beginn der
neutestamentlichen Zeit.
Damit wird auch etwas über die Dauer des Milleniums
ausgesagt. Seit Golgatha und Pfingsten sind nun 1.970 Jahre vergangen.
Die 1.000 Jahre von Offenbarung 20 können also unmöglich wörtlich
gemeint sein, denn sie wären schon vor 970 Jahren abgelaufen. Psalm
50,10 sagt, dass Gott das Vieh auf tausend Bergen gehört. Wem gehört
dann das Vieh auf dem 1.001. Berg? Natürlich auch Gott, denn die
Aussage, dass Gott das Vieh auf tausend Bergen gehört, bedeutet nichts
anderes, als dass Gott alles Vieh gehört. Solche Zahlen haben also
immer eine symbolische Bedeutung.
Die Offenbarung des Johannes ist voll von
symbolischen Zahlen. Dies verwundert auch nicht weiter, denn sie besteht
hauptsächlich aus Visionen. So bedeutet die „666“ (die Zahl des
Tieres) nicht, dass man den Antichristen daran erkennt, dass er eine
„666“ auf die Stirn tätowiert hat. Die Bibel sagt uns, dass die
Zahl 666 die Zahl des Menschen ist (Offenbarung 13,18). Der Antichrist
ist der Inbegriff des sündigen Menschen und seiner Unzulänglichkeit
(666) hinsichtlich der Vollkommenheit Gottes (777) in Seinem Bund. Die
Sieben wird im Buch der Offenbarung oft symbolisch verwendet: Sieben
Geister Gottes, sieben Augen, sieben Hörner, sieben sprechende Donner,
sieben Köpfe des Tieres etc. In Offenbarung 14 ist von 144.000
Versiegelten die Rede, also 12 mal 12 (die Zahl der Gemeinde) mal 1.000.
Was aber ist die Bedeutung der 1.000 Jahre in
Offenbarung 20? Die Antwort ist ganz einfach: 10 mal 10 mal 10 ergibt
1.000. Die 10 ist in der Bibel die Zahl der Vollständigkeit. Es gab 10
Plagen – die Fülle von Gottes Zorn auf Ägypten. Es gibt 10 Gebote
– die Fülle von Gottes Gesetz und all Seinen Urteilen. Ebenso repräsentieren
die 1.000 Jahre (10 mal 10 mal 10) in umfassender Weise das Zeitalter
des Neuen Testaments der weltweiten Gemeinde Christi.
Wann endet das Millenium? Offenbarung 20 sagt uns,
dass es endet, wenn Satan losgelassen wird. Dann kommt Satans „kurze
Zeit“ der Freiheit (20,3), darauf folgend das Ende der Welt. Das
Millenium endet also am Ende der Welt abzüglich Satans „kurzer Zeit“,
also praktisch unmittelbar vor dem Ende der Welt. Danach kommt das Jüngste
Gericht, in dem Jesus Christus auf dem großen weißen Thron die Welt
richten wird (20, 11-15). Apostelgeschichte 24,15 lehrt, dass es eine
Auferstehung geben wird - für die Gerechten wie auch für die
Ungerechten. Sie alle werden von den Toten auferweckt werden um sich dem
letzten Gericht zu stellen.
Fassen wir das bisher Gesagte zusammen: Das Millenium
beginnt in der Zeit von Christi erstem Kommen mit Golgatha und Pfingsten.
Es endet mit Seinem zweiten Kommen, dann folgt das Jüngste Gericht. Das
Millenium ist damit das neutestamentliche Zeitalter, die Zeit vom ersten
bis zum zweiten Kommen Christi (wenn man zur Vereinfachung einmal von
der „kurzen Zeit“ Satans absieht). Diese Zeitspanne zwischen dem
ersten und dem zweiten Kommen Christi wird in Offenbarung 20 als
„1.000 Jahre“ bezeichnet. Grund hierfür ist die Betonung der Vollständigkeit
und Fülle des neutestamentlichen Zeitalters.
