Prüfet die Geister: eine Reformierte Untersuchung
der Pfingstbewegung
David Engelsma
Die Einführung
Eine Untersuchung vom Standpunkt des Reformierten
Glaubens von der religiösen Bewegung, die als die Pfingstbewegung
bekannt ist, ist in Ordnung. Denn diese Bewegung dringt auch in
Reformierte Gemeinden ein. Manche vertreten die Meinung, dass der
Reformierte Glaube und die Pfingstbewegung in Harmonie miteinander
existieren können; andere behaupten, dass die Pfingstbewegung die
Reformation in unserer Zeit vervollständigt; andere erklären
öffentlich, dass die Pfingstreligion den historischen Reformierten
Glauben ersetzt.
Diese Untersuchung durchzuführen ist berechtigt.
Häufig schrecken die Pfingstchristen diejenigen ab, die die
Pfingstbewegung kritisieren würden, indem sie andeuten, dass eine
Kritik der Pfingstbewegung die unverzeihliche Sünde der Lästerung
wider den Heiligen Geist sei (Matt. 12:31). Ein Reformierter Mann wird
nicht durch diese Verängstigungstaktik abgeschrocken. Mehr als einmal
in der Kirchengeschichte haben falsche Lehrer versucht, in die Kirche
einzudringen, indem sie an den Heiligen Geist appellierten. Ein
hervorragendes Beispiel ist die Erscheinung von Fanatikern zur Zeit der
Reformation im 16. Jahrhundert, die die Lutheraner in Wittenberg
belästigten. Diese waren die "himmlischen Propheten" und die
"Enthusiaste," welche behaupteten, Sonderoffenbarungen vom
Geist zu empfangen und Wunder zu vollbringen. Sie schüchterten
Melanchthon ein aber sie schüchterten nicht Luther ein. Als sie
schrieen, "Der Geist, der Geist" antwortete Luther, "Ich
hau deinen Geist auf die Schnauze."
Der Reformierte Mann und Frau kennen die Lehre des
Geistes Christi in der Heiligen Schrift: "Ihr Lieben, glaubet nicht
einem jeglichen Geist, sondern prüfet die Geister, ob sie von Gott sind:
denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt" (I
Joh. 4:1).
Der Massstab einer Prüfung der Geister
einschliesslich des Geistes der Pfingstbewegung ist die Heilige Schrift,
das inspirierte Wort Gottes. Gemäss der Heiligen Schrift muss die Frage
diese sein: bekennt dieser Geist, bekennt diese religiöse Bewegung
Jesus Christus (I Joh. 4:2-3); bleibt er in der Lehre Christi (II Joh.
9)? Denn der Heilige Geist bekennt Jesus Christus und bringt die Lehre
Christi.
Unsere Untersuchung der Pfingstbewegung muss auch
ihre Kritik des christlichen Lebens von Reformierten Gläubigen in
Betracht ziehen. Denn die Pfingstbewegung setzt das Leben derjenigen ab,
die "lediglich glauben." Die Folge der Pfingstbewegung ist,
dass Gläubige fragen sich, ob ihr Leben ist, was es sein sollte – ob
es ein normales christliches Leben ist. Die Gläubigen sind sogar dazu
geführt, daran zu zweifeln, ob sie errettete Christen überhaupt sind.
Letzten Endes ist die Anziehungskraft der Pfingstbewegung auf religiöse
Leute ihre Prahlerei bezüglich eines höheren völleren tieferen
reicheren christlichen Lebens. Die Pfingstbewegung frohlockt über ein
Leben, das ausschliesslich aus Kraft, Aufregung, Freude und Sieg besteht.
Lass niemand aber vermuten, weil wir von einer Reformierten
Untersuchung der Pfingstbewegung sprechen, dass diese Untersuchung
lediglich um der Mitglieder der Reformierten Gemeinde willen
durchgeführt wird. Der Reformierte Glauben vertritt den Protestantismus
– das biblische Christentum. Wie es offensichtlich werden wird, ist
der Massstab, wodurch der Reformierte Glaube diese Untersuchung
durchführt, die Heilige Schrift – der Regel für den Glauben und das
Leben jedes bekennenden Christen. Unter dem klaren Licht der Heiligen
Schrift zeigt die Pfingstbewegung Merkmale, die sie zweifelsohne als
eine Form einer uralten und gut bekannten Drohung für das Christentum
kennzeichnen.
Kapitel 1: Die Reformierte Antwort auf die
gründsätzlichen biblischen Appelle der Pfingstbewegung
Mit der Pfingstbewegung verstehen wir die religiöse
Bewegung, die ein zweites getrenntes Werk der Gnade im Kind Gottes,
welches als "die Taufe mit dem Heiligen Geist" bezeichnet wird.
In einem Moment nach der Wiedergeburt (oder, nach der Bekehrung)
empfängt der Gläubige den Heiligen Geist, üblicherweise als ein
wunderbares emotionelles Erlebnis auf eine solche Weise, dass jetzt er
zum ersten Mal ein wunderbares Gefühl der Freude empfindet; so dass er
die Kraft für dynamisches christliches Leben und Dienst bekommt; und so
dass er eine aussergewöhnliche Gabe des Geistes, nämlich das
Zungenreden, ausübt. Obwohl der Gläubige vorher Christus, die
Vergebung der Sünden und die Heiligung empfangen hat, erst wenn die
Taufe des Geistes ihn auf einem viel höheren geistlichen Niveau hebt,
wird er ermächtigt, das volle freudvolle mächtige echte christliche
Leben zu führen.
Diese Doktrin stellt genau das Herz der
Pfingstbewegung dar. Andere Merkmale ziehen vielleicht die
Aufmerksamheit der Zuschauer auf sich, z. B., die Zungen, die Wunder,
und die Überschwung ihrer Versammlungen; aber die Bewegung steht oder
fällt mit ihrer neuartigen Heilsdoktrin: ihre zweite Taufe. Die
Grundkritik, welche der Reformierte Glaube in Bezug auf die
Pfingstbewegung macht, ist, dass sie in ihrer Heilsdoktrin ketzerisch
ist. Die Pfingstchristen setzen diese "Taufe-mit-dem-Heiligen-Geist"
mit dem Kommen des Geistes auf die 120 Gläubige zu Pfingsten gleich.
Daraus entsteht der Name der Bewegung: die Pfingstbewegung.
Da der Geist den auf diese Weise Getauften
ausserordentliche Gaben gäbe, heisst die Bewegung auch die "charismatische
Bewegung." Im Griechischen des Neuen Testaments ist das Wort, das
"Gaben" bedeutet, "Charismata" (siehe I Kor. 12:4).
Die von der Pfingstbewegung betonten Gaben sind Zungen, die Auslegung
der Zungen, die Weissagung, die Wunder, und die Macht, unreine Geister
auszutreiben. Die Hauptgabe ist das Zungenreden. Deshalb wird die
Bewegung manchmal die "Zungenbewegung" genannt.
Die "Neopfingstbewegung" ist der Name,
welcher dieser Bewegung gegeben wird, wie sie in den etablierten
Protestantischen Kirchen und in der Römisch Katholischen Kirche
praktiziert wird. Es sind Pfingstgemeinden seit den frühen 1900 Jahren
gewesen, z.B., die "Versammlungen Gottes." In den frühren
1960 Jahren fingen Menschen in den etablierten Protestantischen Kirchen
an, in ihren eigenen Kirchen die Pfingstglaubenslehren und
Pfingstpraktiken zu befürworten. Den Führer erkennt man allgemein als
der Episkopaler Dennis Bennett. Zu dieser Zeit gibt es kaum eine
Glaubensgemeinschaft, welche praktizierende Pfingstchristen in ihrer
Mitgliederschaft nicht duldet oder genehmigt.
Die Pfingstbewegung behauptet, dass ihre Doktrin der
Taufe mit dem Heiligen Geist als ein zweites Gnadenwerk und ihre Lehre
der Anwesenheit der ausserordentlichen Gaben des Geistes in der Kirche
bliblisch seien. Sie findet in Apostelgeschichte 2, sowie in
Apostelgeschichte 8, 10 und 19, dass die Gläubige den Heiligen Geist
nach ihrer Bekehrung empfingen, was ihnen grosse Kraft gab und ihnen
Sondergaben gewährte. Sie weist uns auf I Korinther 12 als Beweis hin,
dass die Gaben des Geistes in der Kirche des Neuen Testaments die
Heilung, die Wunder, die Weissagung und dergleichen einschliessen.
Was ist die Reformierte Antwort auf diese Appelle auf
die Bibel als Unterstützung der Lehre der Pfingstbewegung von der Taufe
mit dem Geist und den ausserordentlichen Gaben?
Die Taufe mit dem Geist
Es gibt eine Taufe mit dem Heiligen Geist. Sie ist
ein unentbehrlicher Bestandteil des Heils. Johannes der Täufer bringt
dies klar zum Ausdruck, indem er in Bezug auf das errettende Werk
Christi sagt: "Der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer
taufen" (Matt. 3:11; siehe auch Markus 1:18; Lukas 3:16 und
Johannes 1:33). Aber diese Taufe ist kein zweites Werk des Geistes nach
der Wiedergeburt und nach der Gabe des Glaubens. Diese wird auch nicht
nur auf bestimmte Christen eingeschränkt, auf diejenigen, die gewisse
Bedingungen erfüllt haben und sich dieser höheren Phase des Heils
würdig gemacht haben. Die Taufe Christi mit seinem Geist ist sein eines
errettendes Werk durch seinen Geist in jedem auserwählten Kind
Gottes. Sie ist die Wiedergeburt aus dem Himmel (Joh. 3:1-8). Sie ist
die Reinigung von der Sünde und die Weihe zu Gott durch das Ausgiessen
des Geistes in sein Herz. Die Taufe von Johannes mit Wasser war ein
Zeichen dieser geistlichen Wirklichkeit. Das Sakrament der Taufe in der
Kirche ist ein Zeichen der Taufe mit dem Geist, wie Titus 3:5-6 lehrt:
"nach seiner Barmherzigkeit [rettete er uns] durch das Bad der
Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist, welchen er ausgegossen
hat über uns reichlich durch Jesus Christus unsren Heiland."
Es gibt nur eine Taufe in der Kirche Jesu
Christi: die Taufe mit dem Heiligen Geist, die durch die Besprengung mit
Wasser im Namen der Dreieinigen Gottes gedeutet wird. Diese ist die
Lehre des Apostels in Epheser 4:5: "ein Herr, ein
Glaube, eine Taufe." Die Pfingstbewegung hat zwei
Taufen: eine erste niedrige Taufe – das Heil von der Sünde (deren
Zeichen Wasser ist) und eine zweite höhere Taufe – die Taufe mit dem
Heiligen Geist. Auf diese Weise trennt die Pfingstbewegung Christus, das
Heil und die Kirche.
Die Taufe Christi jeder Person unter seinem Volk mit
dem Heiligen Geist hängt ausschliesslich von seinem Werk ab, indem er
für sein Volk diese Gabe durch seinen Tod verdiente. Sie hängt nicht
auf Werke ab, die sein Volk verrichten müssen. Deshalb nicht nur darf
jedes Kind Gottes sie empfangen, sondern jedes Kind Gottes empfängt
sie tatsächlich: "Der wird euch mit dem Heiligen Geist
taufen," versprach Johannes.
Sicherlich ist die Taufe mit dem Heiligen Geist der
Empfang grosser Kraft von jedem, der so getauft wird, wie Christus
seinen Jüngern in Apostelgeschichte 1:8 lehrte: "Ihr werdet aber
die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird
…" aber die Schrift muss uns lehren, woraus diese Kraft besteht
und wie sie ausgeübt wird. Was die Kirche betrifft, ist es die Kraft,
Christus zu bezeugen: "… und ihr werdet meine Zeugen sein …"
(Apg. 1:8). Das Zeichen einer von dem Geist getauften Kirche ist deshalb,
Christus treu zu verkünden.
