Was bedeutet „reformiert sein“?
von
Prof. Herman Hanko
„Geliebte,
da es mir ein großes Anliegen ist, euch von dem gemeinsamen Heil zu
schreiben, hielt ich es für notwendig, euch mit der Ermahnung zu
schreiben, daß ihr für den Glauben kämpft, der den Heiligen ein für
allemal überliefert worden ist.“ (Judas 3).
Gott teilt sich Seiner Gemeinde durch Sein Wort mit.
Im Licht Seines Wortes wollen wir nun die wichtige Frage beantworten,
was es bedeutet, „reformiert“ zu sein.
Wie allgemein bekannt, hat das Wort „reformiert“
heute so viele unterschiedliche Bedeutungen, dass sein ursprünglicher
Sinn verloren gegangen ist. Es gibt Gemeinden, die sich als „reformiert“
bezeichnen, tatsächlich jedoch gar nicht reformiert sind. Vielmehr sind
sie sogar zu Feinden des reformierten Glaubens geworden.
Es gibt auch einzelne Personen, die sich als „reformiert“
bezeichnen. Vielleicht kommt das Wort „reformiert“ nicht unbedingt
in der Bezeichnung ihrer Gemeinde vor, sie selbst bezeichnen sich
jedenfalls so. Würde man sie fragen: „Bist Du ein Reformierter?“
würden sie ohne zu Zögern antworten: „Ja, so ist es.“ Würde man
dann jedoch weiter fragen, was das denn konkret bedeutet, käme keine
Antwort. Diese Leute haben nämlich keine Ahnung davon, was es bedeutet,
„reformiert“ zu sein. Sie benutzen diese Bezeichnung einfach, weil
es sich ansprechend anhört, weil hinter dieser Bezeichnung eine
ehrwürdige Geschichte steht oder einfach, weil sie es schick finden,
sich so zu bezeichnen. Aber davon, was es bedeutet, „reformiert“ zu
sein, haben sie nicht die geringste Ahnung.
Es ist wichtig, dass wir uns darüber im Klaren sind,
was „reformiert sein“ bedeutet. Es soll in diesem Artikel nicht
darum gehen, herauszufinden, ob Sie wirklich „reformiert“
sind. Wenn Sie es sind, freut es mich natürlich. Wenn Sie es nicht sind,
müssen Sie sich über Folgendes im Klaren sein: Sie sind selbst dafür
verantwortlich, was Sie glauben und müssen dem Richter von Himmel und
Erde eines Tages Rechenschaft darüber ablegen. Es geht mir also nicht
darum herauszufinden, ob Sie reformiert sind. Vielmehr ist es mir
ein großes Anliegen, dass die Leute endlich damit aufhören,
willkürlich alles Mögliche als „reformiert“ zu bezeichnen. Gerade
so, als ob der Begriff „reformiert“ keinen spezifischen Inhalt
hätte. Seien wir doch ehrlich vor Gott, vor der Gemeinde und vor dem
Herrn der Gemeinde, unserem Herrn Jesus Christus. Wenn jemand nicht
reformiert sein will, soll er den Mut haben, den reformierten Glauben
abzulehnen. Es geht hier um mehr als eine reine Bezeichnung, es geht um
die Inhalte, die damit verknüpft sind.
Ich bin reformiert. Ich bin deshalb reformiert, weil
ich aus tiefstem Herzen davon überzeugt bin, dass der reformierte
Glaube die Wahrheit der Schrift wiedergibt. Und diese Wahrheit ist von
fundamentaler Bedeutung, weil sie den Unterschied zwischen Himmel und
Hölle ausmacht. Es geht hier nicht um Besserwisserei oder um
begriffliche Feinheiten. Wir reden hier von Dingen, die ewigen Bestand
haben: Die Wahrheit der Schrift, die Wahrheit Gottes und die Wahrheit
unserer Errettung.
Es gibt eine unübersehbare Zahl von Gruppierungen,
die sich allesamt als „reformiert“ bezeichnen. Da gibt es z.B. die
Gruppe der sogenannten „Fundamentalisten“, die sich als reformiert
bezeichnen. In den USA ist der Fundamentalismus eine einflussreiche
religiöse und kirchliche Bewegung. In den Zeitungen heißt es, dass die
Fundamentalisten dafür Sorge trugen, dass die letzten beiden
Präsidenten ins Amt kamen. Wenn das mal kein Einfluss ist! Die
Fundamentalisten bezeichnen sich selbst als reformiert, aber sie sind es
nicht.
Wie der Name schon sagt, halten die Fundamentalisten
an den fundamentalen Wahrheiten der Schrift fest. Hierzu gehören z.B.
die unfehlbare Inspiration der Schrift, die Jungfrauengeburt unseres
Herrn Jesus Christus und der Glaube an Wunder und das Übernatürliche.
Sie glauben an Schöpfung statt an Evolution, an die körperliche
Auferstehung Jesu Christi von den Toten, und an Seine Wiederkunft in den
Wolken. Das alles sind Wahrheiten der Schrift und das soll auch gar
nicht zur Diskussion stehen.
Wer das alles glaubt ist deswegen aber noch nicht
reformiert. Wie viele Katholiken gibt es auf der Welt, die all diese
Wahrheiten glauben. Ich habe sie selbst getroffen und mit ihnen
gesprochen. Und wer käme wohl auf die Idee, diese Katholiken als „reformiert“
zu bezeichnen?