Vollständigkeit und Fülle beziehen sich auf die
Tatsache, dass alle Erwählten aus allen Nationen gerettet sind. Wir
leben in den Tagen, die von den Propheten vorhergesagt wurden. Es ist
die Zeit, in der sich ihre Hoffnungen erfüllen, bis dann schließlich
der ewige Zustand erreicht ist. Es ist die Zeit, in der Jesus Christus
selbst von Seinem Thron im Himmel über alle Dinge herrscht. Es ist die
Zeit, in welcher der Geist Jesu Christi in der Welt wirkt und die eine,
heilige, weltweite, apostolische Gemeinde versammelt wird. Das Millenium
deckt also den selben Zeitraum ab, wie „die letzten Tage“ (auch ein
biblischer Ausdruck): Die Zeitspanne vom ersten bis zum zweiten Kommen
Christi. Diese Tage werden „die letzten Tage“ genannt, weil nach
ihnen nichts mehr kommt, nur noch der ewige Zustand. Es gibt keinerlei
Zwischenstufe oder ähnliches zwischen dem Millenium / den letzten Tagen
und dem ewigen Zustand.
Nun wird deutlich, warum Satan ganz am Anfang des
Milleniums gebunden wird und warum er nicht losgelassen wird, bis die
1.000 Jahre vorüber sind. Nehmen wir einmal an, es wäre den Nationen
möglich z.B. 50 Jahre vor Christi Wiederkunft zusammen gegen die
Gemeinde vorzugehen. In diesem Fall könnten die Erwählten nicht
versammelt werden. In der Folge könnte die eine, heilige, weltweite,
apostolische Gemeinde nicht gerettet werden. Was wäre dann mit den
Vorhersagen der Propheten? Was wäre mit Christi Herrschaft von Seinem
Thron aus?
Die Botschaft des Milleniums ist eine Botschaft des
Trostes: Zunächst, weil Jesus Christus als Herr verkündigt wird, der
selbst Herr über Satan ist. Nicht in dem Sinne, dass die alte Schlange
ihn als Erlöser anbeten würde, sondern dass er über den Teufel
herrscht. Er bindet Satan und lässt ihn wieder los. Christus sagt also:
„Satan, ich werde dafür sorgen, dass Du meine Gemeinde nicht
vernichtest. Aus diesem Grund werde ich Dich binden. Und wenn ich den
rechten Zeitpunkt als gekommen sehe und Du Deinen Teil in meinem Plan
erfüllen sollst, werde ich Dich wieder loslassen.“ Satan tut nur, was
ihm erlaubt ist zu tun: Seinen Teil im souveränen Plan Jesu Christi zu
erfüllen. Die Botschaft des Milleniums ist auch deswegen eine Botschaft
des Trostes, weil Satan besiegt ist. Satan ist gebunden, so kann er die
Nationen nicht gegen die Gemeinde versammeln. Danach wird er für eine
kurze Zeit losgelassen werden, um den Angriff auf die Gemeinde zu führen.
Danach, so sagt uns Offenbarung 20, wird er für alle Zeit in den
Feuersee geworfen werden (Offenbarung 20,10). All das bedeutet, dass die
gesamte Gemeinde gerettet werden wird.
Das Millenium ist die Zeit der Mission für die
Gemeinde, in der das Evangelium in die Welt hinaus getragen werden soll.
Denn wir wissen, dass die Gemeinde den gemeinsamen Angriff der Nationen
erst zu befürchten hat, wenn Satan losgelassen wird. Auch wenn die
Gemeinde bis dahin noch so stark unter Verfolgung zu leiden hat. Das
Millenium bedeutet für die Gemeinde also Sieg. Hiermit ist jedoch nicht
irdischer Friede, Macht oder Wohlstand gemeint, so als wenn die Gemeinde
nur ein weiteres Reich
auf dieser Erde wäre. Gemeint ist ein Sieg hinsichtlich geistlichem
Frieden, geistlicher Macht und und geistlichem Wohlstand. Wenn Christus
sagt, dass Sein Reich nicht von dieser Welt ist (Johannes 18,36) meint
Er damit nicht, dass Sein Reich in irgend einer Form minderwertiger als
alle Reiche der Erde ist. Nein, wenn Er sagt, dass Sein Reich nicht von
dieser Welt ist, meint Er damit, dass Sein Reich von einer gänzlich
anderen, besseren und höherwertigeren Art ist, als irdische Reiche. In
Seinem Reich ist der Friede und die Gemeinschaft mit dem wahren und
lebendigen Gott. Anders als alle Reiche dieser irdischen Welt ist dieses
Reich ewig und unvergänglich. All seine sanftmütigen Bürger werden
die Erde erben (Matthäus 5,5).