Was das individuelle Kind Gottes betrifft, zeigt
Johannes die Natur der Kraft der Taufe mit dem Geist, wenn er sagt, dass
wir "mit dem Heiligen Geist und mit Feuer" getauft
werden. Wir empfangen den Geist wie ein Feuer; er wohnt in uns und wirkt
in uns wie ein Feuer. Das Feuer reinigt, indem es die Schlacke völlig
abbrennt, die das Wertmetall verunreinigt. Ähnlicherweise brennt der
Heilige Geist unsere Sünde ab, damit wir Gott in liebendem Gehorsam
geweiht werden. Die Kraft der Taufe mit dem Geist ist die
ehrfurchtgebietende Kraft der Heiligung. Genau dies war die Prophezeiung
der Taufe mit dem Geist im Alten Testament. Im Tag, wenn der "Spross
des Herrn" schön und herrlich ist, werden diejenigen, die durch
die Gnade übrigbleiben "heilig heisssen, ein jeder, der
aufgeschrieben ist zum Leben in Jerusalem. Wenn der Herr den Unflat der
Töchter Zions abwaschen wird und die Blutschuld Jerusalems wegnehmen
wird durch den Geist, der richten und ein Feuer anzünden wird" (Jes.
4:2-4).
Das Zeichen eines mit dem Geist getauften Christen
ist deshalb die Traurigkeit wegen der Sünde (die Busse) und der
Gehorsam zum Gesetz Gottes (die Heiligkeit).
Sind sie wiedergeboren (und das sind Sie sicherlich,
wenn Sie an Jesus Christus glauben)? Bereuen Sie Ihre Sündhaftigkeit
und Ihre Sünden? Gibt es in Ihrem Leben einen beginnenden Gehorsam zu
allen Geboten vom Gesetz Gottes, obwohl dieser Gehorsam sehr klein sein
mag? Dann sind Sie mit dem Heiligen Geist getauft worden; und das
Sakrament ist Ihnen ein Zeichen und ein Siegel Ihrer Taufe mit dem
Heiligen Geist, solange Sie leben. Lass niemand Sie irreführen, dass
Sie noch nach einer besseren Taufe suchen müssen.
Wie erklärt es sich, dass im Buch der
Apostelgeschichte es offensichtlich zwei getrennte Werke des Heiligen
Geistes auf einige unter dem Volk Gottes gab? Die Jünger Jesu –
Petrus, Johannes und andere – waren vor dem Pfingsten
wiedergeborene errettete Menschen. Dies war selbstverständlich aufgrund
des gnädigen Werkens vom Geist in ihren Herzen. Aber zu Pfingsten
wurden diese Männer "voll des Heiligen Geistes" (Apg. 2:4).
Auf sie wurde der Geist ausgegossen (Apg. 2:16-18). Sie wurden dann
"mit dem Heiligen Geist getauft" (Apg. 1:5)
Die Pfingstbewegung appelliert an diese Geschichte in
der Apostelgeschichte als Beweis für die Behauptung, dass es im Leben
von jedem Christen zwei getrennte Werke der Gnade geben muss: die
Wiedergeburt (oder, die Bekehrung) und die Taufe mit dem Heiligen Geist.
Das Erlebnis der Jünger und anderer im Buch der Apostelgeschichte wird
als normativ für jedes Kind Gottes betrachtet. Die Pfingstbewegung
besteht darauf, dass für jedes Kirchenmitglied das Pfingsten immer
wieder wiederholt werden muss. Einer der führenden Schreiber der
Pfingstbewegung Donald Gee spricht von "einem persönlichen
Pfingsten" für jeden Christen (A New Discovery).
Dies verrät, dass das grosse Ereignis des Pfingstens
völlig missverstanden wird. Es ist genauso närrisch, ein persönliches
Pfingsten wie eine persönliche Menschwerdung Jesu oder einen
persönlichen Tode Jesu oder eine persönliche Auferstehung Jesu zu
verlangen.
Das Pfingsten war die Gabe seines Heiligen Geistes
vom in den Himmel aufgefahrenen Christi zu seiner Kirche. Der Geist
wurde reichlich und in hohem Masse gegeben – er wurde "ausgegossen."
Er wurde als Derjenige gegeben, der zu der Kirche die Erstlingsgabe des
vervollständigten Werkes von Jesu Christi, die Wohltaten seines Todes
und seiner Auferstehung , d.h. das Heil Christi, bringt. Durch die Gabe
des Geistes wurde zur Kirche das Evangeliumsversprechen des Alten
Testaments erfüllt (Apg. 2:38-39; Gal. 3:14), weil der Sohn Gottes dem
Volk Gottes volles Heil – die Vergebung der Sünden und das ewige
Leben – gegeben hat. Er taufte die Kirche mit dem Heiligen Geist (Apg.
1:5). Da er mächtiger als Johannes der Täufer war, überschwemmte er
die Kirche mit der Wirklichkeit, wo Johannes nur das Zeichen geben
konnte (Matt. 3:11).
Jener grossartige Sonntag bezeichnete den Niedergang
des alten Zeitalters und das Kommen des neuen Zeitalters: sie ist die
Grenze zwischen dem alten und dem neuen System. Im Unterschied zwischen
dem Alten Testament und dem Neuen Testament geht es um die Fülle des
Heiligen Geistes und in der Fülle des Heiligen Geistes geht es um den
vollen Reichtum des vom Christi erleisteten Heils. Dies lehrt Johannes
7:37-39: "… denn der Geist war noch nicht da, denn Jesus war noch
nicht verherrlicht." Im Zeitalter des Alten Testaments vor dem
Pfingsten war der Heilige Geist noch nicht da. Er und sein errettendes
Werk fehlte zwar nicht völlig, denn er rettete das Volk Gottes unter
dem alten Bund, wie er uns jetzt rettet. Aber er war nicht anwesend mit
der Fülle und mit dem Reichtum des Heils, mit dem er jetzt in der
Kirche wohnt. Er konnte es nicht, denn Christus war noch nicht gestorben
und auferstanden, um das reiche und volle Heil zu erwerben. Wie das
Weihnachten der Geburtstag vom Sohn Gottes im Fleisch war, so war das
Pfingsten "der Geburtstag" des Geistes als der Geist Christi
in der Kirche.
Das Pfingsten wie die Menschwerdung, die Kreuzigung,
die Auferstehung und die Himmelfahrt war ein einmal-für-alle-Zeit
stattgefundenes Ereignis. Fünfzig Tage nach seiner Auferstehung
schickte Jesus seinen Geist zu seiner Kirche. Dies wird niemals
wiederholt, wie der Tod Jesu niemals wiederholt wird. Es ist Unsinn,
wenn nicht Ketzerei, ein persönliches Pfingsten für jeden Christen zu
verkünden. Aus diesem Grund irrt man sich, wenn man die Pfingstzeichen
durch die Geschichte der Kirche erwartet. Ein Brausen wie ein gewaltiger
Wind, zerteilte Zungen wie von Feuer und das Reden der Jünger mit
anderen Zungen waren die ein für allemal stattgefundenen Zeichen vom
historischen Ereignis vom Ausgiessen des Heiligen Geistes, genauso wie
das grosse Erdbeben ein Zeichen der Auferstehung Jesu war. Sicherlich
wurde es beabsichtigt, dass diese Zeichen auch die meinen im zwanzigsten
Jahrhundert sein würden, genauso wie sie Zeichen für Petrus im Jahr 33
n. Chr. waren, aber sie sind die meinen, nicht indem ich erlebe, wie sie
in meinem Leben wiederholt werden, sondern indem sie in den Seiten der
Heiligen Schrift niedergeschrieben sind und indem sie durch den Glauben
empfangen werden.
Wenn die Pfingstchristen versuchen, die Einmaligkeit
des Pfingstens zu leugen, deuten sie auf Ereignisse in der
Apostelgeschichte hin, die anscheinend Wiederholungen des Pfingstens
sind: der Geist fiel auf die samaritischen Bekehrten (Apg. 8:5-24); der
Geist wurde auf Kornelius und sein Haus ausgegossen (Apg. 10:44-48;
11:15-18) und der Geist kam auf die Jünger von Johannes (Apg. 19:1-7).
In der Wirklichkeit sind diese Sonderereignisse, durch welche Gott zu
zeigen beabsichtigte, dass das unwiederholbare Wunder des Pfingstens auf
die ganze Kirche spezifisch auf die Halbheidnischen (die Samariter), auf
die völlig Heidnischen (das Haus von Kornelius) und auf die Jünger von
Johannes des Täufers überträgt. Diese sind Erweiterungen des
Pfingstens auf die ganze Kirche, die am weitesten Auswirkungen des
Pfingstens.
In Anbetracht der Bedeutung des Pfingstens können
wir leicht verstehen, dass zu Pfingsten Männer und Frauen, die bereits
schon selig waren, die Gabe des Heiligen Geistes empfingen, so dass sie
einen neuen Reichtum des Heils und eine bisher unbekannte Kraft genossen.
Dies lässt aber nicht auf zwei Werken der Gnade in jedem Christen
schliessen; es ist nicht für alle Gläubige normativ, als ob wir auch
erwarten und danach sehnen müssen, dass wir "bloss von dem Heil
durch den Glauben" auf ein höheres Gefühls- und Kraftniveau von
einer "Taufe mit dem Heiligen Geist" übergehen. Die
Erklärung wird in der einzigartigen historischen Position der Heiligen
gefunden, die durch das Pfingsten gelebt haben. Sie lebten durch den
Übergang vom alten System auf das neue System, vom noch-nicht-Wesen des
Geistes auf sein Wesen, vom noch-nicht-verherrlicht-Sein Christi auf
sein verherrlicht-Sein. Vor jenem Moment waren jene Heiligen selig;
jetzt wenn das neue Zeitalter dämmert, empfangen sie in seiner Fülle
die Gabe des Geistes, d.h. das vervollständigte Heil vom verherrlichten
Christi. Am Pfingsten gehen sie vorwärts, nicht von einem ersten
niedrigen Gnadensniveau auf ein zweites höheres Gnadensniveau, sondern
von der Kindheit der Kirche im Alten Bund auf die Volljährigkeit der
Kirche im Neuen Bund (Gal. 4:1-7).
Wir schaudern vom Vorschlag zurück, dass jeder von
uns das Pfingstenerlebnis wiederholen muss. Dann müssten wir eine
gewisse Zeit ins alte System zurückgehen, um unter dem Gesetz in den
Typen und Schatten zu leben, damit wir zu einem gewissen Zeitpunkt ins
neue System übergehen können. Auch wenn dies möglich wäre, würden
wir es uns weigern, da wir die Warnungen von Galater und Hebräer
gehört haben.
Wir, die Heiligen des Neuen Testaments, empfangen den
Geist des verherrlichten Christi mit dem vollen Christus und mit seinen
sämtlichen Wohltaten sofort, so bald er uns wiedergeboren hat, er
Wohnung bei uns macht, er uns ins Leib Christi die Kirche getauft hat
und er uns durch einen wahren und lebenden Glauben mit Jesu verbindet.
Sicherlich ist der Pfingstsegen der unsere, genauso wie er der Segen der
120 Gläubige im Obergemach des Hauses in Jerusalem war. Dies ist
genauso notwendig wie unsere Teilnahme im Tode und in der Auferstehung
Christi. Wenn man des Todes und der Auferstehung Christi und des
Pfingstens nicht teilhaftig ist, ist man einfach nicht selig. Aber ich
werde des Todes Christi teilhaftig, nicht indem sein Tod in meiner
persönlichen Geschichte und in meinem Erlebnis irgendwie wiederholt
wird. Ich bin durch den Glauben des Todes und der Auferstehung
Christi teilhaftig: durch den Glauben bin ich mit Christi gekreuzigt und
ich stehe mit ihm auf. Genauso durch dengleichen Glauben bin ich des
Pfingstens teilhaftig. Der Segen jenes grossartigen Tages jetzt vor
circa 2000 Jahren wird den meinen persönlich durch den Glauben, der vom
Geist in mir gewirkt wird, der mich zu Christi und zu seinem Leib der
Kirche verbindet, zu welcher Kirche der Geist damals gegeben wurde und
bei welchem der Geist ewiglich wohnt. Diese ist die Lehre von Galater
3:14, "auf dass … wir den verheissenen Geist empfingen durch den
Glauben."