Ein Kennzeichen des Fundamentalismus ist eine Lehre,
die im Laufe der Jahre als „Arminianismus“ bekannt wurde. Diese
Lehre ist mit dem reformierten Glauben unvereinbar. Viele jedoch, die
sich zum Arminianismus bekennen, bezeichnen sich gleichzeitig als
reformiert und sind auch noch stolz darauf. Sie behaupten, reformiert zu
sein, und vertreten gleichzeitig Lehren, die durch und durch
arminianisch sind.
Was lehrt nun der Arminianismus? Man vertritt dort -
entgegen der reformierten Lehre - die Sicht, dass die Errettung zum Teil
vom Menschen abhängt: Sei es der Wille des Menschen, die Entscheidung
des Menschen, oder die Macht des Menschen, Jesus Christus zu akzeptieren
bzw. zurückzuweisen. Aber das ist nicht reformiert! Weiter wird gelehrt,
dass Gott nicht etwa vor Anbeginn der Zeit nach Seinem eigenen
Ratschluss ein Volk für sich erwählt hat. Nein, nach der
arminianischen Lehre kommt Gottes Volk wie folgt zustande: Gott erwählt
vor Anbeginn der Welt diejenigen, die sich eines Tages ohnehin für Ihn
entscheiden werden und verwirft all jene, die sich nicht für Ihn
entscheiden werden. Diese Sicht von Erwählung und Nicht-Erwählung
teilte auch ein römisch-katholischer Priester, mit dem ich mich einmal
über dieses Thema unterhielt. Er gab mir folgendes Beispiel: „Stellen
Sie sich vor, Sie stehen auf dem Dach eines hohen Gebäudes in einer
belebten Stadt. Von dort aus können Sie eine Kreuzung überblicken.
Stellen Sie sich weiter vor, dass zwei Autos auf verschiedenen Straßen
auf diese Kreuzung zu fahren. Beide fahren 100 km/h und sind jeweils nur
noch etwa 30 Meter von der Kreuzung entfernt. Daher kann man wohl davon
ausgehen, dass diese Autos auf der Mitte der Kreuzung zusammenstoßen
werden. Genau so sieht Gott voraus, wer das Evangelium glauben wird und
wer nicht. Auf dieser Grundlage erwählt er dann Sein Volk und verwirft
den Rest der Menschheit.“ Diese Lehre ist nicht reformiert, sie ist
arminianisch. Sie hat nichts mit dem Evangelium zu tun und widerspricht
der Schrift. Jeder, der diese Lehre vertritt und gleichzeitig behauptet
reformiert zu sein, weiß nicht, wovon er spricht.
Auch die Lehre, dass Christus für alle
Menschen gestorben ist, ist arminianisch und nicht reformiert. Diese
Lehre wird heute aber von fast jedem Christen als selbstverständlich
anerkannt. Das geht sogar so weit, dass jeder, der diese Lehre in Frage
stellt, auf Verwunderung und Irritation stößt. Es ist aber nun einmal nicht
die reformierte Position, das Christus für jeden einzelnen Menschen
gestorben ist! Das war es nie, das ist es nicht und das wird es nie sein!
Ebenso wenig reformiert ist die Sicht des Evangeliums
als Einladung. Das Evangelium, das durch Gottes Fügung überall auf der
Welt gepredigt wird, ist nach dieser Auffassung eine an jedermann
gerichtete Einladung zur Errettung. Aus reformierter Sicht ist es aber
nicht Gottes Wille oder Wunsch, dass ein jeder gerettet wird, der das
Evangelium hört. Denn das ließe Gott aussehen wie jemand, der auf
Knien und mit ausgestreckten Armen darum bettelt, dass die Menschen doch
zu ihm kommen und in ihm Ruhe und Hoffnung finden. Der reformierte
Glaube lehrt nicht, dass man sich für die Errettung entscheiden kann
oder dass das Evangelium ein Angebot für jedermann darstellt.
Der reformierte Glaube lehrt nicht, dass es für
einen Menschen möglich ist, dem Werk des Heiligen Geistes zu
widerstehen. Weder ganz am Anfang noch bei der Vollendung des Werkes des
Geistes. Der Mensch kann nicht in Unglauben und Sünde verharren
während der Geist sich nach Kräften um Veränderung bemüht. Der
Mensch kann nicht einfach munter auf der Straße Richtung Hölle weiter
marschieren, während der Geist alle Hebel in Bewegung setzt, um diesen
Menschen zu erretten. Das ist nicht reformiert! Das war es nicht,
das ist es nicht und das wird es nie sein!
Es ist nicht reformiert, das Prinzip „Einmal
Gotteskind – immer
Gottes Kind“ zu relativieren. Man kann nicht heute ein Gotteskind sein,
Morgen wieder verloren gehen und vielleicht eine Woche später wieder
gerettet sein. Nur um dann einen Monat später erneut auf der Straße
zur Hölle zu marschieren. Das ist nicht reformiert. Das war es nie, das
ist es nicht und das wird es niemals sein!