II. Die Herrschaft der Heiligen (Verse 4-6)
Die Heiligen, die in Offenbarung 20,4-6 regieren,
werden als enthauptete Seelen beschrieben. Sie sind also Gläubige, die
tot sind, aber in ihren Seelen leben. Vers 4 beginnt mit „Und ich sah...“
(um uns nochmals daran zu erinnern, dass es sich immer noch um eine
Vision handelt) „...Throne, und sie setzten sich darauf, und das
Gericht wurde ihnen übergeben; und [ich sah] die Seelen derer, die
enthauptet worden waren um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes
willen.“ Diese Passage spricht von „Seelen“ und man könnte
einwenden, dass dies manchmal einfach „Personen“ bedeutet. Der
Einwand scheint berechtigt. So spricht die Bibel z.B. davon, dass 70
Seelen nach Ägypten kamen (1. Mose 46,26-27). Hier sind keine
enthaupteten Seelen gemeint, sondern 70 Personen in Fleisch und Blut. In
Offenbarung 20,4 ist jedoch die Rede von enthaupteten
Seelen, was sich offenkundig nicht auf lebende Personen beziehen kann.
Der zweite Punkt ist, dass diese Heiligen im Himmel
und nicht auf der Erde sind. Denn wo sonst würden sich Heilige
aufhalten, die gestorben sind und in ihrer Seele leben? Wenn man
Offenbarung 6,9-11 betrachtet, fällt auch auf, dass sich die Heiligen
„unter dem Altar“ im Himmel befinden. In Offenbarung 20,4 heißt es,
dass diese enthaupteten Seelen auf Thronen sitzen, und Throne sind in
der Offenbarung immer himmlischer Natur. Wer das nicht glaubt, kann es
gern mit Hilfe einer Konkordanz überprüfen. Zuletzt wird uns gesagt,
dass diese Seelen mit Christus herrschen, und Er (Sein Körper) befindet
sich im Himmel.
Zum Dritten sind mit „enthauptete Seelen“ nicht
nur diejenigen Gläubigen gemeint, die tatsächlich enthauptet wurden.
Alle Gläubigen im Himmel gehören dazu. Im Buch der Offenbarung werden
alle Heiligen als Märtyrer präsentiert. Wir sind Märtyrer, weil wir
von der Welt gehasst werden. Denn wir gehören zu Jesus Christus. Die
Welt hasst Ihn, deshalb hasst sie auch uns. Wir sind Märtyrer, weil
alle Heiligen von dieser Welt bedrängt werden. Man kann per Definition
kein Heiliger in dieser gefallenen Welt sein, ohne von ihr bedrängt zu
werden. Diese Bedrängnis kennt viele Formen und fällt unterschiedlich
intensiv aus, und doch wird jeder Heilige gehasst und bedrängt. Römer
8,36 erklärt: „Wie geschrieben steht: 'Um deinetwillen werden wir getötet
den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir geachtet!'“. Paulus meint
hier nicht nur sich selbst, er meint alle Christen. All jene, die erwählt
und berufen sind. Der Ausspruch „Um deinetwillen werden wir getötet
den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir geachtet!“ ist ein Zitat
aus Psalm 44,22. So war es immer mit Gottes geliebtem Volk, sowohl in
den Tagen des Alten Testaments wie auch in den Tagen des Neuen
Testaments. Alle Christen erfüllen die Merkmale aus Offenbarung 20,4.
Sie alle enthalten sich dieser gottlosen Welt. Auch wenn der Grad
unserer Verfolgung variiert werden doch in gewisser Weise alle Christen
„erschlagen“. Denn die Bibel lehrt, dass Hass prinzipiell mit Mord
gleichzusetzen ist (vgl. Matthäus 5,22 und 1. Johannes 3,15) und die
Kinder dieser Welt hassen Gottes Kinder.