Die Gabe der Zungen
Das andere der zwei auffallenden Merkmale der
Pfingstbewegung ist ihre Doktrin und ihre angebliche Praxis bezüglich
der ausserordentlichen Gaben des Geistes insbesonders des Zungenredens.
Auch für dies behauptet die Bewegung Unterstützung in der Schrift
insbesonders in I Korinther 12-14 zu finden. Was ist die Reformierte
Antwort auf diese Lehre und ihren Appell auf die Bibel?
Es gab in der Zeit des Apostels eine Gabe der Zungen,
ob diese Gabe dadurch erklärt wird, dass man fähig wurde,
Fremdsprachen zu sprechen, ohne dass man diese gelernt hat, oder völlig
neue unbekannte Sprachen reden konnte. I Korinther 14 deutet an, dass
mindestens ein Aspekt dieser Gabe der Zungen in jenen Tagen die
Fähigkeit war, eine völlig neue unbekannte Sprache zu sprechen.
Niemand einschliesslich des Reders verstand, was gesagt wurde (vv. 2,
14). Die Auslegung der Zunge war wie die Zunge selbst eine Gabe des
Geistes (v. 13; siehe auch I Kor. 12:10). Der Zungenreder sprach nicht
mit Menschen sondern mit Gott (v. 2). Das Vorteil dieses war nicht die
Erbauung anderer sondern seine eigene Erbauung (v. 4). In Zungen spricht
der Zungenreder "Geheimnisse" (v. 2).
Es gab auch andere ausserordentlichen Gaben des
Geistes in jenen Tagen: die Gabe, Sonderoffenbarungen von Gott zu
empfangen; die Gabe, böse Geister auszutreiben; die Gabe, Schlangen
aufzuheben und Gift zu trinken, ohne verletzt zu werden; die Gabe, die
Kranken durch Handauflegung zu heilen; und die Gabe, die Toten zu
erwecken (siehe Mark. 16:17-18; I Kor. 12:1-11).
Unter diesen Gaben war die Gabe des Zugenredens eine
Gabe weniger Wichtigkeit. In der Gabenliste in I Korinther 12:28-31
werden die Zungen und die Auslegung der Zungen erst am Ende erwähnt und
diese befinden sich nicht unter "den besten Gaben," nach
welchen die Korinther streben sollten. I Korinther 14:39 lehrt lediglich,
dass man das Zungenreden nicht verbieten soll, wo der Apostel ermahnt,
sich des Weissagens zu befleissigen. Überall durch I Korinther 14 setzt
der Apostel die Zungen im Vergleich mit der Weissagung herab, während
er die vielfältigen Missbräuche der Zungengabe unter den Korinthern
aufdeckt. Darüber hinaus waren die Zungen keine Gabe, die alle
Korinther besassen, weder noch wurde es erwartet, dass alle diese Gabe
besitzen sollten (I Kor. 12:20). Es ist mehr als merkwürdig, um es
milde auszudrücken, dass die Pfingstbewegung, die ein grosses Geschrei
macht, dass sie das Christentum des Neuen Testaments wiederherstellt,
die Zungen die Gabe des Geistes par excellence macht, indem sie
sowohl in der Theorie als auch in der Praxis zu dieser Gabe eine
überragende Bedeutung zuschreibt, welche sie sogar in den Tagen der
Apostel nicht hatte; und dass die Pfingstbewegung darauf besteht, dass
jeder Christ diese Gabe besitzen muss, als ob Paulus niemals geschrieben
hätte: "Reden sie alle in Zungen?"
Das Argument der Pfingstbewegung, dass es auch heute
Wunder gebe, ist einfach: die Schrift lehrt, dass das Wunderliche ein
Teil vom Leben und vom Dienst der Kirche während der Tagen der Apostel
war. Man sollte deshalb auch heute in der Kirche die Gabe der Wunder
finden.
Die Pfingstbewegung achtet aber die Lehre der Schrift
nicht, dass die Wunder "eines Apostels Zeichen" (II Kor.
12:12) waren. Die Kraft, Wunder vollzubringen, wurde mit dem
apostolischen Amt verbunden und deren Zweck war die Bestätigung der
Apostel als Sonderknechte Christi und die Bestätigung ihrer Doktrin als
das Evangelium Gottes. Dies deutet aber nicht an, dass nur die Apostel
Wunder vollbringen konnten. Tatsächlich besassen auch andere Heiligen
die Gabe, Wunder vollzubringen. Aber es bedeutet, dass das Wunderliche apostolisch
war: es entstand aus dem apostolischen Amt, welches damals in der
Kirche anwesend war und es diente, die Apostel und deren Doktrin zu
bestätigen. Die Wunder waren die Zeugnisse der Apostel.
Die Notwendigkeit der Wunder während der
apostolischer Zeit findet man in der einzigartigen Arbeit der Apostel.
Sie haben den Grund der Kirche Christi des Neuen Testaments gelegt.
Paulus schreibt in Epheser 2:20, dass die heidnischen Gläubige zusammen
mit den Heiligen Israels "auf den Grund der Apostel und Propheten
erbaut" sind. Die Apostel sind der Grund der Kirche, wie Christus
"der Eckstein" ist. Sie sind der Grund aufgrund des von ihnen
verkündeten und geschriebenen Wortes. Ähnlicherweise behauptet Paulus
in I Korinther 3:10, dass er den Grund der Kirche in Korinth gelegt hat,
wo andere dann auf diesem Grund bauen: "Ich nach Gottes Gnade, die
mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein
anderer baut darauf …"
Dass die Wunder einschliesslich der Zungengabe dem
apostolischen Amt gehörten, wird in II Korinther 12:12 gelehrt: "Denn
es sind ja eines Apostels Zeichen unter euch geschehen in aller Geduld
mit Zeichen und mit Wundern und mit Taten." Paulus verteidigt sein
Apostelamt in Anbetracht der Angriffe in Korinth auf sein Apostelamt. In
Vers 11 klagt er, dass er von den Korinthern nicht gelobt wurde, obwohl
"ich doch nicht weniger bin, als die hohen Apostel sind." Die
Korinther hätten das Apostelamt von Paulus erkennen und ehren sollen,
da Christus davon einen deutlichen Beweis durch die Wunder gab, die er
durch Paulus wirkte. Die Wunder werden als Zeichen, Wunder und mächtige
Taten beschrieben. Sie werden "die Zeichen eines Apostels"
genannt. Wörtlich lesen wir; "die Zeichen des Apostels."
Die Wunder deuten auf die Anwesendheit und die Kraft eines Apostelamtes
hin. Sie gehören dem apostolischen Amt.
Auch Hebräer 2:3-4 setzt die ausserordentlichen
Gaben des Geistes mit dem apostolischen Amt in Verbindung. Die ersten
drei Versen des Kapitels sind eine Warnung, falls wir "ein solches
Heil nicht achten." Man macht sich des Nichtachtens des Heils
schuldig, indem man sich weigert, auf das Wort Gottes achtzuhaben:
"Wie wollen wir entrinnen, wenn wir ein solches Heil nicht achten,
welches zuerst gepredigt ist durch den Herrn und bei uns bekräftigt
durch die, die es gehört haben?" Das grossartige Heil wird
gesprochen: wir haben es durch das Hören. Dieser Abschnitt beweist,
dass als Mittel des Heils die Predigt vorrangig ist. Auch in der
apostolischen Zeit waren nicht die Wunder, nicht die ausserordentlichen
Gaben des Geistes, sondern das Verkünden des Wortes das Vorrangige. Die
Wunder waren sekundär; sie waren der apostolischen Doktrin strikt
unterworfen.
Aber der Abschnitt lehrt auch, dass die Wunder dem
apostolischen Amt und Dienst gehörten. Der Autor hatte gesagt, dass die
Heiligen im Neuen Testament insbesonders die hebräischen Christen das
Wort Gottes haben, welches ihnen das Heil bringt. Deshalb müssen sie
auf dieses Wort achthaben, damit sie nicht am Ziel vorbeitreiben: "Darum
sollen wir desto mehr achthaben auf das Wort, das wir hören, damit wir
nicht am Ziel vorbeitreiben." Wie ist es, dass wir das Wort Gottes
haben? Zuerst wurde es vom Herrn Jesu selbst gesprochen. Dann wurde es
durch die, "die es gehört haben," bestätigt. Diese sind die
Apostel. In Bezug auf diese Apostel erklärt Vers 4: "Und Gott hat
dazu Zeugnis gegeben mit Zeichen, Wundern und mancherlei mächtigen
Taten und mit Austeilung des Heiligen Geistes nach seinem Willen."
Es bezieht sich hier auf Wunder, die in II Korinther 12:12 als "Zeichen,
Wunder und Taten" beschrieben werden (Der Begriff "mächtigen
Taten" [Heb. 2:4] ist derselbe, welcher in II Korinther 12:12 mit
"Taten" übersetzt ist). Bemerkenswerterweise spricht dieser
Abschnitt von den Gaben des Heiligen Geistes. Das Wort "Gaben"
wird hier besser mit "Austeilungen" übersetzt. Die
Austeilungen des Heiligen Geistes sind die ausserordentlichen Gaben des
Geistes, die sich in den Zeiten der Apostel in der Kirche befanden.
Unter diesen waren die Gabe von "mancherlei Zungenrede" und
die Gabe "die Zungen auszulegen," wie I Korinther 12:10 zeigt.
Die Wunder und die ausserordentlichen Gaben des Geistes waren das
Zeugnis Gottes derjenigen, die Christus gehört hatten: das heisst, der
Apostel. Der Zweck von diesem Zeugnis war, dass die Apostel uns dieses
Wort bestätigen, d.h., der Zweck war, die apostolische Doktrin als das
wahre Wort Gottes zu bestätigen. Die Wunder und die ausserordentlichen
Gaben des Geistes sind nicht für alle Zeit sondern diese waren für die
apostolische Zeit; sie wurden durch Gottes Willen mit dem Amt des
Apostels verbunden, damit sie das von den Aposteln gebrachte Wort
bestätigen würden.
Dasselbe ist in Markus 16:20 gelehrt: "Und sie
(die Apostel, diejenigen, welche der auferstandene Christus beauftragte,
in alle Welt zu gehen, um das Evangelium zu verkünden – D.E.) gingen
aus und predigten an allen Orten. Und der Herr wirkte mit ihnen und
bekräftigte das Wort durch die mitfolgenden Zeichen." Die Zeichen
oder Wunder waren die mächtige Bestätigung des Herrns des von den
Aposteln gepredigten Wortes. Auf die gleiche Weise bestätigte der Herr
das Wort, das von seinem Apostel Paulus und von seinem Mitarbeiter
Barnabas gebracht wurde: "Dennoch blieben sie daselbst eine lange
Zeit und lehrten frei öffentlich im Herrn, welcher bezeugte das Wort
seiner Gnade und liess Zeichen und Wunder geschehen durch ihre Hände"
(Apg. 14:3).
Das apostolische Amt war nun kein dauerhaftiges Amt
in der Kirche sondern ein vorübergehendes Amt. Die
Qualifikationen dieses Amtes zeigen dies. Es wurde von einem Apostel
verlangt, dass er den auferstandenen Jesus gesehen hatte, damit er eine
Auferstehung predigen konnte, von welcher er selbst Augenzeuge war
(I Kor. 9:1). Er muss direkt von dem auferstandenen Herrn berufen
und beauftragt worden sein (Joh. 20:21; Apg. 26:15-18). Dies schloss ein,
dass er das Evangelium von Jesus selbst muss empfangen haben (Gal.
1:11-12).
Die spezifische Aufgabe des Apostels zeigt die
vorübergehende Natur des Amtes. Diese Aufgabe war, den Grund der Kirche
zu legen. Man legt nicht wiederholt den Grund eines Gebäudes. Eine Zeit
kommt, wann der Grund gelegt ist. Dann werden diejenigen wegenommen,
deren Aufgabe es war, den Grund zu legen, und andere, Pfarrer und Lehrer,
deren Berfung ist, auf den Grund zu bauen, werden der Kirche gegeben.
Aber wenn das Amt des Apostels verschwunden ist, so
muss das Wunderliche ("eines Apostels Zeichen!") verschwinden,
denn das Wunderliche war ein Teil jenes Amtes und diente ihm.