Die Lehre, dass Gott alle Menschen liebt, ist nicht
reformiert. Auch ist Gott nicht so verzweifelt, dass er alle Menschen
segnet, ihnen gegenüber gnädig ist und ihnen etwas aus Gnade schenkt,
nur um dann im Gegenzug ihre Zuneigung zu gewinnen. Das ist
Arminianismus. Jeder, der solche Lehren vertritt und sich trotzdem
selbst als reformiert bezeichnet, hat entweder keine Ahnung vom
reformierten Glauben, oder aber er lügt im Angesicht Gottes und der
Gemeinde.
Der Begriff „reformiert“ geht auf Calvin und die
Reformation zurück.Es ist der Genialität Calvins zu verdanken, dass
die Lehre, die Art und Weise der Anbetung sowie die Prinzipien der
Gemeindeleitung grundlegend erneuert wurden. All diese Bereiche waren
durch die falsche Lehre der römisch-katholischen Kirche durch und durch
verdorben.
Auch Luther war ein Gegner des Katholizismus, er wird
jedoch nicht als „reformiert“ bezeichnet. Der Grund hierfür ist
aber nicht, dass er eine wesentlich andere Lehre als Calvin vertrat.
Vielmehr hatte ihm Gott im Rahmen der Reformation eine andere Aufgabe
als Calvin zugedacht. Luther sollte das imposante und scheinbar
unüberwindliche Lügengebäude von Roms gottlosem, abgefallenen und
götzendienerischen Sacerdotalismus1 mit dem donnernden
Kanonenschuss der Rechtfertigung aus Gnade allein zum Einsturz bringen.
Und genau das tat er auch.
Nun war es an Calvin, die eigentliche Arbeit der
Reformation aufzunehmen. Es reichte nicht aus, nur das widergöttliche
und unbiblische Lehrgebäude der römisch-katholischen Kirche
niederzureißen. Calvins Aufgabe war es, auf diesen Trümmern die
Wahrheit der Schrift aufzurichten. Der reformierte Glaube besteht also
in der Lehre, die der große Reformator aus Genf darstellte.
Es sei in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf
hingewiesen, dass es sich beim reformierten Glauben um eine Lehre
handelt. Das muss man verstanden haben. In diesem Punkt darf es
keinerlei Unklarheiten geben. Wir leben in einer Zeit, in der man sich
nicht oder nicht sonderlich für Lehre interessiert. Es wird vielmehr
von der Leidenschaft gesprochen, „Seelen zu retten“, davon, zu den
Verlorenen zu gehen oder von der Wichtigkeit der Missionsarbeit. Wir
werden ja auch aufgefordert, hin zu gehen in alle Welt und das
Evangelium der ganzen Schöpfung zu verkündigen (Markus 16,15). Das ist
der klare Auftrag der Gemeinde. Und doch ist die Missionsarbeit nicht
der einzige Auftrag der Gemeinde. Wer vergisst, dass es unsere primäre
Berufung ist, für den Glauben zu kämpfen, der den Heiligen ein für
allemal überliefert worden ist, ist gar nicht dazu in der Lage, Mission
zu betreiben. Um es nochmals und mit aller Nachdrücklichkeit
festzustellen: Der reformierte Glaube ist Lehre: Klare,
sorgfältig erarbeitete, präzise, ausformulierte Lehre. Genau
das ist der reformierte Glaube und nichts anderes. Wenn Sie sich nicht
für Lehre interessieren, haben Sie auch kein Recht, sich „reformiert“
zu nennen.
Wenn Sie nicht glauben, dass Calvin eine Lehre
erarbeitet hat, schlage ich folgendes vor: Machen Sie es sich heute
Abend in Ihrem Lieblingssessel gemütlich, nehmen Sie sich Calvins Unterricht
in der christlichen Religion zur Hand und blättern Sie einfach mal
5 Minuten darin. Das sollte auch den letzten Rest Zweifel daran
ausräumen, dass Calvin eine Lehre erarbeitet hat.
Wenn ich sage, dass der reformierte Glaube Lehre ist,
meine ich damit nicht eine Lehre wie z.B. Geometrie. Die
Gesetzmäßigkeiten der Geometrie mögen Sie glauben oder auch nicht,
jedenfalls wird das keinerlei Einfluss auf Ihr Leben haben (abgesehen
vielleicht von der Ausnahme, dass Sie Geometrie für Ihren Beruf
benötigen). Dagegen ist die reformierte Lehre die Wahrheit von Gott.
Ein Reformierter hat entsprechende Ehrfurcht davor, weil es eben die
Lehre von Gott ist. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, dass Sie
die Straße entlang gehen und die Unterhaltung dreier Männer mithören.
Spöttisch grinsend unterhalten sie sich über Ihre Frau und nennen sie
eine billige Hure. Vermutlich werden Sie daraufhin alles in Ihrer Macht
stehende tun, um hier eine Klarstellung herbeizuführen und das Ansehen
Ihrer Frau wiederherzustellen. Sie werden das tun weil Sie sie lieben
und weil Sie das verleumderische Geschwätz nicht ertragen können. Sie
wollen, dass über Ihre Frau nur die Wahrheit gesprochen wird.