In Offenbarung 20,4-6 wird auch von dem
Zwischenzustand gesprochen, in dem die enthaupteten Seelen zwischen
ihrem irdischem Tod und dem ewigen Zustand sein werden. Wenn wir sterben,
befinden wir uns in einem Zwischenzustand. Unsere Seele ist dann bei
Christus im Himmel. Danach beginnt der ewige Zustand mit der körperlichen
Auferstehung der Toten. Somit spricht Offenbarung 20,4-6 von einem
Zwischenzustand zwischen unserem jetzigen Leben und dem ewigen Zustand.
Wir erfahren in diesen Versen, wo wir sein werden,
wenn wir gestorben sind und wie es dort sein wird. Diejenigen, die
Gottes Volk angehören, werden im Leben nach dem Tod als Könige
herrschen. Wir lesen von „Thronen“ (Vers 4), was bedeutet, dass wir
Könige sein werden. Und als Könige auf Thronen üben wir in
Gemeinschaft mit Jesus Christus, dem Herrn über alles, Herrschaft über
Himmel und Erde aus. In diesem Leben bringen wir Gott auch Opfer des
Lobes und Preises dar, denn Vers 6 bezeichnet uns als „Priester Gottes
und Christi“. Diese erhabene Form der Priesterschaft, die die Heiligen
ausüben dürfen, ist sogar noch größer als die Priesterschaft von
Aaron und Jojada im Alten Testament. Es wird auch ein Leben des Richtens
als Richter sein. In dieser zukünftigen Zeit werden wir, die von der
Welt als unwürdig betrachtet werden, die Welt richten. Dieses reiche
Leben als Könige, Priester und Richter ist ein Leben in Gemeinschaft
mit und in der Gegenwart von Jesus Christus. Daher sagt Vers 6: „Glückselig
und heilig ist, wer Anteil hat an der ersten Auferstehung!“ Das ist
der Zustand, von all jenen, die in Christus gestorben sind, darunter
viele, die wir gekannt haben. Das ist der Ort, an dem sie heute sind und
das ist das Leben, das wir nach unserem Tod mit Jesus Christus leben dürfen.
Sofern Er nicht zuvor wiederkommt.
Offenbarung 20,5 sagt: „Dies ist die erste
Auferstehung.“ Diese erste Auferstehung ist jedoch nicht die körperliche
Auferstehung, denn Johannes sagt uns, dass er enthauptete
Seelen sah. Auch handelt es sich nicht um die Wiedergeburt. Denn obwohl
die Wiedergeburt in der Bibel auch als Auferstehung bezeichnet wird,
sind die Seelen hier im Himmel und nicht auf der Erde. Die erste
Auferstehung ist der Zwischenzustand derjenigen, die in Christus
gestorben sind, es ist ihre Auferweckung zur himmlischen Herrlichkeit.
Vers 4 beschreibt also den Zustand der toten Gerechten im Himmel und der
erste Teil von Vers 5 schließt Ungläubige von diesem Segen aus: „Die
übrigen der Toten aber wurden nicht wieder lebendig,...“ (Im
griechischen Grundtext kommt das Wort „wieder“ nicht vor) „...bis
die 1000 Jahre vollendet waren.“ Sie haben keinen Anteil an diesem
Leben in der himmlischen Herrlichkeit. Dann kommt „Dies ist die erste
Auferstehung.“. Vers 6 fährt fort: „Glückselig und heilig ist, wer
Anteil hat an der ersten Auferstehung!“.
Wenn die erste Auferstehung also die Auferstehung der
Seele des Gläubigen im Himmel zum Zeitpunkt des Todes ist, was ist dann
die zweite Auferstehung? Die zweite Auferstehung ist die Auferstehung
des Körpers des Gläubigen zum Zeitpunkt der Wiederkunft Christi. Die
erste Auferstehung bezieht sich also auf die Seele des Gläubigen, die
zweite Auferstehung bezieht sich auf seinen Körper. Die erste
Auferstehung geschieht zum Zeitpunkt des Todes, die zweite Auferstehung
geschieht zum Zeitpunkt der Wiederkunft Christi. Was wird dann bei der
ersten Auferstehung auferweckt? Die Seele. Was wird bei der zweiten
Auferstehung auferweckt? Der Körper. Wann passiert das jeweils? Die
erste Auferstehung geschieht zum Zeitpunkt des Todes, die zweite
Auferstehung geschieht bei der Wiederkunft Christi. Die erste
Auferweckung beim Tod und die zweite Auferweckung bei der Wiederkunft
Christi ergeben zusammen die perfekte Umwandlung in das Bild Christi:
Zuerst die Seele, dann des Körpers des Gläubigen.