Ebenso müssen diejenigen, die auf Wunder heute
bestehen, auch Apostel vorbringen. Lassen die Pfingstchristen ihre
Apostel vorführen! Es ist bemerkenswert, dass die Irvingbewegung, ein
Vorläufer der Pfingstbewegung in den 1800 Jahren in England, die nach
ihrem Führer Edward Irving genannt wurde, tatsächlich zwölf Apostel
einstellte. Indem sie dies tat, war die Bewegung konsequent. Es ist auch
bemerkenswert, dass, obwohl sie zögert, diese Apostel zu nennen, die
Pfingstbewegung ihren Führern Kräfte zuschreibt, die nur die Apostel
besitzen: eine persönliche absolute Autorität über der Kirche oder
über der Gemeinde (II Kor. 11:28); neue Offenbarung von Gott bezüglich
seines Willens für die Kirche; ausserbiblische Lehren, die für die
Heiligen bindend sind.
Die Kirchengeschichte bezeugt die Wahrheit der
biblischen Lehre, dass die Wunder und die ausserordentlichen Gaben
vorübergehend waren. Die Wunder hörten circa 100 n. Chr. ungefähr
gleichzeitig mit dem Tode des letzten Apostels in der Kirche auf.
Während einiger Zeit nachher behaupteten nur die ketzterischen und
schismatischen Sekte, die Wunder vollbringen zu können. z.B., die
Montanisten (eine Sekte im zweiten Jahrenhundert, die nach ihrem Führer
Montanus genannt wurde). Mit der Zeit wurde es behauptet, dass in der
katholischen Kirche Wunder vollbracht werden können und diese wurden
betont; aber bezeichnenderweise geschah diese gleichzeitig mit dem
Abfall der Kirche von der Wahrheit des Evangeliums. Die Römisch
Katholische Kirche hat selbstverständlich immer behauptet, die Kraft zu
besitzen, Wunder vollzubringen und sie hat immer ihr Volk mit diesen
Wundern bezaubert.
Die gereinigte Kirche der Reformation hat alle Wunder
ausdrücklich verleugnet. Die Reformation wurde mit Wundern an zwei
Fronten konfrontiert: Rom und die Anabaptistgruppen mit ihrer mystischen
"Religion des Geistes." Sowohl Rom als auch die Mystiker
appellierten an ihre Wunder als Beweis, dass sie die echte Religion
waren und sie verspotteten die Reformation wegen ihres Wundermangel.
Indem er intuitiv den Kern der Streitfrage traf – und dieser ist auch
der Kern in Bezug auf die Pfingstbewegung heute – rief Luther das Volk
dazu, bloss dem Wort Gottes zu glauben, danach zu leben und daran
festzuhalten, auch wenn die Ketzer einen echten Schneesturm von Wundern
hervorbringen würden, um das Volk von der Wahrheit wegzulocken.
Johannes Calvin erklärte detaillierter die Reformierte Position:
Indem sie von uns Wundern verlangen, verhalten
sie sich unehrlich, denn wir haben kein neues Evangelium erfunden
sondern wir haben dasselbe Evangelium gehalten, das durch alle die
von Christi und von den Aposteln vollbrachten Wunder bestätigt
worden ist. Aber sie haben eine Seltsamkeit, die wir nicht haben –
sie können ihren Glauben durch ständigen Wunder bis zum heutigen
Tag bestätigen! Doch eher behaupten sie Wunder, die
vielleicht das Zaudern in Geistern verursachen würden, die
ansonsten gut geneigt sind; diese sind so frivol und lächerlich, so
eitel und falsch. Aber auch wenn diese sogar äusserst wunderbar
wären, könnten sie keine Wirkung gegen die Wahrheit Gottes haben,
dessen Name immer und überall ob durch Wunder oder durch den
natürlichen Lauf der Ereignisse geheiligt werden muss. Die
Täuschung wäre vielleicht fadenscheiniger, wenn die Schrift uns
den legitimen Zweck der Wunder nicht erklären würde. Markus
erzählt uns (Mark. 16:20), dass die Zeichen, die dem Predigen des
Apostel folgten, vollbracht wurden, um es zu bestätigen; auch
erzählt Lukas, dass der Herr "das Wort seiner Gnade bezeugte
und liess Zeichen und Wunder geschehen" durch die Hände der
Apostel (Apg. 14:3) … und wir sollen uns merken, dass Satan auch
seine Wunder hat, durch die, obwohl diese Tricks anstatt echter
Wunder sind, er beabsichtigt, die Unwissenden und Unvorsichtigen zu
verführen (Die Instituten, der einleitende Brief an
den König Frankreichs).
Die Wunder der Pfingstbewegung wie die Wunder Roms
sind betrügerisch. Sie gehören der einzigen Wunder, welche die Schrift
für die letzten Tagen voraussagt: die Zeichen und Wunder der falschen
Propheten und der falschen Christus, die, wenn es möglich wäre, auch
die Auserwählten irreführen würden (Matt. 24:24); die Kraft und die
Zeichen und lügenhafte Wunder des Frevlers, die diejenigen täuschen
wird, die keine Liebe der Wahrheit erhalten (II Thess. 2:9-12).
Achtung! Lassen Sie sich nicht von den modernen
Wundertätern irreführen!
Die Reformierte Kirche benötigt keine Wunder. Ihr
Glaube ist in der Doktrin der Apostel, die diese von Jesu erhalten haben.
Diese Doktrin ist durch viele Wunder bestätigt worden. Sie braucht
keine weitere Bestätigung. Das einzige Evangelium, das neue Wunder
benötigt, ist ein neues Evangelium. Aber dies deutet nicht an, dass der
Refomierte Glaube eine Religion ohne Wunder ist. Die Pfingstbewegung
möchte diesen Eindruck hinterlassen: sie sei ein Evangelium mit Wundern
– ein volles Evangelium; während der Reformierte Glaube ein
Evangelium sei, dem es Wunder fehle und deshalb er sei weniger als ein
volles Evangelium.
Erstens sieht der Reformierte Glaube die allmächtige
Kraft Gottes in der ganzen Schöpfung und in jedem Aspekt irdischen
Lebens. Der tägliche Sonnenaufgang, die jährliche Belebung der Natur
zum Frühling, das Blühen einer Rose, das Empfängnis von einem Baby,
der Aufruhr eines Erdbebens, das Steigen und das Fallen von Nationen,
die Gesundheit und das Leben und ein Stück Brot auf meinem Tisch -
diese sind alle die allmächtige allgegenwärtige unverständliche Kraft
Gottes. Der Christus unseres Glaubens ist der Souveräne Herr, der
gegenwärtig alle Dinge mit seinem kräftigen Wort auf die
merkwürdigste Weise trägt und herrscht (Heb. 1:3).
Zweitens beanspruchen wir, die Reformiertes Volk sind,
jedes in den Seiten der Schrift aufgeführtes Wunder als unser eigenes.
Die Ansicht, dass man keine Wunder hat, es sei denn diese werden von
sich selbst oder vor seinen eigenen Augen vollbracht, ist törricht. Das
Wunder der Schöpfung der Welt, das Wunder der Sintflut, das Wunder des
das Opfer Elias verzehrenden Feuers, das Wunder der Menschwerdung
Christi, das Wunder Tabeas Auferweckung aus den Toten von Petrus, und
alle andere sind genauso wahrlich meine Wunder, als ob ich die
selbst erlebt hätte, nicht nur weil sie Erlösungen der Kirche sind,
von welcher ich Mitglied bin, sondern auch weil sie mich
erstaunen, weil sie verursachen, dass ich Gott tief liebe und
weil sie meinen Glauben an seinem Wort verstärken, genauso als
ob ich die Wunder mit meinen eigenen Augen beobachtet hätte.
Reformierte Gläubige haben einen grossen Reichtum an Wundern in der
Bibel; irgendeines zusätzliches Wunder vor dem Kommen des Herrn Jesu
wäre überflüssig.
Drittens schafft das von der Reformierten Kirche
verkündete Wort viele grosse Wunder. Es erweckt die geistlich Toten; es
öffnet die Augen der geistlich Blinden; es verursacht, dass die
geistlich Lahmen wie ein Hirsch springen; es reisst die Festungen Satans
im menschlichen Herzen und Leben ab (Jes. 35; II Kor. 10:3-6). Durch die
Kraft des Heiligen Geistes bewirkt die Wahrheit das Wunder des Heils:
den Glauben, die Busse, die Vergebung und die Heiligung. Diese sind
erstaunliche Wunder, viel grösser, wenn wir geneigt wurden,
Vergleichungen zu machen, als die Wunder körperlicher Heilung, um
nichts über die eitelen unsinnigen "Wunder" zu sagen, die von
der Pfingstbewegung geprahlt werden. Die geistlichen Wunder des
Evangeliums sind tatsächlich die Wirklichkeit, von welcher die
körperliche Heilung von Jesu und seinen Aposteln ein Zeichen war.
Nein. Die Reformierte Kirche ist keine Kirche ohne
Wunder.
Aber unser Hauptzweck ist gewesen, eine Antwort auf
die Argumente der Pfingstbewegung aus der Schrift für ihre Doktrin der
Taufe mit dem Heiligen Geist und für ihre Praxis der Wunder
insbesonders die Zungen zu geben. Dies ist getan worden. Während wir
auf ihre Appelle an die Schrift geantwortet haben, haben wir aus der
Schrift gezeigt, dass die Pfingstbewegung ketzerisch in ihrer
Heilsdoktrin (Taufe mit dem Heiligen Geist) und betrügerisch in ihren
Wundern ist.
Der Reformierte Glaube urteilt, dass die
Pfingstbewegung eine verschiedene Religion als die Religion Luthers,
Calvins und der Reformierten Glaubensbekenntnisse ist – ein
grundsätzlicher Abfall vom Glauben, der ein für allemal den Heiligen
übergeben ist.
Kapitel 2: Die Reformierte Prüfung vom Geist der
Pfingstbewegung
Die Pfingstbewegung ersetzt das Wort Gottes in der
Kirche und im Leben des Kirchenmitgliedes durch Erlebnisse d.h., durch
menschliches Gefühl. Dieser ist einer ihrer Grundfehler. Im
wesentlichen ist die Bewegung ein Angriff auf das Wort, ob sie das Wort
völlig ersetzt oder das Wort in den Hintergrund schiebt oder das
Erlebnis neben das Wort setzt. Die Bewegung setzt die Doktrin ab und
spricht abschätzig von der Orthodoxie. Albert B. Simpson, berühmter
Pfingstprediger drückte die Einstellung der Pfingstbewegung gegenüber
gesunder Doktrin aus, als er seine Taufe mit dem Heiligen Geist,
"die Beerdigung meiner Dogmatik" nannte. Wo auch immer sie
erscheint, beseitigt die Pfingstbewegung die Glaubensbekenntnisse. Eine
der "Gaben," welche sie wiederhergestellt hat, ist die
Sonderoffenbarungen, die direkt von Gott zu bestimmten "Propheten"
gegeben werden. Diese ist die Verleugnung der einzigen Autorität und
die volle Hinlängigkeit der Heiligen Schrift – diese ist der
Todesstoss zu sola scriptura (die Schrift allein). Es kreist
nicht mehr darum, das Wort zu hören und zu glauben, sondern die Taufe
mit dem Heiligen Geist zu erleben.
Diese Ersetzung des Wortes durch das Erlebnis setzt
die Pfingstbewegung mit einer Wiederbelebung der uralten Ketzterei vom
Mystizismus gleich: das Heil durch unmittelbaren Kontakt mit Gott. Die
Lieblingswörter der Pfingstbewegung sind "Erlebnis" "Gefühl"
"Kraft" "Ekstase" und dergleichen. Diese ist die
Taufe mit dem Heiligen Geist, das Erlebnis in der Pfingstversammlung;
dieser ist die Anziehungskraft für religiöse Leute; aus diesem Grund
haben Frauen eine führende Rolle in der Bewegung.