Entsprechend will ein Reformierter, dass über Gott
nur die Wahrheit gesprochen wird. Wenn über Gott unwahr oder abfällig
gesprochen wird, missbilligt das ein Reformierter nicht einfach. Nein,
er hasst so etwas inbrünstig. Dieser Hass gilt auch denen, die
nicht die Wahrheit über Gott sprechen, sondern menschliche
Vorstellungen oder eigene Theorien über Ihn verbreiten. Sie beugen sich
nicht dem, was die Schrift über Gott sagt. Der reformierte Glaube lehrt
aber die Wahrheit über Gott! Und jeder, der mit dem reformierten
Glauben vertraut ist und Ihn aus tiefstem Herzen als die Wahrheit
erkannt hat, wird ihn auch verteidigen. Er wird mit Elia sprechen: „Ich
habe heftig geeifert für den Herrn, den Gott der Heerscharen“ (1.
Könige 19,14).
Was ist nun aber der reformierte Glaube? Er ist die
Wahrheit über Gott. Und wie es bereits Calvin tat, lehrt der
reformierte Glaube, dass es nur einen Gott gibt, der in jeder Hinsicht
absolut souverän ist. Er handelt nach Seinem eigenen Wohlgefallen und
verwirklicht alles, was Er sich vorgenommen hat. Der reformierte Glaube
lehrt, das Gott den Himmel und die Erde geschaffen hat. Er erhält jedes
lebende Wesen durch Sein mächtiges Wort am Leben und herrscht über
jedes lebende Wesen mit Seiner souveränen Macht. Daher kann sich nichts
und niemand Seinem Willen widersetzen. Das gilt nicht nur für die
Sterne, deren Bahn am Firmament Er lenkt und auch nicht nur für den
kleinen Käfer, der auf dem Bürgersteig entlang krabbelt. Nein, auch
das Herz eines Königs ist Seiner Souveränität unterworfen. Wie
Salomon schon sagt: „Gleich Wasserbächen ist das Herz des Königs in
der Hand des Herrn; er leitet es, wohin immer er will.“ (Sprüche
21,1).
Der reformierte Glaube lehrt einen souveränen Gott.
Wir glauben, dass selbst Assyrien, die Weltmacht der Zeit Jesajas, nur
ein Spielball in Gottes Hand war: „Rühmt sich auch die Axt gegen den,
der damit haut? Oder brüstet sich die Säge gegen den, der sie führt?
Als ob der Stock den schwänge, der ihn aufhebt, als ob die Rute den
erhöbe, der kein Holz ist!“ (Jesaja 10,15). Weiter lehrt der
reformierte Glaube, dass unser Herr Jesus Christus zwar Pilatus, Herodes
und den Händen der gesetzlosen Juden ausgeliefert war, dennoch geschah
all dies nach Gottes festgesetztem Ratschluss und Vorsehung (Apostelgeschichte
2,23). Der reformierte Glaube fragt mit den Worten des Propheten Amos:
„Geschieht auch ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht gewirkt
hat?“ (Amos 3,6). Das ist der reformierte Glaube. Der Herr ist
souverän und handelt nach Seinem Wohlgefallen, sowohl im Himmel wie
auch auf Erden. Er setzt Könige ein und beendet ihre Herrschaft auch
wieder, ganz so wie Er es will.
Die Frage, ob wir reformiert sind oder nicht, läuft
letztlich auf folgendes hinaus: Hat die Souveränität Gottes, des
Herrschers des Himmels und der Erde, den ihr gebührenden Stellenwert in
unserer Lehre? Wollen wir einen souveränen Gott, wollen wir Ihn
anbeten, Ihm dienen und ihm vertrauen? Oder reicht es uns, ein hilfloses
Götzenbild zu haben, dass dem souveränen Willen des Menschen
unterworfen ist? Wollen wir wirklich einem Gott dienen, der unfähig ist,
diejenigen zu retten, die er retten will? Soll ein flehender Gott, einen
flehender Christus, auf den freien Willen des Menschen angewiesen sein?
Weder brauche ich einen solchen Gott, noch wollte ich ihn haben. Ich
brauche einen Gott, der einen hilflosen und völlig verdorbenen Sünder
rettet. Wenn ich einen solchen Gott nicht habe, gibt es keine Hoffnung.
Der reformierte Glaube lehrt mit Calvin, dass Gott
bezüglich des gesamten Werkes der Errettung eines Menschen souverän
ist. Er beginnt das Werk und beendet es auch. Der Mensch trägt hierzu
nichts bei. Der reformierte Glaube lehrt mit Calvin, dass Gott sich vor
Grundlegung der Welt ein Volk für Christus erwählt hat (Epheser 1,4).
Diese Erwählung fand völlig unabhängig von allem statt, was der
entsprechende Mensch einmal sein oder tun würde. Diese Erwählten sind
dazu bestimmt, Sein Volk zu sein und mit ihm in der zukünftigen
Herrlichkeit zu leben.
Gott hat nach Seinem Wohlgefallen festgelegt, wer die
Verworfenen sind (Römer 9,22). Seine Gerechtigkeit kommt dadurch zum
Ausdruck, dass die Verworfenen auf ewig die Strafe für ihre Sünden in
der Hölle verbüßen werden.
Gott, der souveräne Herr, gab Seinen Sohn nicht um
für alle Menschen zu streben. Er sollte nur für Seine Schafe sterben (Matthäus
1,21). Sein Sühnetod wurde denen zugerechnet, die Ihm vom Vater gegeben
waren (Johannes 6,37). Durch Seinen vollkommenen Gehorsam am Kreuz
schenkt Er Seiner Erwählten auf ewig die Erlösung.