Nachdem wir nun die erste und - im Zusammenhang damit
- die zweite Auferstehung im Bezug auf Gläubige betrachtet haben,
wenden wir uns nun dem „zweiten Tod“ (Offenbarung 20,6.14) und dem
damit zusammenhängenden ersten Tod der Ungläubigen zu. Was lehrt
Offenbarung 20 über diesen zweiten Tod? Vers 6 sagt uns, dass sich
dieser zweite Tod nicht auf die Gläubigen bezieht: „Glückselig und
heilig ist, wer Anteil hat an der ersten Auferstehung! Über diese hat
der zweite Tod keine Macht“. Gläubige erfahren diesen zweiten Tod
also nicht. Vers 14 sagt über den zweiten Tod: „Und der Tod und das
Totenreich wurden in den Feuersee geworfen. Das ist der zweite Tod.“
Der zweite Tod ist also die ewige Strafe in den Flammen des Feuersees. Während
sich also die erste und zweite Auferstehung in Offenbarung 20 auf den Gläubigen
bezieht, bezieht sich der erste und der zweite Tod auf den Ungläubigen.
Und wenn der zweite Tod des Ungläubigen der Feuersee ist, der die Qual
des Körpers und der Seele darstellt, ist der erste Tod der
Zwischenzustand in der Hölle, wo die Seele Qualen erfährt.
Vergleichen wir nun das, was ich über die Gläubigen
und die erste und zweite Auferstehung gesagt habe mit dem, was ich über
die Ungläubigen und den ersten und zweiten Tod gesagt habe. Was
passiert mit dem Gläubigen? Zum Zeitpunkt seines Todes erfährt er die
erste Auferstehung: Er lebt in seiner Seele mit Christus im Himmel. Wenn
Christus wiederkommt, erfährt er die zweite Auferstehung. Er lebt in Körper
und Seele mit Christus im neuen Himmel und der neuen Erde. Diese Sicht
der Auferstehung (zunächst die Seele beim Tod, dann Seele und Körper
bei der Wiederkunft) stimmt mit dem Heidelberger Katechismus
überein (Frage 57). Was aber passiert mit dem Ungläubigen? Was ist der
erste Tod? Das ist, wenn er in seinem Körper stirbt und mit seiner
Seele in den Zwischenzustand für die Ungerechten kommt. Wie der reiche
Mann in Lukas 16 öffnet er seine Augen in der Hölle und ist in Qualen.
Der zweite Tod findet statt, wenn Christus wiederkommt.Das ist die Zeit
der allgemeinen Auferstehung der Toten und des Jüngsten Gerichts, wenn
Körper und Seele des Ungläubigen in den Feuersee geworfen werden und
er dort auf ewig Qualen erleidet.
Offenbarung 20,4-6 spricht davon, was mit der
Gemeinde während der 1000 Jahre im Himmel und – im Zusammenhang damit
– auf der Erde passiert. Auf der Erde werden die Christen in der Zeit
zwischen dem ersten und zweiten Kommen des Herrn dazu verführt, dem
Tier und seinem Bild Götzendienst zu leisten und das Zeichen des Tieres
zu tragen (Vers 4). Die christliche Gemeinde wird ständig von der Welt
und der falschen Gemeinde gelockt, Götzen zu dienen. Daher heißt es in
1. Johannes 5,21: „Kinder, hütet euch vor den Götzen!“. Diese Verführung
zum Götzendienst wird mit dem zunehmenden Abfall immer stärker werden,
je näher die Wiederkunft unseres Herrn rückt (vgl. 2. Thessalonicher
2,3-4, 7, 9-12). Dies bedeutet zum zweiten, dass die wahren Gläubigen
bedrängt und verfolgt werden, wenn sie sich weigern, Götzen zu dienen
und das Tier anzubeten, in welcher Form es in der neutestamentlichen
Zeit auch auftritt. Zum Zeitpunkt ihres Todes leben, herrschen und
richten die Gläubigen in ihrer Seele mit Christus (= die erste
Auferstehung). Dort warten die toten Heiligen auf die zweite
Auferstehung, welches die Auferstehung des Körpers ist. Sie wird
stattfinden, wenn Jesus Christus in Person auf den Wolken des Himmel
wiederkommt.