Dass die Pfingsbewegung einen Mystizismus ist, sogar
einen Mystizismus, der amok läuft, lässt sich leicht aus Quellen der
Pfingstbewegung bewiesen. Eine Pfingstzeitschrift Die Stimme der
Geschäftsmänner des vollen Evangeliums in der Aufgabe von June
1960 beschreibt die Taufe mit dem Heiligen Geist eines Pfarrers, der,
weil er durch seinen "Mangel an Kraft" beunruhigt war, nach
der Taufe mit dem Feuer suchte:
Es kam direkt in meine Hände ein seltsames
Gefühl und es verbreitete sich weiter in die Mitte meiner Armen und
fing an, wie ein Spannungsschuss zu schiessen! Es war wie Tausende–
wie Zehntausende – Volte, dann wie eine Million Volte
Elektrizität. Es fing an meine Hände zu schütteln und an meine
Hände zu ziehen. Ich konnte etwas wie ein sausendes Geraüsch eines
Stroms hören. Es zog an meine Hände höher und nahm sie, als ob
Gott sie in seine Hände nehmen würde. Dann kam eine Stimme in
meine Seele, die sagte: "Erlege mal diese Hände auf die
Kranken auf und ich werde sie heilen!" … Aber ich hatte noch
nicht die Taufe … In einem klimatisierten Zimmer mit meinen Hände
hoch … und indem mein Herz nach meinem Gott hinaufstreckte, kam
die heisse flüssige Lava seiner Liebe. Sie goss in mich wie ein
Strom aus dem Himmel ein und ich wurde ausser mich selbst
hochgehoben. Während circa zwei Stunden sprach ich in einer Stimme,
die ich nicht kannte. Mein Körper schwitze, als ob ich in einer
Sauna war: die Taufe mit dem Feuer! (zitiert in Frederick Dale
Bruner, A Theology of the Holy Spirit, p. 127).
Sicherlich hätte dieses Jakob Boehme verlegen
gemacht, obwohl er ja Mystiker war.
Johann Sherill, noch ein bekannter Pfingstchrist,
schreibt, dass er Jesus wie ein helles weisses Licht in einem
Krankenhauszimmer gesehen hätte (siehe, sein Buch, Sie sprechen mit
anderen Zungen). Donald Gee, noch ein führender Pfingstchrist,
beschreibt die Pfingsttaufe auf diese Weise: "Wir werden in Gott
aufgenommen und die Seele hat eine verzehrende Sehnsucht danach, immer
mehr völlig und ganz und gar in ihm verloren zu sein" – die
typische Mystikersprache (siehe, A New Discovery, p. 23).
Ein zweiter Grundfehler der Pfingstbewegung ist, dass
sie dem Heiligen Geist die Position in der Mitte der Bühne gibt,
während Jesus in den Kulissen warten muss, wenn er nicht sogar ganz
hinter der Bühne stehen muss. Die Bewegung ist dazu gezwungen, dieses
abzustreiten, genauso wie Rom dazu gezwungen ist, abzustreiten, dass der
Kult von Maria tatsächlich Jesus ersetzt, aber die Tatsache bliebt so.
Die Wahrheit dieser Anklage ist offensichtlich an der Oberfläche, wenn
man den Namen der Bewegung in Betracht zieht. In der Pfingstbewegung ist
auf den Geist die Aufmerksamkeit gerichtet. Das Werk des Geistes
nicht des Sohnes wird gefeiert und gepriesen. Bloss durch ihren Namen
verrät sich die Bewegung – die Pfingstbewegung – ein Name, der sich
auf den Geist bezieht. Jedoch gibt die Schrift dem Volk Gottes den Namen
"Christ" – einen Namen, der sich auf den Sohn Jesus bezieht.
Diese Herabsetzung Jesu zugunsten des Geistes ist
tief in grundsätzlicher Pfingstdoktrin gewurzelt. Die Pfingstbewegung
lehrt, dass das Kind Gottes über und jenseits Christi auf das höhere
Niveau des Geistes gehen muss; es muss Fortschritte machen, so dass es
nicht nur "lediglich" Christus durch den Glauben empfängt
sondern es muss den Geist durch die Taufe mit dem Heiligen Geist
empfangen.
Die Pfingstbewegung beleidigt Christus. Welcher Geist
wie auch immer Christus ersetzt, Christus herabsetzt, an Christus
vorbeigeht oder jenseits Christi geht ist nicht der Geist Christi
sondern einer der Geister des Widerchrists; denn der Geist Christi
offenbart Christus, schenkt Christus, lenkt die Aufmerksamkeit auf das
Werk Christi und verherrlicht Christus. "Wenn aber der Tröster
kommen wird, welchen ich euch senden werden vom Vater, der Geist der
Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird zeugen von mir" (Joh.
15:26). "Derselbe wird mich verherrlichen; denn von den Meinen wird
er’s nehmen und euch verkündigen" (Joh. 16:14).
Ein dritter verwandter Fehler der Pfingstbewegung ist
die Herabsetzung des Glaubens. In krassem Widerspruch zum Zeugnis der
Bibel, dass in Jesu Christi nichts ausser "dem Glauben, der durch
die Liebe tätig ist" (Gal. 5:6) gilt, besteht die Pfingstbewegung
darauf, dass der Glaube nicht genügt; der Glaube genügt überhautpt
nicht. Etwas Zusätzliches wird benötigt, was tatsächlich sehr viel
gilt, nämlich die Taufe mit dem Heiligen Geist. Indem sie das gnädige
Lob der Schrift für den Gläubigen als denjenigen nicht beachtet, der
nicht zuschanden wird, und der dem auserwählten Geschlecht, dem
königlichen Priestertum und dem heiligen Volk und dem Volk Gottes
Eigentums gehört (I Petrus 2:6-9), beleidigt die Pfingstbewegung
diejenigen, die "lediglich" glauben und preist eher die mit
dem Heiligen Geist Getauften. Mit der Herabsetzung des Glaubens kommt
eine Betonung auf allerlei menschliche Werke. Die Pfingstbewegung
schätzt bestimmte Werke hoch ein, die angeblich Bedingungen für den
Empfang der Taufe mit dem Heiligen Geist seien: intensiv beten, sich das
Herzen von allen Sünden reinigen, sich völlig dem Gott ergeben und
ähnliches. Am höchsten geschätzt ist natürlich das menschliche Werk
des Zungenredens. An den Sohn Gottes zu glauben muss sich angesichts
diesem zurückhalten!
Es ist deshalb nicht überraschend, dass die
Pfingstbewegung den einen grundsätzlichen Heilssegen für das Kind
Gottes, den Segen, der durch den Glauben empfangen wird, praktisch
unbeachtet lässt: die Vergebung der Sünden. Als Ersatz der Erklärung
des Evangeliums, "Selig sind die, welchen ihre Ungerechtigkeiten
vergeben sind" (Rom. 4:7ff.; Ps. 32:1), äussert sich die
Pfingstbewegung so: "Selig sind die, welchen die Ekstase und die
Kraft der Taufe mit dem Heiligen Geist geniessen."
Was auch immer den Glauben herabsetzt, was auch immer
dem Glauben hinzufügt, was auch immer jenseits des Glaubens geht,
stammt aus dem Teufel und ist ein anderes Evangelium und wer auch immer
zu dieser Ketzerei abfällt, ist aus der Gnade gefallen. Die ersten
Versen von Galater 5 gibt die deutliche scharfe Warnung, dass es nichts
zusätzlich zum Glauben und viel weniger etwas jenseits des Glaubens
geben darf. Etwas dem Glauben hinzufügen für den Empfang des Heils ist
Christus völlig zu verwirken. In diesem Fall "so wird euch
Christus nichts nützen" (v. 2); "ihr seid aus der Gnade
gefallen" (v. 4).
Sola Fide! Der Glaube allein! Das ganze Heil ist
durch den Glauben allein! "Denn aus Gnade seid ihr gerettet worden
durch den Glauben … nicht aus den Werken, auf das sich nicht jemand
rühme" (Eph. 2:8-9). Unser Heil beginnt, setzt fort und wird
vervollkommnet durch den Gnaden allein.
Die Pfingstbewegung ist überheblich. In ihrer
Einstellung gegenüber der Kirche der Vergangenheit verhält sie sich
arrogant. Bis circa 1900 gab es nichts wie die Taufe mit dem Heiligen
Geist in der Kirche. Athanasius und Augustin hatten sie nicht. Luther
und Calvin hatten sie nicht. Die Reformierten Heiligen in den
Niederländen, die im 16. Jahrhundert in Tausenden unter der Römisch
Katholischen Verfolgung starben, hatten sie nicht. Im Gegenteil wiesen
sie sie ausdrücklich zurück. Augustin drückte die Ansicht der Kirche
der Vergangenheit aus:
In den frühesten Zeiten fiel der Heilige Geist
auf diejenigen, die geglaubt hatten und sie sprachen in anderen
Zungen, "wie der Geist ihnen gab auszusprechen." Diese
waren Zeichen, die der Zeit angepasst waren. Denn es geziemte sich,
dass auf den Heiligen Geist in allen Zungen hingedeutet wurde, um zu
zeigen, dass das Evangelium Gottes in allen Zungen überall durch
die ganze Erde laufen soll. Dieses Ding wurde getan, um darauf
hinzudeuten, und es ging zu Ende ("Ten Homilieson the First
Epistle of John," The Nicene and Post-Nicene Fathers,
vol. 7).
Was sagt die Pfingstbewegung dazu? "Bisher ist
die Kirche eine sehr armselige und leblose Kirche gewesen. Das volle
Evangelium, das volle Heil und das volle christliche Leben beginnen mit
uns."
Wenn die ganze Pfingstbewegung und die ganze
Neopfingstbewegung aufgehäuft wird, ist der ganze Haufen nicht wert,
die Schuhriemen eines Luthers oder eines Calvins, weder noch eines
Reformierten Heiligen, der das biblische Evangelium glaubt, in Christi
für seine Gerechtigkeit vertraut, den Herrn fürchtet, die Gebote hält,
seine Familie in der Wahrheit grosszieht und Gott im Geist und in der
Wahrheit anbetet, aufzulösen.
Die Pfingstbewegung verhält sich auch überheblich
gegenüber dem "blossen" Gläubigen. Der Pfingstchrist ist die
Elite in der Kirche, der Super-Heilige; alle anderen sind "lediglich"
bekehrte Christen. Es geht bei dieser Arroganz nicht so um die
persönliche Sünde des Pfingstchristen. Eher bezieht sie sich auf die
Pfingstdoktrin. Die Pfingstbewegung lehrt zwei Taufen in der Kirche: die
minderwertige Taufe des Abwaschens der Sünden (deren Zeichen die
Anwendung von Wasser ist) und die bessere Taufe mit dem Heiligen Geist (deren
erstes Zeichen das Zungenreden ist). alle Christen empfangen die erste;
aber nur einige– die Super-Heiligen - empfangen die letzte. In ihrer
Grunddoktrin ist die Pfingstbewegung nun schismatisch. Sie bemüht sich
nicht, die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens zu halten, wie
der Apostel Christi in Epheser 4:3 ermahnt, sondern sie zerreisst sie.
Die Einigkeit in der Gemeinde ist gemäss Epheser 4:5 in der "einen
Taufe" gewurzelt. Zwei Taufen aufzustellen, neigt genauso zum
Zerstören, wie zwei Glauben, zwei Herre oder zwei Götter aufzustellen.
Der geistliche Stolz in jeder Form schafft Uneinigkeit: die Demut
ernährt die Einigkeit. Die Kirchenältesten lassen sich nur irreführen,
wenn sie die Pfingstbewegung binnen der Gemeinde dulden aber warnen,
dass sie "den Frieden bewahren" muss.
Dieser Hochmut erklärt sich dadurch, dass die
Pfingstbewegung eine menschliche Religion ist. Sie kreist um menschliche
Gefühle und den Besitz der Kraft von Menschen. Sie weist dem Menschen
die entscheidende Pflicht zu, die Werke auszuüben, welche die
Bedingungen der Vervollkommnung des Heils in der Taufe mit dem Heiligen
Geist sind. Sie erlaubt es dem Menschen, ausserbiblische Offenbarungen
von Gott zu bekommen und die Gemeinde durch diese zu verpflichten. Sie
ermächtigt einen Menschen, eine souveräne Autorität über einer
Gemeinde oder einer Glaubensgemeinschaft auszuüben und das Leben des
Volk nach seinem Belieben zu regeln. Der von der Pfingstbwegung verehrte
Geist ist nicht der Geist, der Christus verherrlicht (Joh. 16:14), der
die Erlösung Christi anwendet (Heidelbergischer Katechismus, Q.