Der reformierte Glaube lehrt, dass der Geist Christi,
der zur Rechten Gottes sitzt, die unwiderstehliche Macht hat, zu
Erretten. Dieser Geist durchstreift die Weite der gesamten Schöpfung.
Er weiß, wer die Erwählten sind, für die Christus starb und für die
Er Sein Blut vergoss. Er kommt in ihre Herzen, überwindet ihren
Widerstand, reißt die Mauern Ihrer Rebellion ein und überwindet ihren
bitteren Hass und ihre Feinschaft gegen Gott. Er nimmt die Zitadelle
ihres Unglaubens ein, berührt ihre Herzen und macht aus Sündern
Heilige. Aus Gotteslästerern macht Er solche, die Gottes Namen preisen.
Durch Seine völlig unwiderstehliche Macht verändert Er Menschen und
befreit sie aus der Sklaverei der Sünde.
Der reformierte Glaube lehrt mit Calvin, dass der
Mensch völlig verdorben ist (Römer 3). Er ist so verdorben, dass er
nicht nur außer Stande ist, Gutes zu tun, nein, er will es auch
nicht tun. Er kann das Gute nicht wollen, ebenso wenig wie er
danach streben kann. Er kann nicht danach suchen, er weiß
nicht was das Gute ist. Alles, was er kennt, ist Hass, bitterer, niemals
endender, unerbittlicher Hass auf alles, was gut ist und auf alles was
Gott zugehörig ist. Seine Errettung hängt vollständig vom souveränen
und unwiderstehlichen Werk des Geistes ab.
Der reformierte Glaube lehrt mit Calvin: „Einmal
ein Gotteskind, immer ein Gotteskind“ (vgl. Phil. 1,6). Wie der Herr
selbst in Johannes 10,28 sagt: „Niemand wird sie aus meiner Hand
reißen.“ Auch wenn wir noch so tief in Sünde fallen, auch wenn wir
noch so weit abseits von Gottes Wegen wandeln: Wir sind doch sicher in
der allmächtigen Hand unseres Erlösers, der uns im Glauben erhält und
bewahrt.Er wird uns - auch wenn es mit Züchtigung verbunden ist - zu
Einsicht und Umkehr führen. Der Geist treibt und zum Kreuz, wo wir
weinend auf unsere Knie sinken und um Vergebung bitten. Anschließend
klammern wir uns wieder an den blutenden Körper unseres Erlösers.
Der reformierte Glaube lehrt, dass der Glaube, durch
den wir uns an Christus klammern, nicht aus uns ist –
er ist Gottes Gabe (Epheser 2,8). Gott gibt uns nicht nur die Fähigkeit
zu Glauben, er bewirkt den Glauben selbst in uns. Der reformierte Glaube
lehrt daher, dass das Evangelium weder eine Einladung, noch ein Angebot,
noch ein Ausdruck von Gottes Liebe gegenüber jedermann oder das Flehen
des Erlösers ist. Wie Paulus in Römer 1,16 sagt, ist das Evangelium
vielmehr Gottes Kraft zur Errettung für jeden, der glaubt.
Der reformierte Glaube lehrt nicht, dass Gott alle
Menschen liebt. Auch wird nicht gelehrt, dass alle Menschen Seine
Zuwendung und Seine Gnade empfangen. Gott zürnt stattdessen täglich
dem Treiben der Gottlosen, wie es der Psalmist an vielen Stellen zum
Ausdruck bringt (Psalm 7,12 und andere). Der reformierte Glaube lehrt -
wie es der Weise Israels in den Sprüchen ausdrückt - „Denn der
Verkehrte ist dem Herrn ein Greuel, aber mit den Aufrichtigen hat er
vertrauten Umgang.“ (Sprüche 3,32). Der reformierte Glaube lehrt,
dass Er für die Gottlosen nichts als Hass und Fluch übrig hat. Wie
Asaph in Psalm 73, 18 singt: „Du stellst sie auf schlüpfrigen Boden;
du lässt sie fallen, dass sie in Trümmer sinken.“
Der reformierte Glaube lehrt mit Calvin, dass den
Erwählten, für die Christus gestorben ist, alle Dinge zum Besten
dienen (Römer 8,28). Die reformierte Lehre macht dadurch klar, dass
Gott Gott ist und alles nach Seinem Wohlgefallen fügt. Er allein
ist der souveräne Heilige Israels, dem aller Lobpreis, alle Ehre
und alle Macht gebührt. Jetzt und für alle Zeit. Das ist der
reformierte Glaube, und nur das allein.
Diejenigen, die diese Wahrheiten in Frage stellen,
sind nicht reformiert. Jeder, der irgend etwas anderes glaubt, kann sich
nicht „reformiert“ nennen. Es war nie reformiert, etwas anderes zu
lehren. Nicht zur Zeit des Genfer Reformators und auch heute nicht. Und
dies wird so bleiben, bis der Herr wiederkommt.
Diejenigen, die reformiert sein wollen und etwas
anderes lehren, tun dies entweder aus Unwissenheit oder sie segeln unter
falscher Flagge.
Ihr Piratenschiff segelt unter der Flagge ihrer
Majestät. So können sie anderen auflauern und sie in die Irre führen,
was schließlich zu deren Untergang führt. Sie sind die Feinde des
reformierten Glaubens. Das müssen wir wirklich verstanden haben.