Was können wir über die Ungläubigen zur Zeit des
Neuen Testamentes / des Milleniums sagen? Sie leben in Sünde, hassen
Gott und verführen und verfolgen die Gemeinde (Offenbarung 20,4). Jeder
Ungläubige wird zum Zeitpunkt seines ersten (körperlichen) Todes in
seiner Seele die Hölle geworfen. Bei seinem zweiten Tod wird er dann in
den Feuersee geworfen, wo er an Körper und Seele Qualen erleidet.
III: Satans kurze Zeit, Gog und Magog und die letzte
Schlacht (Verse 7-10)
Zum Ende des Milleniums bzw. der neutestamentlichen
Zeit „wird der Satan aus seinem Gefängnis losgelassen werden“ (Vers
7). Vers 8 erklärt dies näher: „und er wird ausgehen, um die Heidenvölker
zu verführen, die an den vier Enden der Erde leben, den Gog und den
Magog, um sie zum Kampf zu versammeln, deren Zahl wie der Sand am Meer
ist.“ Dieser Zeitraum wird in Vers 3 „kurze Zeit“ genannt. Das ist
mit „Satans kurzer Zeit“ gemeint. Warum heißt es „kurze Zeit“?
Weil es sich eben nur um einen kurzen Zeitraum handelt, insbesondere in
Relation zu den 1.000 Jahren. Satan ist 1.000 Jahre lang gebunden. Dann
wird ihm diese kurze Zeit gewährt, in der er seinen niederträchtigen
Plan für eine gewisse Dauer verfolgt und damit Gottes Plan erfüllt.
Was tut Satan in dieser kurzen Zeit? Er versammelt den Gog und den Magog
zum Kampf.
Das erste und einzige Mal wird in der Schrift in
Hesekiel 38 und 39 auf Gog und Magog Bezug genommen. Gog wird als
oberster Fürst und Magog also Volk oder Land dargestellt. Der Gedanke
ist hier, dass Gog und Magog für einen besonders bösartigen,
entschlossenen und zahlreichen Feind stehen. Sie stehen für eine
gewaltige Armee, die ausschwärmt und zerstört. Sie startet den Angriff
auf Gottes Volk und wird dann plötzlich vom Allmächtigen vernichtet.
Offenbarung 20 greift nun die Bezugnahme auf Gog und
Magog in Hesekiel 38 und 39 auf und stellt Gog und Magog als den letzten
großen Feind dar, der Gottes Gemeinde angreift. Gog und Magog sind
nicht Russland oder China. Sie sind auch keine andere, einzelne Nation.
In Vers 8 werden drei Bezeichnungen für sie genannt: Erstens „Die
Heidenvölker“
(„Satan wird ausgehen, um die Heidenvölker zu verführen“).
Zweitens, und etwas präziser: Die Heidenvölker „ die an den vier
Enden der Erde leben“. Drittens werden sie „Gog und Magog“ genannt,
ein furchteinflößender Feind, der in Hesekiel 38-39 genannt wird. Wenn
man all diese Einzelaspekte zusammennimmt, ergibt sich folgendes: Gog
und Magog, der schreckliche Feind, der bereits im Alten Testament
genannt wird, ist niemand anderes als die gottlosen Heidenvölker, die
an den vier Enden der Erde leben.
Genauer gesagt sind Gog und Magog identisch mit der
Welt der Ungläubigen, die der losgelassene Satan unter einem
Banner vereint hat um die Heiligen zu vernichten (Offenbarung 20,9).
Satan hat einen Anführer bestimmt, der „Mensch der Sünde“ (2.