53 … "Er (der Heilige Geist) wird auch mir gegeben… um mich
Christi und aller seiner Wohltaten teilhaftig zu machen …"), der
uns in alle Wahrheit leitet (Joh. 16:13), und der sich dem ganzen Volk
Gottes durch den Glauben gibt (Gal. 3:14). Dieser ist der Geist, der
Gott lobpreist. Aber der Geist der Pfingstbewegung lenkt die
Aufmerksamkeit auf sich selbst, gewährte seine eignenen Heilswohltaten,
spricht von sich selbst und wirkt ohne die Predigt vom Glauben (Gal.
3:2). Dieser ist ein Geist, der dem Menschen gerecht wird.
Die Pfingstbewegung dreht sich nicht um Gott. Aus
diesem Grund kann sie Gottes Wort (die Schrift) angreifen, kann sie
Gottes Heiland (Christus) herabsetzen, kann sie Gottes Heilsweg (den
Glauben) schmälern und sie kann den grundsätzlichen Heilssegen (die
Rechtfertigung) unbeachtet lassen. Zugrundeliegend dass sie ein
Evangelium nach dem Menschen ist (Gal. 1:11), ist ein Fehler, der,
obwohl er sogar in Kritiken der Pfingstbewegung übersehen wird, die
Pfingstbewegung kennzeichnet, egal wo sie gefunden wird. Dieser ist der
Fehler von dem freien Willen, d.h., die Doktrin, dass das Heil vom
Willen des Sünders anstatt des souveränen gnädigen Willens Gottes
abhängt (Rom. 9:16). Die Wurzel der Pfingstbewegung befinden sich nicht
in Calvin, Dordt und Westminster, sondern in Arminius, Wesley, Finney
und in der Erweckungsbewegung.
Dieses hilft uns, die Beliebtheit und den
Oekumenismus der Pfingstbewegung zu verstehen. Die Pfingstbewegung ist
ökumenisch. Sie wirkt in allen Kirchen, indem sie Unterschiede in
Doktrin und Glaubensbekenntnissen völlig ausser acht lässt. Sie bringt
Protestanten und Römisch Katholiken zusammen. Alle werden durch die
Pfingstbewegung einig gemacht - diejenige, die durch die Messe den
Götzendienst praktizieren, mit denjenigen, deren Glaubensbekenntnis ist,
dass diese Praxis verflucht ist; diejenigen, die sich auf ihre eignenen
Verdienste für ihre Gerechtigkeit verlassen, als auch diejenigen, deren
Glaubensbekenntnis ist, dass wir Vertrauen nur zu der fremden
Gerechtigkeit Christi haben sollten; diejenigen, die prahlen, dass sie
durch ihr eigenen freien Willen selig werden, als auch diejenigen, deren
Glaubensbekentnis ist, dass das "Evangelium durch freien Willen"
den Fehler von Pelagius wieder aus der Hölle bringt. Nicht nur, dass
sie sich nicht wegen ihres gegenüber der Doktrin gleichgültigen
Geistes schämen, weder noch einen solchen die Wahrheit verschmähenden
"Geist" mit Argwohn betrachten, verkündigen doch die Führer
der Pfingstbewegung ihre Religion als ein Vereinigungsmittel der Kirchen.
Die ökumenische Natur der Pfingstbewegung war bei
der "Konferenz der Pfingsterneuerung in den Christlichen Gemeinden
im Jahr 1977" offensichtlich, die in der Stadt von Kansas
stattgefunden ist. Die Konferenz wurde zusammen mit Baptisten,
Pfingstgemeinden, Episkopalern, Lutheranern, Mennoniten, messianischen
Juden, Presbyterianern, Römisch Katholiken und Vereinigten Methodisten
unterstützt. Mitglieder von vielen anderen Glaubensgemeinschaften
nahmen daran teil.
Ein der Hauptreder, der Episkopaler Dennis Bennett
sagte, dass er "drei Ströme des Christentums sieht, die jetzt
anfangen, zusammenzufliessen: den (Römisch) Katholischen Strom, der die
Geschichte und die Glaubenskontinuität betont; den Evangelischen Strom,
der die Treue zur Heiligen Schrift und die Wichtigkeit eines
persönlichen Engagements zu Christi betont; und den Strom der
Pfingstbewegung, der ein unmittlebares Erlebnis Gottes durch die Kraft
des Heiligen Geistes betont."
Der Hauptreder, Römisch Katholiker, Kevin Ranaghan
behauptete dass, "die Uneinigkeiten zwischen den verschiedenen
christlichen Gemeinden einen ernsten Skandal in der Welt gewesen sind."
"Um die Welt zum Glauben zu bringen, hängt davon ab, dass wir
einig werden," sagte er. "Es ist der Wille Gottes,"
betonte er, "dass wir einig werden." Er drückte seinen
Glauben aus, dass es "eine echte Möglichkeit besteht, dass wir
zusammen zu einer dauerhaften Form der christlichen Einigkeit bewegen
können" (siehe, Christianity Today, 12. August, 1977, pp.
36-37).
Aufgrund ihrer Grundfehler in Bezug auf das Wort, auf
Christus und auf den Glauben; wegen ihrem Stolz; wegen ihrem falschen
Oekumenismus (einem Oekumenismus ausserhalb der Wahrheit); wegen ihrer
Lehre der Taufe mit dem Heiligen Geist; und aufgrund ihrer
betrügerischen Wunder, muss die Pfingstbewegung zurückgewiesen werden.
Sie muss durch die christliche Disziplin zurückgewiesen werden. Hier
sind einige schwach. Sie erkennen die Irrtümer der Pfingstbewegung. Sie
betrachten sie als etwas ganz and gar verschiedenes wie den Glauben der
Reformation. Sie sprechen sich sogar gegen die Bewegung aus. Aber sie
sprechen gleichzeitig von ihren "Pfingstgeschwistern" und sie
dulden die Pfingstbewegung in ihren Gemeinden.
Der Pfingstchrist muss unter Disziplin kommen. Er
muss unter Disziplin zum eigenen Wohl kommen, damit Gott ihm Busse gebe,
die Wahrheit zu erkennen. Er muss unter Disziplin der Gemeinde willen
kommen, damit die anderen Mitglieder zu fürchten lernen, und damit sich
der Sauerteig der Pfingstbewegung nicht durch die Gemeinde verbreitet.
Denn der Pfingstchrist bleibt in der Gemeinde, um Anhänger für seine
Religion zu gewinnen. "Sie sollen sich doch lieber gleich
verschneiden lassen, die euch in Unruhe bringen!" (Gal. 5:12).
"Einen ketzerischen Menschen meide, wenn er einmal und abermals
ermahnt ist. Und wisse, dass ein solcher ganz verkehrt ist, sündigt und
spricht sich selbst damit das Urteil" (Titus 3:10-11).
Kapitel 3: Die Reformierte Ansicht zum christlichen
Leben
Trotz ihrer schwerwiegenden Irrtümer hat die
Pfingstbewegung doch nicht etwas, was sie den Gemeinden der Reformation
beitragen könnte, etwas, wofür sie tatsächlich ein sehr grosses
Bedürfnis haben? Sollten die Reformierten Gläubiger doch nicht etwas
aus der Pfingstbewegung lernen, etwas, wovon sie sonst unwissend sind?
Fehlt es doch nicht etwas an den Reformierten Gemeinden und deren
Gemeinden, was Gott selbst jetzt durch die Pfingstbewegung bringt?
Nachdem Gott seiner Kirche den Frühregen in gewissem Masse gegeben hat,
erfüllt nicht Gott die Prophezeiung Joels von dem "Spätregen"
(Joel 2:23)?
Diese Idee wird weit verbreitet in den Reformierten
Kreisen akzeptiert. Was die Pfingstbewegung zu der Kirche und deren
Mitglied beitragen soll, ist ein dynamisches christliches Leben. Eine
Reformierte Gemeinde und der Reformierte Heilige haben gesunde Doktrin,
sagt man; aber es fehle ihnen im Bereich vom christlichen Leben. Der
Gemeinde wird die Pfingstbewegung eine echte Einigkeit der Mitglieder
beitragen; eine Liebe, die für die anderen Mitglieder sorgt und mit
ihnen teilt; einen energischen Gebrauch der Gaben von jedem Mitglied und
einen spontanen lebhaften überschwenglichen Gottesdienst. Dem
individuellen Mitglied wird sie geistliche Erlebnisse, Friede, Eifer und
Kraft bringen. Das Reformierte Christentum hat das Wort (Doktrin); die
Pfingstbewgung werde den Geist hinzufügen. So wird die Pfingstbewegung
in Reformierte Gemeinde eingeführt und willkommen geheissen.
Diese Idee ist falsch. Die Reformierte Kirche hat
immer die Einigkeit vom Gottes Volk gesucht; immer die gegenseitige
Liebe der Mitglieder ermahnt und den Gebrauch der Gaben von jedem
Mitglied richtig betont. Es war nicht die Pfingstbewegung, die die
Reformierte Kirche bewegte, die Gemeinschaft der Heiligen in Frage 55
von ihrem Heidelbergischer Katechismus in diesen Worten zu
bekennen:
Erstlich, dass alle und jeder Gläubigen als
Glieder an dem Herrn Christi und allen seinen Schätzen und Gaben
Gemeinschaft haben. Zum anderen, dass ein jeder seine Gaben zum Nutz
und Heil der anderen Glieder willig und mit Freuden anzulegen sich
schuldig wissen soll.
Weder noch war die Pfingstbewegung dafür
verantwortlich, dass die Reformierte Kirche ihren Mitgliedern dazu
ermahnten, das christliche Leben zu führen, indem sie ihren Nächsten
lieben, wie sie dies in den Tagen 39-44 von demgleichen Katechismus tut.
Lass mal die Pfingstbewegung, wenn sie überhaupt kann, die Anwendung
vom Reformierten Glauben vom Fünften Gebot verbessern, wo dem
Reformierten Gläubigen ermahnt wird, dass "ich meinem Vater und
Mutter und allen, die mir vorgesetzt sind, alle Ehre, Liebe und Treue
beweisen … und auch mit ihren Gebrechen Geduld haben soll …" (Frage
104); oder die Anwendung des Sechsten Gebotes, dass "wir unseren
Nächsten lieben als uns selbst … gegen ihn Geduld, Friede, Sanftmut,
Barmherzigkeit und Freundlichkeit erzeigen (müssen) … seinen Schäden,
soviel uns möglich ist, abwenden …" (Frage 107); oder die
Anwendung des Siebten Gebotes, dass "wir keusch und züchtig leben
sollen, es sei im heiligen Ehestand oder ausserhalb desselben" (Frage
108); oder die Anwendung des Neunten Gebotes, dass ich "meines
Nächsten Nutz, wo ich kann und mag, fördere, gegen ihn also handele,
wie ich wollte, dass man mit mir handelte" (Frage 111); und die
Anwendung des Neunten Gebotes, dass "ich auch meines Nächsten Ehre
und Glimpf nach meinem Vermögen rette und fördere" (Frage 112).
Zum Vorschlag der Pfingstbewegung, dass wir zu ihren
Füssen über das christliche Erlebnis lernen müssen, sind die
Reformierten Christen dazu geneigt zu antworten, wie der Herr dem Hiob
aus dem Wettersturm antwortete: "Wer ist’s, der den Ratschluss
verdunkelt mit Worten ohne Verstand! Wo warst du, als ich die Erde
gründete?" (Hiob 38:2, 4). Indem wir an der glorreichen Tradition
der Reformierten, Presbyterianischen und Puritanschreiber und Prediger
vorbeigehen, laden wir diejenigen ein, die diesen überheblichen
Vorschlag machen, den Heidelbergischer Katechismus zu lesen.