Der Herr drückte sich sehr klar aus, wenn er zu
Seinen Jüngern sagte: „Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich, und
wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut!“ (Matthäus 12,30) Entweder
oder, schwarz oder weiß. Es gibt keine dritte Option, kein grauer
Bereich, wo man sich so lange aufhalten kann, bis man zu einer
Entscheidung gekommen ist. Entweder man teilt den reformierten Glauben
oder eben nicht, entweder man liebt ihn aus tiefstem Herzen oder man
hasst ihn. Der reformierte Glaube beansprucht für sich diese exklusive
Stellung, weil er die exklusive Stellung der Schrift und die exklusive
Stellung eines souveränen Gottes beansprucht, der Sich selbst auf den
Seiten der Schrift offenbart hat.
In zweiter Linie ist der reformierte Glaube auch eine
Weltanschauung. Er definiert also, wie wir die Welt um uns wahrnehmen
und bewerten.
Der reformierte Glaube lehrt, dass ein erwähltes,
gläubiges Gotteskind in Anbetracht dieser Welt mit Jesus ausspricht:
„In der Welt, aber nicht von der Welt.“ (vgl. Johannes
17,14). Es muss uns absolut klar sein, dass Lehre und Lebenswandel Hand
in Hand gehen.
Es ist eine Tragödie, dass in einer Zeit, in der die
christliche Lehre ohnehin weitgehend unbekannt ist, selbst fromme
Christen der Meinung sind, dass Lehre unwichtig ist. Man nimmt es mit
der Lehre nicht so genau oder interessiert sich erst gar nicht erst
dafür. Viel wichtiger sei die Lebensweise, so wird gesagt. Geht
es beim reformierten Glauben und der christlichen Religion also nur noch
darum, moralisch korrekt zu handeln? Soll es darauf hinauslaufen? Gott
bewahre uns davor. Moral ohne Lehre ist wertlos. Die Welt, die eine Welt
des Unglaubens und des Heidentums ist, hat im Laufe der Geschichte
einige der moralisch hochstehendsten Menschen hervorgebracht. Zu den
Menschen mit den höchsten moralischen Standards gehörten
beispielsweise griechische Philosophen. Doch was hat das mit dem
christlichen Glauben zu tun? Und was vor allem mit dem reformierten
Glauben? Die Antwort ist: Nichts. Lehre und Lebensweise gehören
zusammen. Was jemand für wahr hält bestimmt sein Leben. Wenn dieses
Leben aber nicht im Glauben verwurzelt ist, hat es keine Bedeutung. Die
Auffassung über die Wahrheit der Schrift ist selbst eine Lebensweise.
Das ist gemeint, wenn von „Antithese“ die Rede ist.
Wenn es stimmt, dass Gott alle Menschen liebt, dass
allen Menschen Seine Gnade zu Teil wird, dass alle Menschen Seine Güte,
Seine Freundlichkeit und Fürsorge erfahren; wenn allen Menschen Seine
„Allgemeine Gnade“ und ausnahmslos allen Menschen Seine Liebe durch
Christus am Kreuz zu Teil wird, dann gibt es keine „Antithese“ mehr
zwischen der Welt und der Gemeinde Gottes. Leider wird dies aber heute
so gesehen.
Nehmen wir einmal an, das wäre tatsächlich so. Wenn
Gott also alle Menschen liebt, wenn Er gnädig und freundlich gegenüber
jedermann ist, so wird das ja seinen Niederschlag in der allgemeinen
Güte der Menschen finden. Sicher gibt es in der Geschichte Monster wie
Stalin oder Hitler, aber abgesehen davon hat der Mensch doch viel Gutes
in sich. So gibt es z.B. Philantrophen oder Menschen, die beeindruckende
Werke der Kunst geschaffen haben: Gemälde von ergreifender Schönheit
und Musikkompositionen von unvergleichlicher Perfektion. Menschen geben
von ihrem Millionenvermögen für Projekte, die der Gesellschaft zu Gute
kommen, wie z.B. für den Bau von Krankenhäusern. Menschen verfolgen
erstrebenswerte Ziele in dieser sündhaften Welt, so z.B. das Ziel einer
Welt, in der es keine Kriege mehr gibt. Es gibt sogar Menschen, die sich
gegen Abtreibung, Homosexualität und sexuelle Perversionen aussprechen.
Nehmen wir also an, dass all diese Dinge dem gnädigen, freundlichen und
gütigen Werk Gottes durch Seinen in jedem Menschen wirkenden Geist
zuzuschreiben sind. Diese „Allgemeine Gnade“ würde doch die tiefe
Kluft zwischen der Gemeinde Gottes und der Welt überwinden und eine
Brücke darüber bauen. Dies würde es der Welt erlauben, über die
Gemeinde hereinzubrechen und ebenso der Gemeinde, freudig hinaus in die
Welt zu laufen. Diese Vorstellung ermutigt doch die Gemeinde, sich für
alle möglichen Unternehmungen mit der Welt zu vereinen. Sei es nun in
der Wissenschaft, in den Werken der Philantrophie, bezüglich Fragen der
Moral, in der Politik (hier insbesondere das Einsetzen bestimmter
Personen in bestimme Ämter), bezüglich Fragen der Wirtschaft oder in
anderen Bereichen. Hier gibt es genug Raum für Zusammenarbeit und
Übereinstimmungen. Es gibt genügend Gelegenheiten, bei denen die
Ungerechten mit den Gerechten Hand in Hand zusammenarbeiten können.