Thessalonicher 2), „Antichrist“ (1. Johannes 2,18) oder auch
„Tier“ (Offenbarung) genannt wird. Eine weitere Person ist der
falsche Prophet. Er verführt die Heidenvölker mit seiner Lügenpropaganda,
so dass sie sich in den Dienst des Tieres stellen. Durch den
Antichristen und mit der Hilfe des falschen Propheten versammelt Satan
Gog und Magog für die letzte Schlacht.
Offenbarung 20,9 spricht davon, dass Gog und Magog -
die Heidenvölker - an den vier Enden der Erde, heraufzogen „auf die
Fläche des Landes und umringten das Heerlager der Heiligen und die
geliebte Stadt.“ Wir müssen nun klären, für was „Heerlager“ bzw.
„geliebte Stadt“ (Jerusalem) stehen. Bei diesem Heerlager und dieser
geliebte Stadt handelt es sich nicht um das nationale Israel und das
irdische Jerusalem. Dieses Heerlager der Heiligen, diese geliebte Stadt,
ist die neutestamentliche Gemeinde Jesu Christi. Warum das? Das Neue
Testament lehrt klar und deutlich an vielen Stellen, dass wir die wahren
Juden sind. Wir, die nicht-jüdischen und jüdischen Gläubigen
sind „die Beschneidung“ (Philipper 3,3). „Denn nicht der ist ein
Jude, der es äußerlich ist; auch ist nicht das die Beschneidung, die
äußerlich am Fleisch geschieht; sondern der ist ein Jude, der es
innerlich ist, und [seine] Beschneidung [geschieht] am Herzen, im Geist“
(Römer 2,28-29). Was bedeutet das Wort „Jude“? Es bedeutet
„Lob“ (Römer 2,29). Wer sind die, die Gott loben? Zuerst der
Messias und dann all jene, die in Ihm sind. Das sind die einzigen
Menschen die wahrhaftig Gott loben. In Galater 4,26 steht „Das obere
Jerusalem aber ist frei, und dieses ist die Mutter von uns allen.“ Das
ist das Jerusalem, um das es hier geht: das „obere Jerusalem“, im
Gegensatz zu dem Jerusalem unten auf der Erde im Mittleren Osten. Auch
in Hebräer 12,22 finden wir hierzu etwas. An die neutestamentlichen Gläubigen
(im Gegensatz zu der ungläubigen, irdischen Nation der Juden) gerichtet,
heißt es hier: „ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt
des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem“.
Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei der „geliebten
Stadt“ in Offenbarung 20,9 um die Gemeinde handelt, lässt sich auch
etwas über diese Schlacht aussagen: In der Vision bewegt sich eine
gewaltige Armee von allen Enden der Erde auf die Stadt zu und umzingelt
sie. Hier wird in Bildern beschrieben, wie sich die Gottlosen
zusammenschließen um die wahre Gemeinde weltweit systematisch zu
verfolgen. Diese Verfolgung nimmt verschiedene Formen an, wie es im Buch
der Offenbarung beschrieben wird. So werden Gläubige nicht mehr kaufen
oder verkaufen können (Offenbarung 13, 16-17). Das ist in der
Vergangenheit immer wieder an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten
vorgekommen. Und je näher das Ende bevorsteht, desto intensiver wird
diese Form der Verfolgung werden. Dann gibt es noch das Zeichen des
Tieres: Man muss sich öffentlich zu dem antichristlichen System und dem
Antichristen selbst bekennen. Auch muss man das Tier und sein Bild
anbeten, anderenfalls droht der Tod (Offenbarung 20,4). Mit Ausnahme der
wahren Gläubigen wird die ganze Welt das Tier wegen seinen falschen
Wundern, seiner Macht und seiner Popularität bewundern (Offenbarung
13,1-18). Dann, wenn die Gemeinde Jesu am Verzweifeln ist, fällt Feuer
von Gott aus dem Himmel herab und verzehrt sie (Offenbarung 20,9)
Das ist die Wiederkunft Jesu Christi zum Gericht.