Reformierte Christen sind seit mehr als 400 Jahren durch einen
Katechismus unterrichtet worden, der die ganze Botschaft der Heiligen
Schrift aus dem Standpunkt vom persönlichen Trost darstellt: er
definiert diesen Trost, dass man zu Christi gehört; er gründet diesen
Trost darin, dass man eine Kenntnis der Sünde, der Erlösung und der
Dankbarkeit, die auf die Erfahrung beruhen. Nachdem sie den Katechismus
völlig durchgelesen haben, dürfen sie die Dordtrechter Lehrsätze
aufheben und dort die warme seelsorgerische Behandlung der grossen
Doktrinen sehen, die gleichzeitig die charakteristischen Wahrheiten des
Reformierten Glaubens und das Herz vom Evangelium der Gnade Gottes sind.
Hier werden sie eine Darlegung der Prädestinationslehre finden, z.B.,
dass die Darlegung sehr für die Zuversicht der Auserwählung (I, 12)
sorgt; dass es um die Wirkungen von der Wahrnehmung der Auserwählung in
der täglichen Demüt, in der Anbetung, in der Selbstreinigung und in
der dankbaren Liebe der Kinder Gottes (I, 13) geht und dass die
Darlegung für die geistlichen Kämpfe und Zweifel von "glimmenden
Dochten" und "zerstossenen Röhren" (I, 16) sorgt.
Als echtes biblisches Christentum hat der Reformierte
Glaube immer den Heiligen Geist und sein Werk verehrt. Er hat seine
Gottheit bekannt; er hat das Ausgiessen des Geistes Christi zu Pfingsten
anerkannt; er hat ihm das vollständige Werk der Sammlung der Kirche und
der Errettung jedes einzelnen Auserwählten zugeschrieben, insoviel dass
er abgeleugnet hat, dass sogar das geringste Teilchen der Sammlung der
Kirche oder der Errettung des Sünders das Werk vom Menschen und sogar
erklärt hat, dass sogar das Wort machtlos ohne den Geist ist. Er hat
die Werke des Geistes hochgepriesen, z.B,. die Wiedergeburt und die
Heiligung; er hat seine Gaben gelobt, z. B., das treue Zeugnis der
Wahrheit; und er hat seine Frucht kultiviert: die Liebe, Freude, Geduld,
Freundlichkeit, Gütigkeit, Glauben, Sanftmut und Keuschheit von Galater
5:22. Für all dies hat die Reformierte Kirche der Pfingstbewegung absolut
nichts zu danken.
Der Reformierte Christ weigert sich doch, einen
sonstigen Geist neben Jesus Christus zu verehren; sich mit einem
sonstigen Heil zusätzlich der Erlösung Christi zu beschäftigen; mit
einem sonstigen Geist über die solide Atmosphäre des Wortes Christi -
der Heiligen Schrift – hochzufliegen; oder einen sonstigen Geist als
Jesus zu bekennen. Aber der Heilige Geist nimmt es uns nicht übel, dass
wir uns so weigern. Er selbst verlangt dies von uns und er wirkt es in
uns. Denn er ist gekommen, Jesus zu verherrlichen (Joh. 16:14); die
Erlösung Jesu dem Sünder zu gewähren; in und durch das Wort Jesu zu
wirken (Joh. 6:63) und Jesus Christus zu bekennen (I Joh. 4:1-3).
Die Pfingstbewegung hat nichts den Gemeinden
der Reformation beizutragen. Reformierte Gläubige können davon nichts
lernen. Der Reformierte Glaube benötigt nichts, was die
Pfingstbewegung bringen könnte. Die Pfingstbewegung muss völlig als
eine dem Christentum fremde Religion abgelehnt werden. Im Blutkreislauf
der Reformierten Gemeinde ist sie ein fremdes Element. Wenn es nicht
durch ein starkes Abführmittel beseitigt wird, wird es den Tod jenes
Körpers als einen Reformierten Körper verursachen.
Es ist beunruhigend, Pfingstliteratur in den Häusern
von Reformierten Leuten zu finden – Watchman Nee; David Wilkerson;
John Osteen; Arthur Wallis; Die Stimme der Geschäftsmänner vom
vollen Evangelium; und sonstiges. Obwohl das Material nicht
Pfingstmaterial sein mag, hat man am religiösen Lesen - und am Zuhören!
– von manchen Reformierten Gläubigen etwas auszusetzen. Die Kost, von
welcher sie sich regelmässig ernähren, um die Sehnungen ihrer Seele
nach einer Erklärung des christlichen Lebens, des Erlebnisses und der
Praktik zu befriedigen, ist das Material aus der Bestsellerliste vom
heutigen Fundamentalismus. Im besten Fall fehlt es diesem Material an
alles Reformiertes; im schlimmsten Fall untergräbt es alles, was die
Reformierten Gläubigen schätzen, indem es ihnen eine oberflächliche
falsche Ansicht vom christlichen Leben und Erlebnis einprägt. Wo zum
Beispiel in den seichten und mit bunten Einwänden verzierten Werken
über das höhere reichere völlere tiefere christliche Leben, die in
dem durchschnittlichen chrsitlichen Bücherladen gehäuft sind, findet
man etwas wie das "Aus aller Tiefe rufe ich Herr zu dir" von
Psalm 130? Viel weniger kreist das viel geprahlte höhere reichere
völlere tiefere christliche Leben um diese Traurigkeit wegen der Schuld
von Sünden. Das höhere reichere völlere tiefere christliche Leben von
ihnen hat deshalb nicht den Herzschlag der Vergebung der Sünden durch
die Erlösung am Kreuz Christi. Das christliche Leben, zu dem diese
Bücher die Leser rufen, kann nicht das Leben sein, das dadurch
kennzeichnet ist, dass der vergebene Sünder Gott den heiligen gnädigen
Richter fürchtet (Psalm 130:4). Anstatt dessen erzählen uns diese
Bücher, wie wir glücklich sein können. Weder noch beschreiben diese
Bücher das christliche Leben als Gehorsam – teurer Gehorsam - zu den
Zehn Geboten vom Gesetz Gottes. Die Pest möge über diese Bücher und
über ihr höheres reicheres völleres tieferes christliches Leben
kommen!
Es mag jedoch wohl sein, dass ein Teil der Schuld
für dieses schlechte Lesen an den Füssen von uns Predigern,
Kirchenältesten, Eltern und christlichen Schullehrern liegt. Vielleicht
empfehlen wir nicht den Heiligen die guten soliden Religionswerke –
die Predigten und die Kommentare und die anderen Schriften von Luther,
von Calvin und von den älteren Reformierten Presbyterianischen und
Puritanischen Autoren. Vielleicht schreiben wir nicht Bücher und
Artikel, welche die praktischen Erfahrungsaspekte von unserem
Reformierten Glauben – seine einzigartige und lebenswichtige
Frömmigkeit – nicht gründlich darlegen. Vielleicht lässt unsere
Predigten diese Aspekten des Evangeliums unbeachtet. Oder indem wir auf
die Erfahrungsreligion reagieren, beachten wir die Erlebnisse überhaupt
nicht; indem wir auf den Subjektivismus reagieren, wagen wir uns es
nicht, subjektiv zu sein; als eine Reaktion auf das Geschrei nach dem
die Doktrin verachtenden Praktischen, versäumen wir es, wie sich’s
ziemt, nach der gesunden Lehre zu reden (Titus 2:1). In jenem Fall gibt
es tatsächlich einen Mangel, nicht beim Reformierten Glauben sondern
bei unserem Lehren davon, und es sollte uns nicht überraschen, obwohl
es ja falsch ist, dass die Heiligen suchen, ihren Hunger woanders zu
stillen.
Die Tatsache, dass die Pfingstbewegung dem
Reformierten Gläubigen nichts beizutragen hat, impliziert nicht, dass
Gott diese Bewegung seines Volkes willen nicht nutzt. Gott hat immer
Ketzereien verwendet, um seine Kirche ans Wort zu treiben, damit ihre
Kenntnis der Wahrheit zunehmen würde und damit ihre Treue im Leben
erneuert werden würde. Gott verwendet die Pfingstbewegung, um uns zur
Heiligen Schrift zurückzutreiben, damit wir in der Schrift nach ihrer
Lehre des christlichen Lebens suchen.
Die grundsätzliche Anziehungskraft der
Pfingstbewegung ist ihre Kritik des christlichen Lebens und ihr
Versprechen auf ein höheres reicheres christliches Leben. Die
Pfingstbewegung findet zuviel Nachlässigkeit, Untreue, Weltlichkeit und
Ungehorsam. Wir sollten es wohl gestehen. Gott schickt nicht
unbegründet die Geissel der Pfingstbewegung. Viele haben die erste
Liebe verloren. Die Liebe anderer erkältet. Der Unglaube nimmt
überhand. Für viele ist der Gottesdienst ein lebloser Formalismus; die
Bekenntnis der Wahrheit ist eine tote Tradition; das christliche Leben
ist ein äusserliches Ritual; und das Friedens- und Freudenserlebnis des
Heils existiert nicht. Der Mystizismus ergibt sich immer bei einer
Verschlechterung des geistlichen Lebens der Kirche, insbesonders bei
einem Rückgang in die tote Orthodoxie und in eine lebhafte Weltlichkeit.
Unter diesen Umständen verführt die Pfingstbewegung das Volk Gottes
mit dem Reiz echten Lebens, dynamischer Kraft und wunderbaren Gefühles.
In Anbetracht der Kritik der Pfingstbewegung vom
Leben, sowohl des treuen Reformierten Gläubigen, der die Taufe der
Pfingstbewegung mit dem Heiligen Geist nicht empfangen hat, als auch des
nachlässigen untreuen Kirchenmitgliedes, und in Anbetracht ihres
Versprechens, den Christen auf ein höheres Niveau christlichen
Erlebnisses zu bringen, sind wir zu fragen gezwungen: "Was sind das
christliche Leben und Erlebnis? Was ist das normale christliche Leben?
Um auf diese Frage eine Antwort zu geben, beachten
wir nicht, was religiöse Männer und Frauen behaupten. Die Norm vom
christlichen Leben und Erlebnis ist nicht das Zeugnis des Nächsten von
seinem neuesten Ekstasengefühl sondern die Heilige Schrift. Weil bei
der Pfingstbewegung es der Schrift, dem zuverlässigen Wort Gottes nicht
erlaubt ist, der Massstab für das christliche Leben zu sein und, weil
man sich auf die völlig unzuverlässigen Wörter von Menschen verlässt,
gibt es unendlich viel Zweifel daran, ob man so ist, was man geistlich
sein sollte; oder sogar, ob man überhaupt ein wiedergeborenes Kind
Gottes ist. Das gibt der Pfingstbewegung die Chance, nach der sie sucht.
Für eine Kenntnis des christlichen Lebens ist der Regel: "Hin zur
Weisung und hin zur Offenbarung," während "die Totengeister
und Beschwörer, die da flüstern und murmeln" vermieden werden
müssen (Jes. 8:19-20).
Nach der Heiligen Schrift ist das christliche Leben
ein Leben, das seine Fülle in Jesu Christi findet, wie dieser Christus
im Wort offenbart ist. Es wird nicht über den Christus hinaus gehen; es
wird nichts ausser Christi oder zusätzlich Christi haben – nicht die
Beschneidung, keine neue Offenbarungen, keine höhere Kenntnis, nicht
irgend einen Geist. Der Grund ist, dass der Christ weiss, und hat durch
die Erfahrung gefunden, dass Christus einen kompletten Heiland ist. In
Christi wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; und der Christ
ist komplett in ihm; das heisst, er hat diese Fülle in ihm (Kol.
2:9-10). Sicherlich ist das christliche Leben ein Leben des Wachstums;
aber das Wachstum besteht daraus, in den Christus zu wachsen nicht über
ihn hinaus zu gehen: "Auf dass wir … wachsen in allen Stücken zu
dem hin, der das Haupt ist, Christus" (Eph. 4:14-15). Wie es der
Fall bei dem körperlichen Wachstum in die Volljährigkeit ist, ist
dieses geistliche Wachstum eine allmähliche oft kaum wahrnehmbare
Entwickung, keine unmittelbare plötzliche Umwandlung. Sie ist
lebenslang. Sie findet durch das Wort und das Gebet statt.
Dieser ausreichende Christus mit all seinen
adaquäten Wohltaten ist das Leben des Gläubigen durch die Einwohnung
des Heiligen Geistes in seinem Herzen. "Ich lebe," frohlockt
der Gläubige, "denn nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.
Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn
Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dargegeben
hat" (Gal. 2:20). Das inbrünstige Gebet des Apostels für alle die
Mitglieder der Kirche Gottes ist, dass "Christus durch den Glauben
in euren Herzen wohne" (Eph. 3:17). Dies findet bei jedem von uns
statt, wenn "uns Kraft gegeben wird nach dem Reichtum seiner
Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen
Menschen" (v. 16).
Das christliche Leben ist ein Leben, wo wir im Geist
Christi wandeln, den wir alle bei unserer Wiedergeburt empfangen haben.
Der Gläubige weder sucht nach einer zweiten Taufe noch wartet darauf,
sondern bemüht er sich, täglich in allen Lebensbereichen im Geist zu
wandeln. Diese ist die Lehre über das christliche Leben in Galater 5.
Es gab schwerwiegende Probleme in Bezug auf das christliche Leben in
Galatien. Die Drohung bestand, dass die Heiligen sich untereinander
fressen und beissen würden, was ein jämmlicher Liebenmangel war (vv.
13-15). Es gab andere Versuchungen des Fleisches und dessen Lüste:
Ehebruch, Götzendienst, Saufen und dergleichen (vs. 19-21). Es gab
Beweise der Geiz nach eitler Ehre und sie reizten einander und neideten
einander (v. 26). Diese waren Probleme für Leute, die getauft worden
waren (Gal. 3:27) und die den Heiligen Geist empfangen hatten (Gal.
3:2). Aber die Lösung war nicht, dass sie nach einer neuen Taufe oder
nach einer verschiedenen Austeilung des Geistes suchen sollten. Im
Gegenteil müssen sie in jenem Heiligen Geist wandeln, in dem sie leben:
"Ich sage aber: Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lüste des
Fleisches nicht vollbringen" (v. 16). "Wenn wir im Geist leben,
so lasset uns im Geist wandeln" (v. 25).
Das christliche Leben, wie es hierdurch gezeigt wird,
ist aktiv. Die Aktivität des christlichen Lebens ist zuerst ein Kampf
– ein heftiger unablässiger lebenslanger Kampf. Das Schlachtfeld ist
sich selbst. Der Feind ist die Sünde. Die Pfingstbewegung weiss nichts
von diesem Kampf; der Pfingstchrist hat den Sieg bereits in seiner Taufe
mit dem Heiligen Geist gewonnen. Nicht nur hört man wenig oder nichts
von der Vergebung der Sünden in der Pfingstbewegung sondern auch hört
man wenig oder nichts vom täglichen Kampf des Heiligen mit seiner ihn
einwohnenden Sünde. Tatsächlich ist es nicht gänzlich unbekannt, dass
der Pfingstprediger diejenigen verlacht, die immer ihre Sünden
bejammern, das heisst, diejenigen, deren lebenslanges Bekenntnis ist,
"Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses
Todes?" (Rom. 7:24). Nichts deckt die Pfingstbewegung deutlicher
als eine Religion auf, die dem Refomierten Glauben völlig fremd ist,
als dies. Ein Reformierter Pfingstchrist ist eine Unmöglichkeit, ein
Widerspruch, ein Oxymoron. Ein Pfingstchrist kann das erste Teil vom Heidelbergischen
Katechismus nicht bekennen. Am besten kann er lediglich sagen, dass
er vorher das Elend der Sünde sowohl die Schuld und die
Verdorbenheit kannte. Weil er dieses Elend nicht kennt, kann er
weder die Erlösung noch die lebendige Dankbarkeit kennen, die in einem
vergebenen Herzen täglich emporquellt.
Jedoch beschreibt die Schrift das christliche Leben
als einen Kampf gegen die uns einwohnende Sünde. Diese ist die Lehre
von Galater 5:17: "Denn das Fleisch streitet wider den Geist und
der Geist wider das Fleisch; dieselben sind widereinander, dass ihr
nicht tut, was ihr wollt."
Diese ist die mächtige Doktrin von Römer 7. Der
Christ oder die Christin ist fleischlich, unter der Sünde verkauft.
Selbst Paulus, der Mann Gottes und Apostel Christi war fleischlich,
unter der Sünde verkauft. Er fand sich so am Ende seines Lebens,
nachdem er vom Geist geheiligt wurde und nachdem seine Heiligung weit
fortgeschritten war (v. 14). Paulus war fleischlich, nicht weil er nicht
wiedergeboren war, nicht weil Christus ihn nicht mit dem Heiligen Geist
und mit Feuer getauft hatte, nicht weil die Sünde in seinem Leben
regierte, nicht weil Paulus ein nachlässiger Christ war; sondern weil,
obwohl er wiedergeboren war, das Böse mit ihm answesend war – er
hatte noch sein sündhaftes völlig verdorbenes Fleisch (v. 21). Als
neuer Mann in Christi, und wie wir es sicherlich vermuten dürfen, als
einer der heiligsten der Heiligen, hatte er Lust an Gottes Gesetz nach
dem inwendigen Menschen (v. 18), hasste er die Sünde (v. 15) und besass
einen Willen, das Gute zu tun (v. 18). Aber so stark war die Kraft der
Sünde in ihm, solange er lebte, dass "das Gute, das ich will, das
tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich"
(v. 19). Deshalb kannte der Apostel – und jeder Christ kennt –
dieses Elend. Er drückte es durch sein quallvolles Geschrei aus, "Ich
elender Mensch!" (v. 24) – das Echo im Neuen Testament von dem
"Aus der Tiefe" von Psalm 130. Aber trotzdem gibt er niemals
bei dem geistlichen Kampf auf und er ist niemals ohne den Trost des
Heilandes, Christi Jesu, seines Herrn. Vers 23 besteht auf den Kampf
("Ich sehe aber ein ander Gesetz in meinen Gliedern, das da
widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüte); und Vers 24-25 bestehen auf
den Trost Christi ("Wer wird mich erlösen …? Ich danke Gott
durch Jesus Christus, unseren Herrn!").
Nicht nur ist dieser Krieg mit der Sünde die
Aktivität des christlichen Lebens in Bezug auf sein persönliches Leben
sondern auch ist er auch die Aktivität des christlichen Lebens in der
Familie und in der Gemeinde.
Dieser ist ein schmerzhafter bitterer Kampf.
Aus diesem Grund kann der Christ durch das süsse
Versprechen verführt werden, dass der Kampf in diesem Leben plötzlich
am Ende ist. Ein Pfarrer kann ähnlicherweise durch ein Versprechen für
seine Gemeinde versucht werden. Aber mit dem Schild der Schrift kann und
muss er dieser Versuchung widerstehen.
Finden Sie diesen bitteren Kampf gegen die Sünde in
sich selbst?
Verzweifeln Sie nicht!
Denken nicht, dass Sie nicht errettet oder
ungenügend errettet sind!
Das ist es: das normale christliche Leben!
Die Folge ist, dass wir sehnsüchtig, nicht auf ein
zweites Gnadenwerk sondern auf das zweiten Kommen Jesu Christi warten:
Komm, Herr Jesus, komm schnell." Wir hoffen eifrig nicht für eine
Taufe mit dem Heiligen Geist sondern für die Auferstehung unserer
Körper: "… sondern auch wir selbst, die wir haben des Geistes
Erstlingsgabe, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft und
warten auf unsres Leibes Erlösung" (Rom 8:23).
Zweitens ist es die Aktivität des christlichen
Lebens, gute Werke zu tun. Aber dies besteht nicht daraus, sensationelle
Taten und fabelhaft aufregende Leistungen zu produzieren, wie die
Pfingstbewegung uns glauben lassen würde. Eher besteht es daraus,
unbemerkte belanglose Werke zu tun - Werke, die in der Einschätzung von
Menschen ohne Bedeutung sind. Diese ist die Aktivität der
Lebensheiligung, das Wandeln nach dem Geist nicht nach dem Fleisch:
indem man Unzucht, Unreinigkeit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei,
Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, Neid,
Saufen, Fressen und dengleichen nicht praktiziert (Gal. 5:19-21) und
indem man in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit,
Glauben, Sanftmut und Keuschheit lebt (Gal. 5:22-23).
Diese ist die Aktivität unbemerkter Werke, das
Gesetz Gottes zu halten; Gott richtig anzubeten; die Wahrheit zu
bekennen; des Sabbats zu gedenken; den Eltern zu gehorchen; im Ehestand
treu zu leben; als Lediger keusch zu leben; die Kinder zur Gottesfurcht
erziehen; fleissig an seiner irdischen Berufung zu arbeiten; die Steuer
dem Caesar zu bezahlen; gut über seinen Nachbarn insbesonders über den
Bruder oder die Schwester in der Gemeinde zu reden; und mit seinem Los
zufrieden zu sein, ohne zu begehren.
Zusammengefasst ist die Aktivität des christlichen
Lebens die Liebe – die Liebe gegenüber dem Herrn unserem Gott und die
Liebe gegenüber dem Nächsten.
Während Sie dies tut, posaunen Sie nicht mit einer
Trompete vor Ihrer Frömmigkeit; tun Sie es im Verborgene, so dass Gott
Ihnen es vergelten wird.
Dies ist möglich durch die einwohnende Kraft des
Allmächtigen Gottes, aber auch dann wird die Sünde unsere besten Werke
verunreinigen, so dass es nur einen kleinen Anfang vom neuen Gehorsam
geben wird und immer die Vergebung benötigt wird.
Aber hat das christliche Leben auch kein Erlebnis?
Als Alternative zum Glauben oder zusätzlich des
Glaubens muss dem Erlebnis mit Wurzel und Zweig abgeschworen werden.
Jesus Christus ruft uns nicht zu erleben oder zu fühlen, sondern zu
glauben. Der Heilsweg ist durch den Glauben nicht das Erlebnis; wir
werden durch den Glauben nicht durch das Erlebnis selig; wir werden
allein durch den Glauben selig, nicht durch den Glauben und durch das
Erlebnis.
Nichtdestotrotz hat der Glaube sein Erlebnis. Es ist
dreifach: Das Kind Gottes kennt die Grösse seiner Sünde und deren
Elend, seine gnädige Erlösung in Christi und seine Dankbarkeit für
diese Erlösung.
Erleben Sie das? Dann haben Sie das normale
christliche Erlebnis. Das ist alles, was es gibt. Wer auch immer nach
mehr giert, ist ein Undankbarer und reizt Gott. Er sagt zu Gott, der die
Kenntnis von sich selbst in seinem eigenen Sohn gibt (Joh. 17:3), "Aber
gibt es doch nichts mehr, nichts besseres?"
Um das anders auszudrücken, gibt der Heilige Geist
durch den Glauben den Frieden und die Freude, die aus der Rechtfertigung
kommen. "Nun wir denn sind gerecht worden durch den Glauben, so
haben wir Frieden mit Gott durch unsren Herrn Jesus Christus … und wir
rühmen uns der Hoffnung der zunkünftigen Herrlichkeit, die Gott geben
wird" (Rom. 5:1-2).
Da dieses das christliche Leben ist, ist das
Bekenntnis des Reformierten Gläubigen radikal anders als das Bekenntnis
des Pfingstchristen. Der Pfingstchrist rühmt sich ständig, dass er
grosse Kräfte besitze und jubelt ständig, dass er wunderbares
geleistet habe. Der Reformierte Gläubige bekennt demütig seine
Schwächen und er ist guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in
Nöten, in Verfolgungen, in Ängsten um Christi willen. Denn er hat
gelernt, sich auf die Gnade Gottes zu verlassen; er will, dass die Kraft
Christi bei ihm wohne; und er hat Gott im Evangelium gehört, wie er
sagt: "Meine Kraft ist in den Schwächen mächtig" (II Kor
12:9-10).
Er will nicht in sich rühmen. Das ist ihm zuwider,
eine Gotteslästerung. Aus tiefstem durch die Sünde gebrochenen aber
doch gerechtfertigten Herzen kommt das Bekenntnis: "Von mir aber
sei es ferne, mich zu rühmen, als allein des Kreuzes unsres Herrn Jesus
Christus" (Gal. 6:14).
Das ist das Gurren der Taube.
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