Der reformierte Glaube kann solche Überlegungen nur
in die tiefsten Tiefen der Hölle verdammen! „Zieht nicht in einem
fremden Joch mit Ungläubigen! Denn was haben Gerechtigkeit und
Gesetzlosigkeit miteinander zu schaffen? Und was hat das Licht für
Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial überein?
Oder was hat der Gläubige gemeinsam mit dem Ungläubigen? Wie stimmt
der Tempel Gottes mit Götzenbildern überein? Denn ihr seid ein Tempel
des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: »Ich will in ihnen wohnen
und unter ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk
sein«. Darum geht hinaus von ihnen und sondert euch ab, spricht der
Herr, und rührt nichts Unreines an!“ (2. Korinther 6,14-17). Das ist
der reformierte Glaube: Die scharfe Klinge der Antithese schneidet durch
jede Facette des Lebens eines Gotteskindes in dieser Welt.
Mir ist durchaus bewusst, dass wir zusammen mit den
Ungerechten in dieser Welt leben. Sie arbeiten neben uns in der Fabrik
oder wohnen im Haus nebenan. Wir gehen in den gleichen Lebensmittelladen
wir sie, wir essen das gleiche Essen und teilen uns mit ihnen Gottes
Schöpfung. Das alles soll hier gar nicht zur Debatte stehen. Jedoch
durchdringt der Hass des Ungläubigen auf Gott ausnahmslos jeden
einzelnen Aspekt seines Lebens, ebenso richtet der Gläubige sein Leben
auf Gott aus. Paulus spricht sogar davon, dass unsere Betrübnis von
einer gänzlich anderen Art als die Betrübnis der Ungläubigen ist: „Denn
die gottgewollte Betrübnis bewirkt eine Buße zum Heil, die man nicht
bereuen muss; die Betrübnis der Welt aber bewirkt den Tod.“ (2.
Korinther 7,10). Unsere Freude ist eine andere Freude als das Gelächter
dieser Welt. Unser ganzes Leben ist anders, weil der Geist Gottes in uns
himmlisches Leben angelegt hat. Wir sind Bürger des Himmelreiches und
gleichzeitig Pilger und Fremde auf dieser Erde. Wir fühlen uns den
Dingen dieser Welt nicht verbunden, unser Bürgerrecht ist im Himmel.
Das Ziel unserer Reise ist unseres Vaters Haus. Die Dinge dieser Welt
beschäftigen uns nur so weit, wie es für unsere Pilgerreise notwendig
ist, die wir freudig und in Dankbarkeit gegenüber unserem himmlischen
Vater auf uns nehmen. Wir dienen unseren Herrn Jesus Christus unser
ganzes Leben lang. Und Sein Reich ist nicht von dieser Welt, sondern es
ist das himmlische Königreich (vgl. Johannes 18,36).
Seit den Tagen Calvins hält sich der reformierte
Glaube an folgenden Grundsatz: „Eine reformierte Gemeinde ist eine
sich reformierende Gemeinde“. Was bedeutet das? Kurz gesagt bedeutet
es, dass keine Gemeinde jemals geistlich stagnieren darf. Eine geistlich
stagnierende Gemeinde ist wie ein Eimer Wasser, den man irgendwo
hinstellt und dann nicht mehr bewegt: Bald bildet sich grüner Schleim
auf der Wasseroberfläche und es beginnt zu stinken. Eine Gemeinde kann
nicht geistlich stagnieren, entweder sie bewegt sich vorwärts oder
rückwärts, eins von beidem. Die große Tragödie heutzutage ist, dass
sich die Gemeinden im Allgemeinen geistlich rückwärts bewegen. Sie
haben sich schon so weit rückwärts bewegt, dass sie gar nicht mehr
wissen, was „reformiert sein“ bedeutet. Ich würde sogar noch weiter
gehen und behaupten, dass die Gemeinden weitgehend vergessen haben, was
es eigentlich bedeutet, Gemeinde zu sein. Sicher haben die
Gemeinden eindrucksvolle Gebäude und ambitionierte Programme, die
Millionen von Pfund kosten. Sicher äußern sich die Gemeinden in der
Öffentlichkeit zu allen möglichen sozialen Fragen und beziehen laut
und engagiert Stellung zu Fragen der Politik und Gesellschaft. Und doch
haben die Gemeinden aufgehört, „Gemeinde“ zu sein.
Eine reformierte Gemeinde bewegt sich geistlich
vorwärts. Warum? Paulus sagt in Römer 11,33: „O welche Tiefe des
Reichtums sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie
unergründlich sind seine Gerichte, und wie unausforschlich seine Wege!“
Die Schrift hat einfach so viel geistliche Tiefe, dass wir sie so lange
wir hier auf der Erde leben niemals gänzlich ergründen werden. In 1.
Korinther 13,12 sagt Paulus, dass die Schrift wie ein Spiegel ist.
Hinter uns leuchtet Jesus Christus, so dass ein Teil Seiner Herrlichkeit
durch die Schrift wiedergespiegelt wird. Und die Herrlichkeit Christi
ist die Offenbarung Gottes an uns durch die Schrift. Was wir dort sehen
ist von einer überwältigenden Schönheit. Allerdings können wir
können nur einen Teil Seiner Herrlichkeit erkennen. Paulus sagt, dass
wir uns eines Tages herumdrehen werden und ihm ins Angesicht schauen (1.