Diese Schilderung ähnelt stark derjenigen in 2. Thessalonicher 2,8, wo
der Antichrist durch die Erscheinung Christi bei Seiner Wiederkunft
beseitigt wird. Der Herr wird den Mensch der Sünde durch den Hauch
seines Mundes verzehren und durch die Erscheinung seiner Wiederkunft
beseitigen. In Offenbarung 19,19 wird von der gleichen Schlacht
gesprochen: „Und ich sah das Tier und die Könige der Erde und ihre
Heere versammelt, um Krieg (wörtlich: „den Krieg“ oder „die
Schlacht“) zu führen mit dem, der auf dem Pferd sitzt, und mit seinem
Heer“
Offenbarung 16,14 spricht von derselben Schlacht: „Es sind nämlich dämonische
Geister, die Zeichen tun und ausgehen zu den Königen der Erde und des
ganzen Erdkreises, um sie zum Kampf zu versammeln an jenem großen Tag
Gottes, des Allmächtigen.“ Die Schlacht wird in Vers 16 als „Harmageddon“
bezeichnet: „Und er versammelte sie an den Ort, der auf hebräisch
Harmageddon heißt“. Dann werden alle Gottlosen vernichtet und das
Tier, der falsche Prophet und Satan werden gefangen genommen und in den
Feuersee geworfen (Offenbarung 19,20 und 20,10).
Wie sieht also die Welt aus, in die der Herr
wiederkommt? Er kommt nicht in eine bekehrte oder christianisierte Welt.
Um es mit den Bildern aus Offenbarung 20 auszudrücken: Er kommt zurück
zu einem gläubigen Überrest, denn die Heidenvölker von den vier Enden
der Erde haben sich versammelt um eine Stadt zu belagern. Dies stellt
klar, dass die Gläubigen eine Minderheit unter der ansonsten gottlosen
Menschen auf dieser Erde sind und eben nicht die Mehrheit der Weltbevölkerung
ausmachen. Christus kommt zurück um eine gottlose Welt zu bestrafen,
deren Herrscher der Antichrist ist. Er kommt um Sein geliebtes Volk zu
erlösen.
Wäre meine Hoffnung, dass alle Nationen der Erde
eines Tages christianisiert sind, würde all das bisher Gesagte diese
Hoffnung zunichte machen. Doch meine Hoffnung ist eine „glückselige
Hoffnung“, nämlich die „Erscheinung der Herrlichkeit des großen
Gottes und unseres Retters Jesus Christus“ (Titus 2,13), wenn alle Erwählten
errettet sind. Dann wird all die Niederträchtigkeit Satans, der
Menschen und der gefallenen Engel gerichtet werden, jedes Unrecht wird
in Recht verwandelt werden, die Erwählten werden versammelt, zur
Vollkommenheit gebracht und gerechtfertigt werden. Wir werden mit neuen,
wunderbaren Auferstehungskörpern für die Glückseligkeit des neuen
Himmels und der neuen Erde ausgerüstet werden, dort, wo für immer
Gottes Gerechtigkeit herrscht. Sorgen, Tränen, Schmerz und Tod wird es
nicht mehr geben, Gottes Name wird in der ganzen Welt angerufen werden,
Christi Name wird stets in unseren Gedanken sein und wir werden Sein
Gesicht sehen! „Glückselig und heilig ist, wer Anteil hat an der
ersten Auferstehung!“ ...und an der zweiten Auferstehung!
Der
Vortrag, auf dem dieser Artikel basiert, kann auch online gehört werden.
Diese
vier Bezeichnungen haben wir gerade betrachtet.
Das
bedeutet, dass sich Gott den Juden durch die Propheten im Wort
offenbarte.
Im
Sinne von „Nation“ oder „Land“, so auch im folgenden.
Frage
57: Was tröstet dich die Auferstehung des Fleisches? Antwort:
Dass nicht nur meine Seele gleich nach diesem Leben zu Christus, ihrem
Haupt, genommen wird [= erste Auferstehung] , sondern auch, dass dies
mein Fleisch durch die Kraft Christi auferweckt, wieder mit meiner Seele
vereinigt und dem herrlichen Leib Christi gleichförmig werden soll [=
zweite Auferstehung].
Oder:
Die Nationen
Zum
Thema „Die letzte Schlacht“ (Offenbarung 19,11-21) gibt es zwei
Online-Predigten: „The Last Battle (I)“ unter http://www.cprfextra.co.uk/lastbattle1.m3u
und „The Last Battle (II)“ unter http://www.cprfextra.co.uk/lastbattle2.m3u
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