Korinther 13,12). Dann werden wir den Spiegel nicht mehr brauchen, weil
wir bei ihm sind und die Wahrheit in ihrer Vollkommenheit kennen werden.
Gleichwohl haben wir die Schrift, und selbst wenn die Welt noch
Milliarden von Jahre bestehen sollte, ist darin die Wahrheit enthalten,
die wir mit unserem schwachen Verstand nur im Ansatz begreifen. Das ist
die Offenbarung Gottes durch Christus. Eine reformierte Gemeinde ist
sich dessen bewusst.
Sie verweigert sich nicht der Vergangenheit, Gott
bewahre uns davor. Sie erhält dieses ruhmvolle Erbe des reformierten
Glaubens als eine Gabe des Geistes der Wahrheit an die Gemeinde Gottes.
Sie erhält diese unschätzbar wertvolle Gabe, für die unzählige
Menschen ihr Leben ließen, mit demütiger Danksagung. Dafür haben
diese Menschen ihr Blut vergossen, ihnen war dieses Erbe wichtiger als
ihr Leben. Sie sind Heilige und Märtyrer, die sich jetzt der
Gemeinschaft mit anderen vollkommen gemachten Gläubigen erfreuen.
Dieses Erbe ist mit dem Blut der Heiligen geschrieben, mit denen wir
dereinst zusammen in der Herrlichkeit sein werden. Wir erhalten dieses
Erbe mit aller Demut und Ehrfurcht. Wenn wir es in unseren Händen
halten, verstehen wir, dass uns Gott hier einen unvorstellbar wertvollen
Besitz anvertraut.
Aber was sollen wir nun damit machen? Es für einen
Teller Linsensuppe verkaufen? Es in alle vier Winde verstreuen? Sollen
wir untreu gegenüber denjenigen sein, die dieses Erbe durch Blut und
Leid erkauft haben? Sollen wir das Opfer dieser Menschen mit Füßen
treten, in dem wir nachlässig, gleichgültig oder töricht über einen
„reformierten Glauben“ sprechen? Nein, wir behüten dieses kostbare
Erbe wie unseren Augapfel. Wir geben es unseren Kinder zu treuen Händen
weiter, weil es das Wissen von Gott darstellt. Jesus betet in Johannes
17,3: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren
Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“
Wenn wir nun diesen Schatz haben, diesen Glauben, der
den Heiligen ein für allemal überliefert worden ist, dann sind wir
nachdrücklich dazu aufgerufen, dafür zu kämpfen (vgl. Judas 3). Auch
wenn das bedeutet, dass wir dafür Verachtung und Spott ausgesetzt sind.
Auch wenn wir nur Wenige sind, ist dieses Erbe viel zu wertvoll als dass
wir es auf dem Altar der Beliebtheit und der gesellschaftlicher
Anerkennung opfern könnten. Dieses Erbe ist unsere Errettung.
Eine reformierte Gemeinde nimmt dieses Erbe und
bewegt sich damit voll Freude und Eifer geistlich vorwärts. Mit der
Freude an der Wahrheit erforscht sie die Schrift, um so zu einem
klareren, umfassenderen und gesegneteren Verständnis von Gottes
kostbarem Wort zu kommen. Eine reformierte Gemeinde ist eine treue
Gemeinde, eine Gemeinde, die sich immerfort mit den Wahrheiten der
Schrift befasst.
Das ist also der reformierte Glaube. Sind Sie nach
dieser Darstellung reformiert? Wenn Sie das nicht sind, wenn diese Lehre
nichts für Sie ist, so ist das letztlich Ihre Sache. In dieser Welt
haben Sie schließlich das Recht, zu glauben, was Sie wollen. Aber
denken Sie auch daran, dass Sie eines Tages Dem, der auf dem großen
weißen Thron sitzt, Rechenschaft ablegen müssen. Und wenn Sie dann vor
Ihm stehen, wird er Sie nicht fragen: „Welche großen Werke hast Du
vollbracht? Wie viele Seelen hast Du versucht, für mich zu retten?“
Er wird Sie auch nicht fragen, ob Sie versucht haben, das Reich Gottes
auf dieser Welt voranzubringen. Das interessiert Ihn nicht. Er wird
Ihnen präzise eine Frage stellen: „Standest Du treu zu meinem Wort
uns zu meiner Wahrheit?“ Das ist alles.
Wenn Sie nicht reformiert sein wollen, dann ist das
Ihre Entscheidung. Aber bitte bezeichnen Sie sich dann nicht vor Gott
und Seiner Gemeinde als reformiert. Glauben Sie, was Sie wollen, aber
bitte bezeichnen Sie sich dann nicht als reformiert.
Wenn Sie reformiert sind und das auch sein wollen,
wenn Sie die Wahrheit der großen Herrlichkeit des allmächtigen Gottes
lieben, dann sind Sie herzlich eingeladen, in diesen finsteren Zeiten
unserem Kampf für die Wahrheit des Evangeliums beizutreten. Es ist nur
noch eine kurze Zeit, das Ende ist nahe. Lasst uns arbeiten solange es
Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. (Johannes 9,4).
1Das
ist die römisch-katholische Lehre von der notwendigen Mittlerschaft des
Priesters zwischen Gott und Mensch.
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